Die Win-Win-Situation für das Team Lang und Alexander Hin

Der Schweinfurter Uwe Lang war als vierfacher Deutscher Bergmeister ein Meister seins Fachs, jetzt fungiert als Teamchef seines Motorsportteams Lang und dirigiert seinen Sohn Georg Lang und den Elzacher Alexander Hin in die Erfolgsspur. „Der Uwe ist unser Teamchef, Renningenieur und Strategiechef“, sagt Georg Lang schmunzelnd über seinen Vater, der sich mit einer Firmenhalle im Schonunger Ortsteil Abersfeld beste Voraussetzungen für sein Nebenerwerbs-Engagement geschaffen hat.

Obwohl es in Osnabrück anno 2021 nur ein einziges Rennen zur Deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft auf deutschem Boden gegeben hat, bestritt das Team Lang dieses Jahr zumindest sechs Rennen – und das mit Erfolg. Alexander Hin gewann das zweithöchste Championat in Deutschland, den DMSB-Automobil-Berg-Cup für Sportwagen und direkt hinter ihm holte sich Georg Lang die Vizemeisterschaft. Das war für den Breisgauer Hin freilich nur eine Pflichtaufgabe, pilotiert er doch mit dem Osella PA 30, der nur 580 Kilogramm wiegt und 520 PS aus einem Zytek-V8-Aggregat schöpft, den mit Abstand besten Boliden eines deutschen Fahrers. „Uns fehlt wegen den Corona-Beschränkungen die Fahrpraxis“, begründet Uwe Lang die Strategie, heuer fünf Rennen in Nachbarländern bestritten zu haben. „Das österreichische Rennen in St. Agatha war für mich das wichtigste und schönste Rennen anno 2021“, resümiert Alexander Hin. Der 52-Jährige fuhr in Agatha Gesamtrang zwei heraus – und das pro Lauf nur 1,5 Sekunden hinter dem italienischen Europameister Christian Merli. Nicht nur deshalb will der Hausbau-Profi Hin kommendes Jahr neben dem deutschen Rennkalender auch bei mehreren Läufen zur Europa-Bergmeisterschaft mitmischen. „Wenn ich nur in Deutschland fahre, habe ich keine Gegner, das bringt mich nicht weiter“, sagt Alexander Hin und richtet deswegen seinen Blick auf das kontinentale Championat. In zwei bis drei Jahren will Hin voll bei der EM angreifen, bis dahin will er beruflich die Weichen stellen, dank der Kompetenz von Uwe Lang mit dem Fahrwerk und Aerodynamik Fortschritte machen und mit Erfahrungen auf neuen Strecken auf dem Kontinent. „Ich muss dann raus aus der Komfortzone, mich noch mehr mit Fliehkräften auseinandersetzen und an die Grenzen gehen“, weiß Hin um seine Aufgabe. Noch mehr Geschmack auf höhere Sphären machte ihm das FIA Hill Climb Masters 2021 im portugiesischen Braga vor geschätzten 100.000 Rennsportfans. Dort faszinierte ihn der heiße Kampf um Zehntelsekunden auf höchstem Niveau. „Alex muss noch mehr Konstanz gewinnen“, lautet die Hausaufgabe von Teamchef Uwe Lang. Die Konstellation des Teams Lang mit Vollservice und der potente Pilot Alexander Hin passt wunderbar, „das ergibt für alle eine Win-Win-Situation“, konstatiert Georg Lang.

Im Sog von Alexander Hin zeigte Georg Lang ansprechende Leistungen. Der 30-jährige Sennfelder war in Osnabrück und St. Agatha jeweils Zweitschnellster hinter Alexander Hin. In Agatha verbesserte er seine persönliche Bestzeit in seinem Formel Renault Evo um drei Sekunden und hofft dass der Motorentuner RPM aus Hesselbach noch einige PS aus dem Zwei-Liter-Motor herauskitzeln kann um die Leistung von aktuell 240 PS noch zu steigern. Denn er möchte kommendes Jahr mehrere Rennen zum FIA-Hill-Climb-Cup fahren und damit noch mehr internationale Luft schnuppern. „ Da wäre es natürlich hilfreich, wenn sich ein Hauptsponsor für mich finden würde“, bemerkt Georg Lang. Derweil juckt es seinen Vater, wenn es möglich ist, will er seinen Osella PA 20S wieder einmal aus der Garage in Abersfeld holen und beim Hauensteinrennen in der Rhön nach vier Jahren ein partielles Comeback feiern. Aber dafür gilt es, personell alles unter einen Hut zu bringen, „denn um vier Autos und Fahrer zu betreuen, brauchst du zehn Mechaniker, das sprengt eigentlich die Kapazitäten unseres Teams“, gibt Uwe Lang zu bedenken. Zudem hat er noch Fahrwerksarbeit am Norma M20 FC V8 des Dillenburgers Bernd Simon und am Osella PA 21/s von Bernd Zimmermann aus dem Norddeutschen Sparrieshoop zu verrichten.

Ist seine Comeback noch nicht fix, so ist davon auszugehen, dass Alexander Hins Sohn Benjamin Noll fleißig die Berge hochjagen will. „Das macht Freude, den Junior seine erste Schritte im Automobilrennsport machen zu sehen“, verrät Alexander Hin. Der 18-jährige Noll fuhr bislang nur im Kartslalom, ehe er in St. Agatha seine Premiere in einem Formel Renault in der gleichen Klasse wie Georg Lang feiern durfte. „Uwe Lang und sein Team sind mit ihrer Erfahrung die Richtigen um Benjamin an den Bergrennsport heranzuführen“, findet Alexander Hin.

von Hartmut Hess
Fotos: Henri Schwirtz, Lopez

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.