DBM-Veranstalter tagten erneut online – Ohne Zuschauer geht nichts

Aus den vor Corona sicheren Wohnzimmern und heimischen Büros schalteten sich am Abend des 9. Dezembers zehn Veranstalter der Deutschen Automobil Bergmeisterschaft via DMSB-Campus Plattform zusammen. Zur üblichen Runde gesellte sich diesmal Wolfgang Wagner-Sachs als DMSB-Präsidiumsmittglied, dessen Heimatclub MSC Rund um Schotten ja in der Bergszene involviert ist. Geleitet wurde die Sitzung erneut von DMSB-Mitarbeiter Alexander Geier. Angesichts der aktuellen wieder stark ansteigenden Infektionszahlen war die Stimmung unter den zugeschalteten Vereinsvertretern eher gedämpft optimistisch. Man berichtete reihum über den jeweils aktuellen Stand der zuletzt abgesprochenen Maßnahmen und auch neue Ideen kamen zur Sprache.

Die vereinbarten Kontaktversuche zu den jeweils örtlichen Genehmigungsbehörden, gestalteten sich in der momentanen Situation grundsätzlich schwierig. Es wurden für den Moment relativ ungenaue Aussagen getroffen, sofern überhaupt ein Kontakt zustande kam. Weiter hatten viele Organisatoren versucht Zuschüsse bei den Sportabteilungen von ADAC und AvD zu bekommen. Dabei stellte man fest, dass die jeweils zuständigen Sportabteilungen der DMSB-Trägerverbände Zuschüsse für die Durchführung einer Berg-Veranstaltung bewilligen, diese jedoch eher in einem zu geringen Rahmen ausfallen. Wolfgang Wagner-Sachs wird sich mit seinen Sportleiter-Kollegen abstimmen und sich dafür einsetzen, dass die Zuschüsse während der Covid-19 Krise gegebenenfalls angehoben werden können. Alexander Geier und Wolfgang Wagner-Sachs berichteten, dass es von Seiten des DMSB-Präsidiums angedacht ist, die Genehmigungsgebühren für alle DMSB genehmigten Veranstaltungen im Jahr 2021 zu reduzieren. Weitere Infos hierzu folgen in Kürze nach dem nächsten Meeting des DMSB-Präsidiums.

Christoph Schackmann wird, als Mitglied des DMSB Fachausschuss Berg, im Namen aller DM-Veranstalter auf den KW Berg-Cup zugehen und versuchen die Konditionen bzw. finanziellen Rahmenbedingungen, zumindest während der Covid-19-Krise, für die Veranstalter zu verbessern. Wo wir beim wichtigsten Thema, der Budgetplanung der Berg-Veranstalter angekommen sind. Alle Berg-Veranstalter haben in den letzten Wochen eine vorläufige Budgetplanung (ohne Zuschauer/mit Hygienekonzept) erstellt. Dabei wurde deutlich, dass die allermeisten Bergrenn-Veranstaltungen ohne Zuschauer keines Falls finanzierbar sind. Bei einer Spanne der Gesamtkosten von 70 bis über 120.000€, je nach Veranstaltung,  ist das finanzielle Risiko für die Vereine untragbar. Erhebliche Unterdeckungen wurden von den jeweiligen Schatzmeistern prognostiziert, die die Clubs in große finanzielle Nöte bringen würden.

Eine neue Idee wurde ebenfalls erörtert. Einige Berg-Veranstalter denken über eine alternative auf Rennstrecken oder Flugplätzen nach, so dass eine DBM-Saison unter Covid-19 gesichert und aufgefüllt werden könnte. Ein erstes Konzept beschreibt quasi ein „Bergrennen auf der Ebene“. Der Ablauf der Veranstaltung wäre analog zur einem Berg-Zeitplan. Das Bergrennen Wolsfeld könnte z. B. auf den Flugplatz Bitburg und das Bergrennen Homburg auf den Flugplatz Zweibrücken zu einem Sprint ausweichen. Die beiden Veranstalter werden das Projekt weiter verfolgen und einen sogenannten „Plan B“ erarbeiten. DMSB-Mann Alexander Geier sagte dazu, dass diese Idee als Übergangslösung durchaus denkbar ist, aber der Aspekt Sicherheit beachtet werden sollte – Stichwort Streckenlizenz. Bei derartigen Veranstaltungen wäre der organisatorische Aufwand überschaubar und der Zutritt zu den Geländen leicht kontrollier und registrierbar. Womit wir beim Punkt Digitalisierung angekommen sind.

Die DBM-Veranstalter stehen gemäß der notwendigen Hygienekonzepte vor der Herausforderung, eine Plattform für den Ticketverkauf und für die Kontaktnachverfolgung anzubieten. Alexander Geier, berichtete, dass in dieser Saison bereits ein derartiges System für die Deutsche Kart Meisterschaft (DKM) im Einsatz war und bietet hierbei seine Unterstützung an. Geier versprach sich intern mit der DMSW GmbH und TW-Sportsoft abstimmen und den Veranstalter ein Angebot für eine Ticketplattform und Kontaktnachverfolgung innerhalb des DMSB-Portals zusenden. Einen Verkauf von Eintrittskarten vor Ort wird es wohl vorerst nicht mehr geben. Zwischenzeitlich bekamen die Veranstalter vom DMSB erste Vorlagen für Hygienekonzepte zur Verfügung gestellt.

Einige wenige Punkte die sich nicht um das Thema Covid 19 drehten wurden ebenfalls angesprochen. Marcus Malsch von der RSG Altensteiner-Oberland berichtet, dass das Streckensicherungssystem des Glasbachrennens nun mobil werden soll. Das europaweit geschätzte System wird ein weiteres Upgrade bekommt um zukünftig auch bei anderen Bergrennen eingesetzt werden zu können. „Auf diese Wege können sicherlich auch Kosten eingespart werden“, so Malsch. „Interessierte Veranstalter können sich das System gerne im Detail beim Glasbachrennen anschauen“.

Die Quintessenz des zweistündigen Berg-Meetings lautet, dass es erstens ohne Zuschauerzulassung keine Bergrennen in Deutschland 2021 geben wird. Zweites, das ein jeder Federn lassen muss um den Bergrennsport am Laufen zu halten. Drittens, wenn mit Zuschauern vor Ort, dann nur mit Vorabregistrierung und Kontaktnachverfolgungssystem mit Barcode. Es bleibt jedoch weiterhin eine ungewisse Zeit für alle Seiten. Die von der Bundesregierung angekündigte Impfkampagne könnte es ermöglichen dass sich die aktuell unsichere Situation entspannt und ein späterer Saisonstart 2021 mit den üblichen Zuschauern möglich würde. Dies ist aber ein Blick in die berühmte Glaskugel. Für Ende Januar 2021 ist jedenfalls das nächste DBM-Online-Veranstalter-Meeting angesetzt.

Über Thomas Bubel 549 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.