Gleich wieder von Null auf Hundert – Osnabrück macht Mut

Seit dem ersten Oktoberwochenende 2019 fand erstmals wieder in Deutschland ein Bergrennen statt. Dass dies dem MSC Osnabrück mit seinem 53. Int. Osnabrücker ADAC Bergrennen gelang, hatten viele Anhänger der so traditionsreichen Motorsportart, erhofft und erwartet. In festen Besucherzonen und nach der GGG-Regel waren sogar, in begrenztem Umfang Zuschauer am Uphöfener Berg zugelassen. Die lange Vorbereitungszeit in der Organisation, mit einem eigens aufgestellten Hygienekonzept zahlte sich aus. Bernd Stegmann und seine Mitverantwortlichen setzten in der Pandemie ein Zeichen der Hoffnung für das Jahr 2022, und für die zahlreichen Veranstalterkollegen aus der Deutschen Bergmeisterschaft und dem KW Berg-Cup.

In der Borgloher Schweiz, war man von Seiten des veranstaltenden MSC Osnabrück am Ende der Veranstaltung zwar nass bis auf die Unterhosen, aber dennoch sehr zufrieden unter diesen noch nie dagewesenen Umständen ein Bergrennen dieser Güte über die Bühne gebracht zu haben. Klar, die wunderbare, unbeschwerte Atmosphäre der vergangen Jahre, mit über 25.000 Zuschauern an der Strecke, konnte sich so natürlich nicht einstellen. Aber, der erste Schritt ist getan und der Weg aufgezeigt für eine wieder mehr Bergrennen umfassende Meisterschaftsrunde im kommenden Jahr. Das Osnabrücker Bergrennen war zugleich auch das letzte Bergrennen in der Bundesrepublik in 2021, denn die Läufe in Eichenbühl und Mickhausen sind bereits abgesagt.

Dass es der Bergrenngemeinde nicht zu wohl wird, dafür sorgte am Sonntagnachmittag gegen 16 Uhr der Wettergott. Petrus öffnete seine Schleusen über dem Veranstaltungsgelände und ein Wolkenbruch veranlasste die Rennleitung den gerade erst begonnen 4. Rennlauf, sowie den Rennablauf generell zu stoppen. Mit dem Auswertungsmodus der schnellsten zwei aus viel Läufen, waren so eh keine Zeitverbesserungen in der Tageswertung mehr möglich. Schade nur für die Wertung der Deutschen Bergmeisterschaft, wo in diesem Jahr bei jedem der wenigen einzelnen Rennläufe Punkte vergeben werden. So, also nur drei Mal DM-Punkte, plus Zusatzpunkte aus dem letzten Trainingslauf. Beim Rennen in St. Agatha in fünf Wochen, werden weitere letzte Zähler vergeben und die Meister in der DM und den DMSB Berg-Cups hoffentlich gefunden.

Auffällig war, die Disziplin aller Aktiven die zum Großteil sehr lange nicht mehr im Rennauto saßen. Übermotiviert ging niemand ans Werk und so blieben schlimme Unfälle aus. Diejenigen die bereits einige Bergrennen dieses Jahr auf der Uhr haben, wie vor allem die Franzosen, spielten ihren Vorteil gnadenlos aus, allen voran die Familie Petit. Der Gesamtsieger des Wochenendes Sebastien Petit kann die meisten Kilometer überhaupt auf Bergrennstrecken und Autobahnen in diesem Jahr vorweisen. Der Französische Meister tingelte in dieser Saison von Wochenende zu Wochenende quer durch ganz Europa, vom hintersten Polen bis nach Portugal. Petit beherrschte seinen Nova Proto NP 01 V8 dementsprechend und gewann mit dem einzigen deutschen Bergrennen in diesem Jahr auch den Titel im FiA Hillclimb-Cup der Kategorie 2. Mit Rennkilometern aus Italien im Gepäck, konnte auch Alexander Hin im Osalla PA 30 mit neuem Motor aus Italien auftrumpfen. Der Schwarzwälder war Petit immer auf den Fersen und wurde souveräner Zweiter. Dahinter brillierten zwei „Jungspunte“. Sebastiens jüngerer Bruder Kevin Petit (Foto Mitte) überraschte die Experten bei seinem ersten Einsatz im betagten Lola Formel 3000 seines Bruders, mit Rang 3. Einen Schnitzer in Lauf zwei, wonach er auf Rang 12 zurück fiel, konnte er später streichen. Mehr als zufrieden sein konnte am Sonntag auch der junge Schweizer Robin Faustini, der beim ersten Rennen in neu angeschafften ex-Fattorini Osella FA 30 sich scheinbar gleich pudelwohl fühlte und wohldosiert immer weiter steigerte und vierter wurde.

