Faggioli wieder der Alte mit Rekord am Monte Erice

Der vorletzte Lauf zur italienischen Bergmeisterschaft (CIVM) 2020 führte die Piloten in den äußersten Südwesten, auf die Insel Sizilien. Dort stand bereits zum 62. Mal der Bergklassiker am Monte Erice auf dem Programm, eine knapp 6 km lange Strecke. Nachdem sich der Samstag nicht von seiner schönsten Seite präsentierte, Nebel und Nieselregen forderten die Piloten, stellte sich für den Rennsonntag besseres Wetter ein. Zwar waren die Temperaturen niedrig, jedoch blieb es den ganzen Tag über trocken. Zuschauer waren wegen Corona nicht vor Ort zugelassen, konnte sich jedoch an der Liveübertragung in TV in Internet erfreuen.

Mit einer beeindruckenden Performance konnte erneut Simone Faggioli überzeugen. Am Steuer seines Norma M20FC Zytek konnte er sich eindrucksvoll vor seinen Erzrivalen Christian Merli setzen und dabei in Rennlauf 1 gleich einen neuen Streckenrekord am Monte Erice fixieren. Dabei konnte er seine Bestzeit aus dem Vorjahr um 0,7sec. unterbieten und damit als erster Fahrer die 2:50min. Schallmauer durchbrechen. Auch im 2. Rennheat blieb er erneut unter dieser Marke, womit er seinen bereits vierten vollen Erfolg in diesem Jahr im Zuge der CIVM absichern konnte. Damit machte er einen großen Schritt Richtung nationalem Titel, wobei er die Gruppewertung E2-SC bereits vorzeitig für sich entscheiden konnte. Auf dem zweiten Platz folgte der Trentiner Christian Merli mit dem Osella FA30 Zytek LRM, der im 1. Rennlauf noch bis auf 1,7sec. an die Rekordzeit herankam. Im 2. Rennlauf lief es für ihn dann nicht ganz nach Wunsch und so blieb es beim zweiten Gesamtrang. Zwar konnte er seine eigene Bestzeit aus dem Vorjahr deutlich unterbieten, jedoch musste man im Kampf um den Titel einen weiteren kleineren Rückschlag hinnehmen. Die Gruppe D, E2-SS konnte man aber bereits erfolgreich fixieren und damit den ersten Titel an Land ziehen. Das Podium komplettierte nach einem äußerst spannenden Duell der sizilianische Lokalmatador Luca Caruso, der nach einer kurzen Pause wieder am Steuer seines Osella PA2000 Evo Platz nahm. Und dabei begeisterte er mit einer spektakulären Fahrweise und einer eindrucksvollen Performance, konnte er doch weitaus stärkere Boliden hinter sich lassen. Der Lohn war einer der größten Erfolge im Bergrennsport des noch jungen Piloten, und das ausgerechnet beim Heimrennen am Monte Erice.

Mit einem Rückstand von lediglich 0,4sec. ging der vierte Gesamtplatz an einen weiteren Lokalmatador. Francesco Conticelli konnte mit seinem Osella FA30 Zytek eine beeindruckende Vorstellung abliefern und sich herausragend in Szene setzen. Damit stand für ihn am Ende auch der zweite Platz in der Gruppe D, E2-SS zu Buche, womit er bei seinem Heimevent ein mehr als grandioses Resultat fixieren konnte. Die Top5 komplettierte der Sardinier Sergio Farris mit dem Osella PA2000 Evo, der ebenfalls nur 1,4sec. auf den Viertplatzierten verlor. Dabei konnte er sich erneut exzellent in Szene setzen und mit seinem beherzten Fahrstil die Fans an TV und Internet begeistern. Der Lohn war der dritte Gesamtrang in der Gruppe E2-SC und das als zweitbester 2l Pilot. Rang Sechs Gesamt ging an den Südtiroler Diego Degasperi mit dem Osella FA30 Zytek, der diesmal mit den Topzeiten nicht ganz mithalten konnte und dabei ein fehlerfreies Rennwochenende absolvierte. Die weitere Konkurrenz konnte er auf Distanz halten, aber auch nach vorne fehlten ihm am Ende doch einige Sekunden. Trotzdem konnte er mit diesem Resultat seinen dritten Meisterschaftsrang weiter festigen. Dahinter feierte der junge Domenico Scola ein beeindruckendes Comeback nach 1,5 Jahren Pause am Steuer eines Osella PA 21 JRB Evo, mit dem er gleich einen neuen Streckenrekord in der Gruppe E2-SC bis 1,6l Hubraum fahren konnte. Das Team hofft nun in der Saison 2021 endlich wieder auf einen 3l Boliden an den Start gehen zu können. Die Top 8 komplettierte Sebastiano Castellano auf einem weiteren Osella PA2000 Evo, der ebenfalls eine exzellente Leistung am gesamten Wochenende in Trapani ablieferte und somit ein famoses Resultat erreichen konnte.

