Faggiolis Rekord und Sieg lange unter Vorbehalt – Buck früh im Aus

Bis am Montagmorgen um vier Uhr dauerte es bis beim fünften italienischen Berg-Meisterschaftslauf 2020 von Cividale-Castellmonte das Endklassement definitiv feststand. Ein Protest von Christian Merli gegen Simone Faggioli bescherte den Kommissaren des italienischen Verband ACI eine lange Nacht. Auf der 6.395 Meter langen, rallyeartigen Bergpiste im Friaul hatte am Renntag Faggioli überraschend deutlich Sieg und Streckenrekord davongetragen. Der Florentiner drehte mächtig an der Rekordschraube, im Rennen 1 mit der Zeit von 3’04″40, im zweiten Lauf noch einmal massiv gesteigert auf 2’55″18. Die zweite Position in der Gesamtwertung für Christian Merli auf Osella FA 30 EVO Zytek LRM mit einer Lücke auf Faggioli von 6, 69 Sekunden war schon erstaunlich. Rang drei auf seiner Lieblingsstrecke, ging an Federico Liber im kleinen Gloria vor Diego Degasperi, der 2011 in Cividale gewonnen hatte und dieses Jahr am berüchtigten Sprunghügel mächtig Glück hatte dass er den Osella FA30 noch einigermaßen heil ins Ziel brachte. Lucio Peruggini, zweifacher Masters-Gold Gewinner, fuhr mit seinem Lamborghini Huracan GT3 bei unsicherem Wetter mit Regenschauer, den Tourenwagen und GT-Sieg ein. Nach dem Rennen legt Christian Merli Protest gegen Simone Faggioli ein, und das Klassement von Cividale – Castelmonte bleibt zunächst unter Vorbehalt. Am Montagmorgen um 4 Uhr haben die technischen Kommissare ihre sorgfältige Überprüfung von Faggiolis Norma M20 FC Zytek und Merlis Osella FA 30 Zytek LRM abgeschlossen und es wird bestätigt, dass beide Motoren dem Reglement entsprechen.

Christian Merli erklärt: “Es war ein langes Rennen, und es ging bis tief in die Nacht. Im ersten Rennlauf haben wir leicht geschnittene Slicks aufgezogen, aber kurz nach dem Start fing es an zu nieseln. Im zweiten Rennlauf habe ich alles gegeben und mich um 10 Sekunden verbessert. Mein Gegner war trotzdem 2”45 schneller. Im Ziel habe ich Protest eingelegt, weil wir Zweifel an Simones Motor hatten. So etwas ist natürlich sehr schwierig, und ich finde es schade, dass solche Kontrollen nicht automatisch durchgeführt werden. Ich kann mich in meiner ganzen Karriere nicht erinnern, dass die zuständigen Stellen von selbst den Motor von Rennsportfahrzeugen im Ziel überprüft hätten, ohne dass jemand Protest eingelegt hätte. Leider musste ich diesen Schritt tun, um die berechtigten Zweifel zu zerstreuen, aber in der Bergszene kursierten schon seit einiger Zeit Gerüchte um den Motor des Norma. Am Montagmorgen um 4 Uhr kam die offizielle Bestätigung: Sowohl Simones Motor als auch meiner entsprechen voll dem Reglement. Herzlichen Glückwunsch also an meinen Gegner, und ich bedanke mich bei den Sportkommissaren, den technischen Kommissaren, den Veranstaltern und der Rennleitung, dass sie uns die ganze Nacht zur Seite gestanden haben.“

„Ich freue mich sehr“ äußerte sich Faggioli. „Dieser Protest hat uns Gelegenheit gegeben, den Zweiflern zu beweisen, dass wir das Reglement einhalten, und damit unsere Leistungen objektiv zu bestätigen. In dieser Hinsicht bin ich froh über Christians Protest, auch wenn ich es menschlich bedauere, dass er dachte, ich würde womöglich nur um des Sieges willen mit Mindergewicht oder mit größerem Hubraum starten… aber daran will ich jetzt nicht denken. Jetzt freue ich mich, weil das Ergebnis des Protests die Zweifel an meiner Leistung zerstreut. Diese Leistung ist vielmehr allein die Frucht all unserer Bemühungen, schneller zu sein als ein Gegner, der mich oft geschlagen hat und der dadurch mein Team motiviert hat, gemeinsam mit mir alles herauszuholen. Ich muss meinen Leuten und unserem gesamten technischen Team wirklich danken, ebenso Nova Proto, die den Protest bis tief in die Nacht verfolgt haben, und den Kommissaren, den Veranstaltern und allen, die mich unterstützt haben, und sei es nur, indem sie mein Handy geladen haben, als der Akku leer war. Ich habe sehr viel positive Energie gespürt; das hat uns gut getan und uns ganz sicher gestärkt. Erwähnen muss ich unbedingt auch Pirelli, die uns mit sehr guten Reifen versorgt haben, denn der Sieg ist auch ihnen zu verdanken. Jetzt bereiten wir uns auf das Rennen in Erice (Sizilien) vor und werden unser Bestes geben, um den ersten Platz in der italienischen Bergmeisterschaft, den wir gestern errungen haben, zu verteidigen.“

Nach seinem erfolgreichen Gaststart beim französischen Meisterschaftslauf in Turckheim Anfang September reiste Erwin Buck hoffnungsfroh nach Norditalien, doch es sollte kein positives Wochenende werden. Bereits beim ersten Trainingslauf erreichte der VW Spiess Scirocco 16V nicht ins Ziel. Bei regennasser Fahrbahn, hatte Buck im ersten Streckenabschnitt den Rechtsknick in der Senke vor der Reifenschikane etwas zu stark geschnitten, so das der Scirocco aushebelte und erst hinten links und anschließend vorne einschlug. „Das wichtigste ist, das es mir gut geht und auch sonst niemand an der Strecke verletzt wurde“, so der KW Berg-Cup´ler. Die Karosserie ist hauptsächlich vorne und am Seitenteil der Fahrerseite beschädigt, beide Male wurde zum Glück ein Puffersack, voll mit Hobelspähne getroffen, die viel Energie aufgenommen haben. Nachdem alles zerlegt wurde, schaut es nicht so schlimm aus,  der Scirocco kann und wird repariert werden“. Die weiteren drei Deutschen Teilnehmer erreichten dagegen das Ziel unweit der Grenze zu Slowenien. Gestärkt mit einem hervorragenden 12. Gesamtrang vom slowenischen Bergrennen Illirska Bistrica trat Norbert Wimmer im BMW 2002 8V das zweite Mal in dieser Coronasaison in Erscheinung. Die ungleichen Wetterbedingungen spülten den Bayer auf Rang 30. Platz 51 ging an Valentin Schneider und 67. wurde Helmut Maier, beide auf VW Golf).

von Thomas Bubel und Ruth Scheithauer

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.