Rückspiegel: ADAC Rennsteig-Bergrennen 2005 – Leid-Planken

Die Premierenveranstaltung am Rennsteig (30. April und 1. Mai 2005) und somit der Saisonauftakt der Bergrennen in Deutschland stand unter keinem guten Stern. Da die mit knapp über vier Kilometer, zurzeit längste Bergrennenstrecke der Republik nur mit einfachen Leitplanken ausgestattet ist, dürfen die Rennsport-Fahrzeuge erst an Pfingsten in Wolsfeld ran und die Tourenwagen-Piloten waren unter sich. Diese Leitplanken sorgten über das gesamte Wochenende für reichlich Diskussionsstoff und dafür dass lediglich zwei Trainingsläufe und ein Rennlauf stattfinden konnten.

Schon im ersten Training nahm das Unheil seinen Lauf. KW Berg-Cup Gesamtsieger Holger Hovemann bohrte sich mit seinem Opel RISSE Kadett C 16V bei Posten 26 derart heftig in Leitschienen, das eine den Sicherheitsbedürfnissen gerechte Wiederherstellung erst nach dem Abbruch des Training am Abend möglich war. Am Sonntag in der Früh setzten die Verantwortlichen das Training fort, danach waren drei Rennläufe für rund 80 Piloten geplant. Noch im Probelauf krachte Walter Foster mit seinem BMW 2002 Turbo an gleicher Stelle, wie tags zuvor Hovemann in die Leitschienen, worauf erneut eine zeitaufwändige Instandsetzung notwendig war. Erst zum frühen Nachmittag gab die Rennleitung die Strecke zum ersten Rennlauf frei. Nach ganzen drei Fahrzeugen die das Ziel sahen, demolierte Gruppe G-Pilot Raymund Gehring (Ford Sierra Cosworth) die Planken bei Posten drei, der ersten Kurve nach dem Start. Als dann wenig später noch Franz Weißdorn (VW Polo 16V) erneut bei Posten drei einschlug und sich zu allem Elend noch der Schotte Kenneth Allan mit seinem Ford Escort Cosworth nach der Zieldurchfahrt mehrfach überschlug, konnte einem der organisierende RSG Altensteiner Oberland schon leidtun. Dennoch muss man der RSG ein Lob aussprechen. Den Mannen des Club, konnte man keinen Vorwurf machen, im Gegenteil, diese leisteten schon fast unmenschliches, um Ihre Erstlingsveranstaltung über die Bühne zu bringen.

Aus sportlicher Sicht gab es nicht viel zu berichten. Überraschend schnellster Mann aus den Reihen des KW Berg-Cup war Ralf Kroll im VW Lehmann Golf 16V (Foto Mitte) aus der Klasse bis 1600 ccm. „Ich finde die Strecke klasse und komme auf jeden Fall in 2006 wieder“. Kroll war schon im am Samstag abgebrochenen Training der Schnellste, wobei jedoch festzuhalten bleibt, dass die komplette Klasse über 2 Liter, nur bis zu Hovemanns Unfallstelle im Renntempo agieren durfte. Helmut Maier und Valentin Schneider (beide VW Golf 16V) belegten mit deutlichem Abstand auf den Walldürner die Plätze. Mann des Tages in der Klasse bis 1300 ccm war Klaus Bernert (VW Polo 16V). Der Kraichgauer war in Training wie Rennen der Schnellste. Einen positiven Eindruck vermittelte auch Thomas Klingelberger den Fans. Der 39jährige Kaufmann vom MC Heiligenstadt steuerte den Glaser-Polo bei seinem ersten Einsatz auf Rang zwei, vor Wolfgang Glas und dem schnellsten KW-8V-Trophy Fahrer Bernd Letmade (VW Polo).

Franz Weissdorn der am Posten drei scheiterte, verlautete vor dem Rennen noch, „ ich habe mich für diese Saison nicht in den Cup eingeschrieben um nicht in die Versuchung zu kommen meine Firma zu vernachlässigen und nach einem Unfall den Polo in kürzester Zeit reparieren zu müssen“. Demnach werden wir „Mister Berg-Cup“ wohl bei den nächsten Cup-Läufen nicht erleben können. In der Klasse bis 2000 ccm Hubraum machte ein Bayer von sich reden. Neueinstiger  Bernhard Wimmer (Foto unten) im BMW M3 E30, Bruder von BMW 2002-Fahrer Norbert, schockte die Konkurrenz mit einem tollen zweiten Rang hinter Dirk Preißer (Opel Kadett C 16V), der am Rennsteig seinen zweiten Klassensieg errang. Jo Nardin (VW Golf) gewann wie in Nommern die 8V-Wertung der großen Division, hinter Andé Schrörs (Talbot Lotus) und Andreas Kokor (Ford Escort Mk1). In der Klasse über zwei Liter war Christian Auer (BMW M3 E30) und bei den 1150 ccm-Vertretern Jürgen Hessberger (Fiat 127 Sport), der Klassensieger. Christian Reuter im BMW M3 V8 ist wieder einen Schritt weiter und war schnellster der Free-Style-Gruppe.

von Thomas Bubel

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.