Damals vor Corona: FIA-Preisverleihung 2019 – EBM-Aus für 2020

Auch die beiden FiA-Prädikate mit der Europa-Bergmeisterschaft und dem FiA International Hill Climb Cup fallen 2020 der Corona-Pandemie zum Opfer. Der ursprüngliche Kalender für die Europameisterschaft umfasste von Mitte April bis Mitte September 12 Veranstaltungen in ebenso vielen Ländern. Neun der zwölf Runden wurden bereits im Vorfeld der Sitzung der Hill Climb Commission am 26. Mai offiziell abgesagt, ohne dass die betroffenen Organisatoren beabsichtigten oder die Möglichkeit hatten, ihre Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Beim International Hill Climb Cup waren bereits drei der fünf Veranstaltungen abgesagt worden. Es bleibt die Vorfreude auf die Saison 2021 – und die Gelegenheit für einen Rückblick auf den festlichen Saisonabschluss 2019.

Einmal im Jahr tauschen die Fahrer des europäischen Rennzirkus Helm und Overall gegen Anzug und Krawatte: zur feierlichen Preisverleihung für die Europa-Bergmeisterschaft und den FIA Int. Hill Climb Cup. Zum Saisonabschluss für die beiden höchsten Berg-Prädikate in Europa versammelten sich im November 2019 Fahrer, Offizielle und Veranstalter im norditalienischen Trient, der Heimat des Traditionsrennens am Monte Bondone. Vor dem Palazzo della Regione im Stadtzentrum begrüßten sie der Osella FA 30 von Christian Merli und der Norma M20 FC von Simone Faggioli. Die beiden Europameister waren schon am Nachmittag mit ihren Lkws vorgefahren und hatten ihre Rennautos vor dem Eingang geparkt, um der Feier den gebührenden Rahmen zu verleihen. Der originale Trientiner Bergsteigerchor vertrat die lokalen Farben und stimmte die Gäste mit „La Montanara“ auf den Abend ein. Bei Puccinis Opernschlager „Nessun dorma“ sang dann so mancher Fahrer im Saal wohl in Gedanken die strahlende Schlusszeile mit: „Vincerò – Ich werde siegen!“

Die Preisverleihung für die Sieger des Jahres begann mit der Pokalvergabe für den FIA Int. Hill Climb Cup. Dabei erklang gleich zweimal die slowakische Nationalhymne: In der Kategorie 1 wurde der Slowake Peter Ambruz (Mitsubishi Lancer Evo IX) als Sieger geehrt, nachdem zuvor schon seine Frau Anna Ambruz (Honda Civic Type R) mit dem Ladies Cup ausgezeichnet worden war. Die blau-silberne Trophäe für den Sieg in der Kategorie 2 nahm der Franzose Sébastien Petit (Norma M20 FC) in Empfang. Viele dachten in diesem Moment an Petits schweren Unfall im Europameisterschaftslauf im portugiesischen Falperra im Mai 2019 zurück. Welch ein Happy End!

Die Stars des Abends waren natürlich die beiden Top-Fahrer aus Italien. Mit jeweils derselben Punktzahl wurden Christian Merli und Simone Faggioli zu verdienten Europameistern gekürt. Den dritten Platz belegte der Österreicher Christoph Lampert, der mit seinem Osella FA 30 eine sensationelle Debütsaison in den 12 Ländern der europäischen Königsdisziplin hingelegt hatte. Ihnen allen zu Ehren würdigte auch FIA-Präsident Jean Todt in einer Video-Grußbotschaft noch einmal die zurückliegende Saison.

Beim anschließenden Apérobuffet und Galadinner im Grand Hotel Trento nebenan, richtete sich der Blick nach vorn. Am Vortag hatten die FIA-Offiziellen aus den verschiedenen Ländern bei ihrer turnusmäßigen Sitzung bereits über den Rennkalendern und Reglements für das Jahr 2020 gebrütet. Wer hätte ahnen können, dass alles anders kommen würde? An den runden Tischen, an denen sich die Teams, Veranstalter, Offiziellen und Ehrengäste wie Konstrukteur Enzo Osella oder Norma-Mitgründer Norbert Santos trafen, entwickelten sich schon zwischen Vorspeise und Hauptgang lebhafte Gespräche. Wer würde 2020 welches Auto fahren? Wie würde sich der Bergrennsport weiter entwickeln? Vielleicht fand sich Gelegenheit, den Offiziellen den einen oder anderen Wunsch mitzugeben? Oder womöglich sickerte irgendwo ein Gerücht über die Pläne der Konkurrenten für 2020 durch?

Nun, im Frühsommer 2020, liegt all das auf Eis. Die europäische Saison 2020 ist so gut wie abgehakt, und nicht einmal das geplante große Fest des europäischen Bergrennsports, das FIA Masters im Oktober in Portugal, kann stattfinden. Die Ziele, Hoffnungen und Träume vieler Fahrer richten sich schon jetzt auf 2021: „Ich werde siegen – Vincerò!“

von Ruth Scheithauer

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.