Stromer im Motorsport auf dem Vormarsch

Motorsport macht Spaß, das können vor allem diejenigen bestätigen, die den Sport selbst ausüben. Ohne laute Motorgeräusche, quietschende Reifen und Menschengegröle können wir gar nicht von Motorsport sprechen. Allerdings scheint es, dass diese Art von Motorsport schon bald von einer anderen, neuen Form abgelöst wird – der Formel-E. Anstatt Benzingeruch stehen nun Volt an der Tagesordnung und der Motorensound wird von einem leisen Surren abgelöst. Aber was hat es eigentlich genau mit dieser neuen Sportart auf sich?

Was ist die Formel-E?
Bei der Formel-E handelt es sich im groben Sinne um eine Rennserie für Formelwagen, die über einen Elektromotor verfügen. Das Wort Formel stammt vom Formelsport, einer Kategorie des Motorsports, die die Leistungsfähigkeit der einzelnen Fahrzeuge mithilfe von technischen Regeln festlegt. Derzeit gibt es zwölf Formel-E-Teams die mit insgesamt 24 Fahrern in diversen Großstädten der Welt antreten. Anders als bei einer normalen Formel-1 finden die Rennen nicht auf herkömmlichen Strecken statt, sondern auf abgesteckten Routen, die sich mitten in der Großstadt befinden.

Rennwagen mit Elektromotor
Zwar sehen Rennwagen im E-Sport den herkömmlichen Flitzern sehr ähnlich, sind jedoch weitaus futuristischer designt. Auch der Sound, den die Fahrzeuge von sich geben, ist nicht mit lautem Motorgeheul vergleichbar. Ganz im Gegenteil: Der laute Motor wird hierbei durch ein elektronisches Surren ersetzt. Formel E-Rennwagen schaffen mittlerweile eine Leistung von bis zu 250 kW, das sind in etwa 335 PS. In nur 2,8 Sekunden beschleunigen sie von 0 auf 100 km/h. Anschließend sind Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h möglich. Ähnlich wie im normalen Straßenverkehr ist natürlich auch die Reichweite der Elektroautos im Rennsport ein großes Thema. Die Akkus halten mittlerweile deutlich länger als noch in den ersten Jahren der Formel-E. Während zu Beginn die Autos noch mitten im Rennen gewechselt werden mussten, ist heutzutage eine weitaus längere Renndistanz möglich. So sollte auch angemerkt werden, dass regelmäßig umfangreiche Tests durchgeführt werden, damit auch wirklich sichergestellt werden kann, dass alle Komponenten des E-Autos miteinander kompatibel sind. Auch beim anspruchsvollen Pikes Peak Bergrennen wurden diverse Tests auf die Anforderungen des Lebenszyklus durchgeführt, die sogar alle Erwartungen übertroffen.

Formel-E birgt größere Risiken
Allerdings ist nun besonders der sicherheitstechnische Aspekt ein vollkommen anderer und muss nach wie vor noch weiter ausgebaut werden. Neben den Risiken eines Unfalls bei einem Formel-1-Rennen birgt die Formel-E weitaus größere Gefahren. So ist nicht nur die Stromschlag-Gefahr nach einem Fahrzeugbrand weitaus höher, sondern auch die Selbstzündung des Fahrzeuges. Abgesehen davon können im schlimmsten Fall sogar Giftgase austreten, die nicht nur den Fahrer, sondern auch alle Beteiligten gefährden. Wird die Batterie geborgen, kann sich diese selbst Tage später noch entzünden.

Ein kleines Beispiel: Kommt es zu einem Unfall bei einem Bergrennen, kann der Wagen unverhofft bergab rollen. Anders als Verbrennungsmotoren, die grundsätzlich bei laufendem Motor eine Gefahr signalisieren, sind Elektroautos leise und geben kaum Geräusche von sich. Bei der Meinung zur Formel-E gehen daher die Meinungen sehr weit auseinander. Viele Menschen sind der Meinung, dass der Rennsport von der Akustik lebt und dieser bei elektronischen Autorennen nicht gegeben ist. Befürworter gehen allerdings davon aus, dass es in Zukunft weitaus mehr E-Autos geben wird, weshalb es womöglich Zeit ist, etwaige Vorurteile abzulegen.

Über Thomas Bubel 536 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.