Ein Fest war die 2-Liter-Klasse der Formel-Wagen. Ebenfalls in die Kategorie „Jungspunt“ und „Überraschung“ passte auf Gesamtrang  5  der Schweizer Joel Burgermeister im turbobefeuerten Tatuus Formel 4, er schnappte dem bereits mehrfachen Sieger von Osnabrück Anthony Loeulleux im Tatuus Master einen erneuten Erfolg vor der Nase weg. Dahinter weitere Franzosen mit Daniel Allais und Samy Guth (bei Dallara F3). Aus deutscher Sicht war an diesem Wochenende Georg Lang (Formel Reanult Evo) die Nummer 2 hinter Hin, mit ebenfalls italienischen Rennkilometern. Frank Debruyne, der in den letzten 22 Monaten nur bei einer Show-Veranstaltung im Cockpit seines Dallara F316 saß verfehlte drei Mal die magische Minutengrenze nur hauchdünn. Diese knackte Bernd Simon bei seinem erst zweiten Einsatz (nach Iberg 2019) im Reynard F3000 im dritten und letzten Lauf und konnte fürs Erste zufrieden sein. Angesichts der Umstände zeigte sich auch Patrick Rahn im Dallara F306 Opel-OPC gut gelaunt. Auch der Detmolder musste sich lange in „Rennwagen-Abstinenz“ üben und riskierte erst einmal nichts.

Bei den Tourenwagen fehlten einige bekannte Namen. Ronnie Bratsche wartet nach seinem Ausrutscher in der Berg EM noch auf Ersatzteile für seinen spektakulären Mitsubishi und nicht nur der Liebling der C-Kadett-Gemeinde Holger Hovemann musste mit Motorproblemen leider absagen. So dominierte der Tscheche Dan Michl im Lotus mit Performensfaktor 1 die Tourenwagen. Bestens aufgelegt „buxierte“ Erwin Buck seinen VW Scirocco 16V (Foto unten) mit Spiess-Unterstützung auf TW-Rang zwei, vor Hauke Weber (TracKing RC 01). In der KW Berg-Cup-Gesamtwertung machte der Malermeister aus Schwaben einige Punkte auf den Leader Jürgen Plumm gut, der zwar ebenfalls mit erstaunlichen Zeiten im Mitsubishi bei seinem ersten Start in Osnabrück aufhorchen ließ, aber wenig Gegner in seiner Klasse hatte.

In den E1-Kernklassen des KW Berg-Cup überzeugte Armin Ebenhöh (VW Scirocco 16V) bei den 1400ern. Bis 1600 ccm entbrannte ein Kampf zwischen Stefan Faulhaber (Opel Kadett C) und den neu motorisierten Sarp Billen (VW Golf), mit dem besseren Ende für den länger dienenden. In der 2-Liter Klasse konnte Lars Heisel (Opel Kadett C), das Geburtstagskind des Wochenendes, Erwin Buck nicht ganz das Wasser reichen, wurde aber deutlicher Zweiter vor Rainer Schönborn (VW Golf). Bis 3-Liter Hubraum lag Anfangs eine Überraschung in der Luft. Der Berliner Felix Budzisch führte nach dem ersten Durchgang die Klasse an, bevor Marcel Gapp im BMW M3 doch noch in Schwung kam und mit fast zweieinhalb Sekunden Puffer gewann. In der nationalen Gruppen F des Cups setzte der Homburger Kai Neu seine Siegesserie fort. Im Ford Focus ST wurde ihm mit dem Lokalmattadoren Dirk Totz (Honda Civic Typ R) ein harter Brocken aufgetischt. Doch hauchdünn reichte es immer zur Bestzeit. Mit maximaler Punkteausbeute auch in der Deutschen Bergmeisterschaft wird der Saarländer nach Oberhallau und St. Agatha reisen.

Im NSU-Bergpokal  gelang Neueinsteiger Christian Hindmarsh fast ein Husarenstück gegen Routinier Uwe Schindler. Mit 1:11,198 min gelang dem Hannoveraner die schnellste Zeit des Wochenendes und wenn der aus dem SimRacing kommende Teampartner von Thomas Krystofiak nicht im dritten Lauf kurz vor dem Ziel an einem Reifenstapel scheiterte, wäre der Sieg zum Greifen nah gewesen. Mit ansprechenden Zeiten folge der Pfälzer Christoph Schwarz auf Rang drei.

Für die KW Berg-Cup-Fraktion geht der Spaß bereits am kommen Wochenende in Oberhallau in der Deutsch-Schweiz weiter. Ende September beschließen wir die Mini-Saison der Berg DM und des KW-Cups im oberösterreichischen St. Agatha.

Text: Thomas Bubel, Fotos: Herni Schwirtz

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.