Extrem spannender EBM-Auftakt – Faggioli schlägt Merli um 0,032 Sekunden

Die Kleinstadt Boticas im nördlichen Portugal eröffnet vergangenes Wochenende die Saison 2021 der FIA Berg-Europameisterschaft. Obwohl durch die strengen Hygienevorschriften keine Zuschauer an der Strecke und im Fahrerlager zugelassen waren, freuten sich die Fahrer dennoch, insbesondere auf dem anspruchsvollen Boticas-Kurs, endlich wieder hinter dem Steuer sitzen zu können.

Der Samstag sollte eigentlich nur ein Trainingstag, mit drei Läufen sein. Diese fanden ohne größere Zwischenfälle unter strahlender Sonne statt. Die Regenprognose für den gesamten Sonntagmorgen veranlasste den Rennleiter jedoch in Absprache mit den FiA-Stewards, darunter auch der Heiligenstädter Kevin Ferner, den ersten Rennlauf um einen Tag vorzuziehen, was im Nachhinein gesehen die goldrichtige Entscheidung war. Auf diese Weise verwandelt der Veranstalter den ersten von drei Rennen am Sonntag in ein Warm-up, damit sich die Teilnehmer, von denen viele zum ersten Mal in Boticas fuhren, mit der regennasse Strecke vertraut machen konnten. Laut den lokalen Experten versprach der Asphalt rutschiger und kniffliger zu werden, da es in der Region seit mehreren Wochen nicht mehr geregnet hat. Die Entscheidung war daher klug und wurde von den Fahrern begrüßt.

Christian Merli (Osella FA30 Zytek), der bereits die besten Zeiten während der drei Trainingsläufe fuhr, erwies sich als der Schnellsten vor seiner ewigen Rivalen Simone Faggioli (Norma M20FC Zytek), um eine Sekunde und acht Zehntel. Diego Degasperi (Osella FA30 Zytek) komplettiert das vorläufige Podium und hat vor den sonntäglichen Läufen einen Vorsprung von 3 Sekunden vor Sébastien Petit (Nova NP01-2). Das Gesamtklassement wurde ermittelt, indem die beiden besten Rennläufe jedes Fahrers addiert wurden. Bei den geschlossenen Fahrzeugen der Klasse 1 landete der Spanier Jose Lopez-Fombona (Lamborghini Huracan) vor dem Schweizer Ronnie Bratschi (Mitsubishi Lancer).

Der zweite Tag der Veranstaltung war eine Wende: Simone Faggioli setzte seine ganze Kraft in den Kampf ein und konnte das Defizit des Vortages ausgleichen, um am Ende mit einem kleinen Vorsprung von 0,032 Sekunden gegen Christian Merli zu gewinnen. Alle Fahrer hatten während ihres ersten Sonntagslaufs zwar mit einer sehr nassen Straße zu kämpfen, das Wetter verbesserte sich jedoch allmählich, bis der Asphalt beim letzten Lauf wieder trocken war. Simone Faggioli, der am Samstag 1,785 Sekunden langsamer gewesen war, setzte alles auf eine Karte und seine Norma M20FC Zytek für den letzten Anstieg auf vier neuen Ultrasoft-Reifen, während Christian Merli (Osella FA30) konservativer war und es vorzog, die gleichen Reifen wie zuvor zu fahren. Faggioli stellte nicht nur einen neuen Streckenrekord auf, sondern schaffte es auch, Merli um 1,817 Sekunden zu schlagen, der nach dem Ziel zugab, dass er etwas zu vorsichtig gewesen war und nicht damit gerechnet hatte, dass der gesamte Kurs vollständig abtrocknen würde.

Der erste Saisonsieg wurde somit mit 32 Tausendstelsekunden entschieden: Dies ist ein gutes Zeichen für eine neue Saison intensiven Wettbewerbs zwischen den beiden italienischen Meistern, die in Boticas ihre engsten Verfolger, Diego Degasperi (Osella FA30 Zytek) und Sébastien Petit (Nova NP01-2 Zytek, klar hinter sich ließen), dass mit mehr als 15 bzw. 18 Sekunden. Der siebte Platz von Federico Liber in der Endwertung war eine der bemerkenswertesten Leistungen des portugiesischen Wochenendes, obwohl der italienische Fahrer zu den wenigen gehörte, die sich anhaltenden Regen gewünscht hätten. Mit seinem kleinen Formel Gloria C8P mit Motorradmotor hatte er es geschafft, im zweiten Rennlauf im Regen den vierte Zeit zu fahren.

Genau wie Faggioli in Kategorie 2, gelang es dem Schweizer Ronnie Bratschi (Mitsubishi Lancer Evo VII), die guten Bedingungen zum Rennende zu nutzen, um sein Defizit vom Vortag auszugleichen und den spanischen Fahrer José Lopez-Fombona (Lamborghini Huracan) um nur drei Zehntel zu schlagen einer Sekunde in Kategorie 1. Der französische Porsche-Pilot Nicolas Werver geriet bereits bei der Abnahme am Freitag in Schwierigkeiten. Die Kommissare bemängelten den Tank des Zuffenhauseners. Ein Umbau war in der Kürze der Zeit nicht möglich, sodass der Elsässer in der portugiesischen Gruppe, außerhalb der FiA-Wertung wenigstens teilnehmen durfte. In der Gesamtwertung konnte er trotz der Unannehmlichkeiten Ronnie Bratschi hauchdünn schlagen, bekam aber keine EM-Punkte.

Der Portugiese Pedro Marques (Porsche 991 GT3 Cup) gewann in der Gruppe 2, nach dem neuen Performance-Faktor,  gegen den Slowaken Jan Milon (Skoda Fabia). Der Italiener Antonino Migliuolo (Mitsubishi Lancer Evo IX) dominierte eindeutig die Gruppe 3 und schaffte es sogar, sich höher als die besten Autos der Gruppe 2 zu rangieren.

Die Berg-EM wird bereits am kommenden Wochenende im spanischen Baskenland beim Subida Internacional Al Fito fortgesetzt.

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.