Ohne Zuschauer kein Homburger Bergrennen finanzierbar

Nachdem das traditionelle Homburger Bergrennen 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, bangt man beim veranstaltenden Homburger Automobilclub auch um die dies­jährige Auflage. Wie bei so vielen anderen Sportvereinen der Saar-Pfalz-Region, ruht dort derzeit das Vereinsleben, wie der Verein mitteilt. Clubabende und Vorstandssitzungen fänden auf Grund der Corona-Pandemie nicht statt. Die letzte Zusammenkunft der HAC-Mitglieder, die sich in erster Linie aus dem Saarpfalz-Kreis und der Westpfalz rekrutieren, datiere vom 11. Ju­li 2020, dem Tag, an dem das 47. Hom­bur­ger ADAC-Bergrennen hätte stattfinden sollte. Ob die 47. Auflage seit 1974 in diesem Sommer ausgerichtet werden kann, stehe in den Sternen.

Alljährlich, in der Woche nach Fasching, träfen sich die Mitglieder des Homburger ADAC-Ortsclubs zur Mitgliederversammlung, samt Neuwahlen einiger Vorstandspositionen. Im vergangen Jahr hatte man Glück noch vor dem Ausbruch von Covid-19 den Vereinsstatuten zu genügen. Aktuell habe diese auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen. Der Vorstand berate via Whats­App und in Online-Meetings. Thema Nummer eins sei dabei stets das Bergrennen. Rückblick: Eigentlich hätten am zweiten Juli-Wochenende 2020 auf der Käshofer Straße die Rennmotoren erklingen sollen. Doch anstelle Tausenden Besuchern und Teilnehmern aus dem In- und Ausland, die dem Nervenkitzel PS-starker Rennwagen frönen, herrschte Ruhe. Das Bergrennen des Homburger Automobilclubs fiel, wie alle anderen Bergrennen in Deutschland, Corona zum Opfer. Für 2021 spielt man im Organisationsteam des HAC auf Zeit. Der Deutsche Meisterschaftslauf ist für den 10. und 11. Juli beim nationalen Motorsportverband DMSB angemeldet. Die Prognosen sehen derweil wohl kaum vor, dass für Veranstaltungen dieser Größe und Tragweite im Juli alle Auflagen hinfällig sind. „Und ohne Zu­schauer ist unsere Veranstaltung nicht finanzierbar“, sagt HAC-Pressesprecher Thomas Bubel. „Dies ist auch die einhellige Meinung aller bundesweiten Veranstaltervereine aus der Deutschen Automobil Bergmeisterschaft.“ Unter diesen Vorzeichen ist der erste Lauf zur nationalen deutschen Meisterschaft Anfang Mai im luxemburgischen Eschdorf bereits gecancelt worden und auch in der Berg-Europameisterschaft wurden die geplanten Auftaktveranstaltungen im südfranzösischen Saint Jean du Gard und am Rechberg in Österreich auf unbestimmte Zeit verschoben oder gleich ganz abgesagt. Weitere Rennabsagen sind wahrscheinlich. Als sehr unsicher sehen die HAC’ler die momentane Lage an. „Selbst mit Besuchereinschränkungen und der damit einhergehenden Überwachungsproblematik können wir nicht leben“, erläutert Rennleiter Jürgen Guckert aus Kirkel. „Eine Einzäunung des kompletten Veranstaltungsgeländes, vom Fahrerlager am Stumpfen Gipfel bis vor die Tore von Käshofens ist schlicht unmöglich.“

Inzwischen halte der Deutsche Motorsport-Bund (DMSB) für seine Veranstalter ein Online-Registrierungsystem für Fahrer, Helfer, Organisatoren und Zuschauer samt Nutzungsgebühr bereit, das bei voller Zuschauerkapazität zum Einsatz kommen könnte. Hierüber müssten die Fans ausschließlich ihre Tickets lösen und online bezahlen, so Bubel. Tageskassen vor Ort werde es sicherlich nicht geben. Dies wäre einer von vielen Bausteinen des erforderlichen Hygienekonzepts. So ein Bergrennen finanziere sich hauptsächlich durch Eintrittsgelder und die Nenngebühren der Teams. Je mehr Zuschauer und Fahrer kämen, umso mehr fließe in die Clubkasse und trage zur Deckung der Veranstaltung bei. „Da die Teilnehmer alle­samt Privatfahrer sind, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, wie viele Motorsportler sich diesen ‘Freizeitspaß’ überhaupt noch leisten können und sich anmelden würden. Auch das Akquirieren von Sponsoren und Werbepartnern wird mit Sicherheit nicht einfacher werden“, ergänzt Bubel. Ende März wollen die Automobilsportfreunde eine Entscheidung treffen. Wenn das Bergrennen im Juli stattfinden sollte, werde man sich auf das Wesentliche konzentrieren und auf einige Annehmlichkeiten notgedrungen verzichten. Auch den Gedanken, den E-Mobil-Berg-Cup, die deutsche Meisterschaft für elektrisch und alternativ angetriebene Rennfahrzeuge, nach Homburg zu holen, habe man vertagt. Dies würde einen organisatorischen Mehraufwand bedeuten.

Unbeeindruckt davon werde es zum zweiten Mal ein virtuelles Homburger Bergrennen im sogenannten Sim­Racing auf der Simulationsplattform Assetto Corsa geben. Am Montagabend des 5. Juli 2021 gehe es für rund 30 E-Sportler und Gamer im Internet und vor den heimischen PCs erstmals um Punkte zum neu geschaffenen ADAC Sim­Racing Berg-Cup, quasi der noch inoffiziellen virtuellen Deutschen Bergmeisterschaft, die via Livestream im Internet verfolgt werden kann.

 
von Thomas Bubel / Saarbrücker Zeitung vom 27.02. 2021

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.