Rückspiegel: 6. ADAC Bergrennen „Schleizer Dreieck“ 26./27. April 2003

Das Bergrennen von Schleiz, war die ideale Auftaktveranstaltung für die Piloten der Deutschen Bergszene 2003. Auf dem 2,1 km langen und mit, für einem Bergrennen ungewöhnlich viel Sturzraum ausgestatteten, Teilstück des traditionsreichen Schleizer Dreieck, konnten die 125 gemeldeten Fahrer bereits am Freitag ausgiebig testen. Dennoch waren einige Akteure unzufrieden. Dem amtierenden Tourenwagen-Bergmeister Norbert Handa, war spätestens nach dem Training klar, dass er wohl in dieser Saison seinen Titel wird nicht verteidigen können. Ab Schleiz griffen die neuen Einschränkungen für Turbo-Allrad-Fahrzeuge der Gruppe H. Der DMSB wollte die Überautos, a la Lancia Delta S4, Ford RS 200 oder Porsche, mit weniger Luft und mehr Gewicht bremsen. Die haben jedoch mittlerweile das Feld geräumt oder sind wie Herbert Stolz (Porsche Turbo) in die Gruppe FS (E1-FiA) gewechselt, wo es jedoch keine DM-Zähler zu verdienen gibt. Handa schaffte mit seinem Eingebremsten Lancia Delta Integrale nur Rang vier in der großen Gruppe H-Klasse. Im Top 20 Finale konnte Handa noch von der feuchten Bahn profitieren und erkämpfte sich noch Platz drei in der Tourenwagenendwertung. Der Innsbrucker Herbert Stolz war über seinen überlegenen Tourenwagensieg erfreut. “Ich habe alles richtig gemacht“ so Stolz über seinen Gruppenwechsel.

Mann des Wochenendes war wie so oft Herbert Stenger im Eigenbau CN-Sportwagen. Schon im Training sorgte der regierende Bergmeister der Rennwagen, mit einer inoffiziellen Rekordfahrt für Aufsehen. „Mister Bergrennen“ lies auch am Renntag, mit zwei Streckenrekorden nicht viel anbrennen. Hauptkonkurrent Uwe Lang (Osella BMW CN) sorgte mit einer Laufbestzeit im Top 20 Finale für Spannung. Ein Regenschauer lies Lang dann zu vorsichtig agieren. Stenger hingegen spielte seine ganze Routine aus und kam so klar zum Sieg. „Ich hätte fast noch auf den letzten Metern das Auto verloren“, kommentierte Stenger seinen Extremtrifft in der Zielkurve. Die schnellsten Formel-Fahrzeuge wurden von Micha Gräfling (Reynard VW) und Bernd Simon (Dallara Opel) bewegt. Beide wechselten mit ihren Formel 3-Autos ins Lager der formelfreien Rennwagen und versprechen sich so einen engeren Kontakt zur Spitze.

Eine Spannende Angelegenheit verspricht die DM für Tourenwagen zu werden. Der Oberbayer Christian Auer (BMW M3) ist der erste Tabellenleader des Jahres. In den drei Quali-Läufen war zwar Norbert Brenner im Mercedes 190 Evo II der Schnellere, der Werkstattleiter mehrerer Mercedes-Autohäuser musste jedoch wegen eines Getriebedefektes  auf die Finalläufe verzichteten.

Auf der 1923 eingeweihten Naturrennstrecke von Schleiz, startete auch der KW Berg-Cup der Gruppen H und FS in sein mittlerweile sechzehntes Jahr. 119 eingeschriebene Fahrer bilden eine Rekordstreitmacht. Dreizehn Rennen in Deutschland, Österreich und Luxemburg stehen auf dem Programm. Volle Klassen, spektakulären Fahrzeuge und kampfeslustige Piloten, werden nicht nur die Zuschauer in Schleiz begeistern. Neuzugänge und Widereinsteiger sind zusätzlich Salz in der Suppe. Wie gewohnt ist die Leistungsdichte in der Klasse bis 1300 ccm am größten. Titelverteidiger Achim Fischer (Suzuki Swift 16V) fuhr ein unauffälliges aber schnelles Rennen. In der Addition der beiden besten von drei Wertungsläufen eroberte sich Fischer einen kleinen Vorsprung. Hinter Fischer schenkten sich Franz Weissdorn, Gerhard Moser, Klaus Bernert, Widereinsteiger Peter Naumann und 16V-aufsteiger Wolfgang Glas (alle VW Polo 16V), keinen Millimeter.

In der Klasse bis 1600 ccm sorgte das Trio Flatz, Pisano und Kroll (alle VW Golf 16V) für Kurzweil. Ralf Kroll stand lediglich ein schwächeres Ersatztriebwerk zur Verfügung und war so auch mit Rang drei nicht unzufrieden. Kurt Flatz aus Vorarlberg konnte von Lauf zu Lauf zulegen und gewann verdient. Kampf bis aufs Messer auch in der Klasse bis 2 Liter. Nach der ersten Fahrt auf den 425 Meter hohen Buchhübel lag der Österreicher Markus Reich (VW Golf 16V) ganze 7/100 Sekunden und weitere 69/100 Sekunden vor Matthias Pott (Foto Mitte / beide Opel Kadett C 16V). Am Ende war der Zieleinlauf genau umgedreht. Willy Salzgeber, Michael Dandl und Richard Petter waren immer Schlagdistanz zur Spitze und mit Reich in einer Sekunde vereint. Diskussionslos war der Sieg von Hans-Jürgen  Glaser (VW Polo) in der Klasse bis 1150 ccm. Der neue16V-Motor steigerte die Überlegenheit des Schwaben auf über 5 Sekunden.

Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt bewies Nico Brenner, Sohn des vierfachen Bergmeisters Norbert Brenner. Das 22jährige Talent fuhr im Mercedes 190 Evo I, bei seinem ersten Start am Berg auf Rang zwei in der Serienkategorie Gruppe G. Nur BMW Versuchsingenieur Jörg Weidinger im BMW M3 E30 (Foto unten) war noch über eine Sekunde schneller unterwegs.

Text und Fotos: Thomas Bubel

Über Thomas Bubel 537 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.