Merli spart sich Schallmauerdurchbruch auf – Ebenhöh´s dritter DM-Titel

Zu einem wahren Bergrenn-Mekka wurde das diesjährige Bergrennen St. Agatha in Oberösterreich. Vor über 17.000 Zuschauern wurde Bergrennsport der Extraklasse geboten und dabei gleich zwei neue Streckenrekorde aufgestellt. Auch organisatorisch lieferte der MSC Rottenegg eine Veranstaltung der Sonderklasse ab, wobei man alle Hürden der zurzeit bestehenden „Covid-Verordnungen“ überwand. Belohnt wurde man mit Kaiserwetter und spätsommerlichen Temperaturen, und einer Stimmung entlang der Strecke die seines gleichen suchte. Tausende Zuschauer dankten dem MSC Rottenegg mit ihrem Besuch, dass endlich wieder Rennsport geliefert wurde. Ein Highlight war wie immer die Radarmessung bei der Waldeinfahrt, wo die Anzeige bei Schnellsten Christian Merli knapp 235 Km/h anzeigte und die Talfahrt wo die Fans jeden einzelnen Fahrer abklatschen konnten. Dazu sorgte das geniale Moderatorenduo um Peter Bauregger und Uli Kohl, die sich einmal mehr großartig ergänzten und exzellent durch das Motorsportwochenende führten.

Im Kampf um den Gesamtsieg konnte in St. Agatha der amtierende Berg Europameister Christian Merli aus Italien einen fulminanten Erfolg realisieren. Mit seinem Osella FA30 Zytek LRM konnte er herausragendes leisten und im 1. Rennlauf seinen eigenen Streckenrekord von 2017 um 1,4sec. unterbieten. Dabei gelang ihm eine Zeit von knapp über einer Minute, womit er sich einen weiteren vollen Erfolg in dieser Saison sichern konnte. „Das genügt für heute, ich komme nächstes Jahr wieder“, so Christian Merli auf die Frage, ob er im zweiten Rennlauf den Streckenrekord noch einmal angreift. Der Italiener zeigte bereits beim letzten Trainingslauf des Noblend-Auto-Klassikers Esthofen – St. Agatha, dass sein Streckenrekord aus dem Jahr 2017 in ernsthafter Gefahr ist.

Auf dem zweiten Platz folgte der bestens aufgelegte Deutsche Alexander Hin mit seinem von Lang Motorsport bestens vorbereiteten Osella PA30 Zytek LRM. Mit einer herausragenden Leistung konnte er sich gegen die weitere, starke Konkurrenz durchsetzen und mit dem Sieg in der E2-SC Klasse überzeugen. Das Gesamt-Podium komplettierte nach einem spannenden Duell der Kärntner Bernhard Gradischnig, der mit seinem Norma. Mit einer spektakulären Leistung in den Rennläufen konnte er famose Zeiten realisieren und schlussendlich den wohl größten Erfolge seiner Karriere im Bergrennsport realisieren.

Rang vier der Gesamtwertung sicherte sich bei seinem Comeback der Vorarlberger Christoph Lampert mit dem Osella PA30 Zytek LRM, welcher vom Merli Team eingesetzt wurde. Mit einer beherzten Vorstellung konnte auch er großartige Zeiten fahren und das obwohl man am gesamten Wochenende über auf der Suche nach dem optimalen Setup war. Die Top5 komplettierte der Tscheche Petr Vitek mit dem Osella PA30 Judd. Mit dem einmalig klingenden Boliden konnte er sich im Laufe des Wochenendes immer weiter steigern, wobei er auf seinen Markenkollegen gerade einmal 0,09 sec. (!) nach zwei gewerteten Rennläufen verlor. Bei den offenen Rennwagen konnte auch der oberösterreichische Lokalmatador Ferdinand Madrian am Steuer seines Norma M20FC NME mit dem siebenten Platz im Gesamtklassement glänzen. Dabei konnte er sich zwischen den beiden schnellsten Tourenwagenpiloten platzieren.

Auf dem sechsten Gesamtrang folgte bereits der schnellste Tourenwagenpilot an diesem Wochenende mit dem Niederösterreicher Karl Schagerl. Dieser lieferte mit seinem VW Golf Rallye TFSI-R eine weitere herausragende Performance ab. Dabei konnte er seinen eigenen Streckenrekord von 2019 um 0,9sec. verbessern, womit er sich als großer Tourenwagen-Gesamtsieger feiern lassen konnte. Auf dem zweiten Platz folgte bei den Tourenwagen der Schweizer Reto Meisel im Mercedes SLK 340 Judd, der eine ebenfalls sehenswerten Performance mit diesem spektakulären Boliden ablieferte. Dabei konnte er sich, nach langer Rennpause, im Laufe des Wochenendes immer weiter steigern, womit beim Comebackrennen mit diesem Boliden gleich ein beeindruckender Erfolg zu Buche stand. Das Podium komplettierte der Obersteirer Werner Karl, der mit seinem Audi S2 R Quattro in St. Agatha einmal mehr eine prima Vorstellung ablieferte. Mit dem einmalig klingenden Boliden konnte er in den Rennläufen mit famosen Zeiten glänzen und sich gegen die weitere, starke Konkurrenz durchsetzen. Damit stand für ihn einer der wohl schönsten und größten Erfolge im Bergrennsport zu Buche. Rang Vier ging an den Deutschen Gaststarter Jörg Weidinger im BMW Z4 GT3 von Bernhard Permetinger, der mit diesem Boliden erstmals ein Rennen absolvierte und dabei gleich die Fans beeindruckte. Mit seiner großen Erfahrung als Berg-Europameister,  konnte der BMW-Fahrwerksingenieur großartige Zeiten erreichen und zudem die E2-SH Klasse für sich entscheiden. Mit einem Rückstand von 1,2sec. komplettierte der Salzburger Stefan Promok mit dem Mitsubishi Lancer Evo 8 die Top5 bei den Tourenwagen.

Wenn auch mit nur zwei Veranstaltungen in Wertung, konnten nach dem Coronatotalausfall im Vorjahr, wieder der Deutsche Bergmeister und die DMSB Berg-Cup Sieger bei den Tourenwagen und Rennsportfahrzeugen gekürt werden. Um gerade mal 0,2 Punkte verpasste dabei Erwin Buck im VW Spiess Scirocco 16V ein „Full House“ der Titel am Deutschen Berg. Armin Ebenhöh im VW Minichberger Scirocco 16V zementierte mit seinem E1-1400 ccm-Sieg seine erneute Deutsche Berg-Meisterschaft, vor Buck und Mitsubishi-Pilot Jürgen Plumm. Mit dem Punktemaximum von 100 Zählern fuhr Alexander Hin zum DMSB-Rennwagen-Cup-Titel. Bei den Tourenwagen gelang dies Erwin Buck.

Text: Hillclimbfans.com / Thomas Bubel, Fotos: Manfred Binder

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.