Einen großartigen Erfolg feierte auch Franco Berto. Der am Ufer des Gardasees, bei Bardolino wohnhafte Tatuus FA010 Abarth-Pilot stellte sich erst nach fast 10jähriger Abstinenz wieder dem Bergrennen Monte Erice, kein Wunder bei einer Anreise von über 1.500 km per Auto und Fähre. Dabei konnte Berto trotz Problemen im Training am Renntag überzeugen und schlussendlich die 2L Klasse in der Gruppe D, E2-SS für sich entscheiden. Damit konnte er in der Meisterschaft wichtige Punkte gegenüber „Nivola“ gutmachen, der diesmal sich mit Platz Zwei mit seinem Lola Dome F3 zufrieden geben musste. Dabei hatte er im 2. Rennlauf noch viel Glück, dass er bei einem Dreher nirgends mit dem Boliden anschlug.

Bei den Sportprototypen als auch bei den Formelboliden gab es einige prominente Ausfälle zu verzeichnen. Darunter Lokalmatador Domenico Cubeda mit dem Osella FA30 Zytek LRM, der bei seinem Heimrennen keinen einzigen Trainingslauf in Angriff nahm und dann auf die Rennläufe verzichtete. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn dabei vorzeitig aufzugeben und den Boliden wieder in den Transporter zu verladen. Aber auch Lokalmatador Franco Caruso musste bereits in Trainingslauf 1 einen Ausfall mit seinem neuen Nova NP 01-2 Zytek zur Kenntnis nehmen. Ein technischer Defekt bremste den bekannt spektakulär agierenden Piloten beim Heimrennen. Und im 2. Rennlauf musste auch noch Vincenzo Conticelli seinen Osella PA30 Zytek Evo vorzeitig mit einem technischen Gebrechen abstellen, womit auch er bei seinem Heimrennen es nicht in die Wertung schaffte. Nach einer herausragenden Zeit in Rennlauf 1 war das für ihn natürlich umso bitterer. Pech hatte auch der junge Luigi Fazzino mit seinem Osella PA2000 Turbo, der im 1. Rennlauf von technischen Problemen stark gebremst wurde und nur mit Mühe das Ziel erreichen konnte. Damit war schlussendlich nicht mehr als Platz 21 Gesamt in der Gruppe E2-SC möglich.

Bei den Tourenwagen und GT feierte der erklärte Favorit Lucio Peruggini einen weiteren vollen Erfolg. Am Steuer seines Lamborghini Huracan GT3 ließ er der Konkurrenz nicht den Funken einer Chance. Mit einem neuen Streckenrekord in der Gruppe GT untermauerte er am Steuer seines grünen Boliden den Tourenwagengesamtsieg am Monte Erice. Dahinter wurde es aber äußerst spannend, wobei schlussendlich Maurizio Pitorri gegen die weitere Konkurrenz bestehen konnte. Mit seinem Ferrari 488 Challenge konnte er sich exzellent auftrumpfen und sich schlussendlich den zweiten Platz bei den Tourenwagen sichern. Mit einem Rückstand von lediglich 1,1sec. ging der dritte Gesamtrang an Stefano Artuso im Ferrari 458 Challenge, der ebenfalls eine hervorragende Leistung am Monte Erice ablieferte. Dabei konnte er mit einer tollen Performance noch den letzten Platz am Podium für sich verbuchen. Mit einem minimalen Rückstand von 0,17sec. (!) nach zwei gewerteten Rennläufen ging der vierte Platz an Roberto Ragazzi im Ferrari 488 Challenge, der ebenfalls eine klasse Leistung an diesem Wochenende ablieferte. Die Top5 komplettierte bei den Tourenwagen Angelo Maria Guzzetta mit seinem Peugeot 106 Rally, der eine spektakuläre Performance bei seinem Heimrennen ablieferte, welche ihres gleichen sucht. Mit neuem Motor in seinem Boliden konnte er sich gegen die weitere Konkurrenz durchsetzen und mit neuem Rekord in der 1,6l Klasse gleich die Gruppe E1 Gesamt für sich entscheiden. Die E2-SH Klasse konnte übrigens Marco Gramenzi mit seinem einmalig klingenden Alfa Romeo 4C MGA001 Judd für sich entscheiden, auf Tourenwagengesamtrang 8.

Bei den Historischen konnte sich Lokalmatador Salvatore Riolo den Gesamtsieg sichern. Mit seinem Stenger C3 BMW konnte er sich gegen die Konkurrenz mit einer grandiosen Performance durchsetzen und einen vollen Erfolg am Monte Erice fixieren. Damit feierte er gleich beim ersten Antreten im Jahr 2020 einen großen Erfolg mit dem legendären Boliden aus Deutschland.

Text: Peter Schabernack, www.hillclimbfans.com

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.