Ein virtuelles Homburger Bergrennen als Trostpflaster

Wie in diesem Jahr so viele Veranstaltungen aus den Bereichen Kultur, Freizeit, Unterhaltung und Sport, wird auch der Homburger ADAC Bergrennen das für das Wochenende vom 10. bis 12. Juli  geplant war, koronabedingt ein Jahr aussetzen. Nach der Absage des weithin bekannten Motorsportevents für das  Jahr 2020, war die Enttäuschung bei Aktiven und Fans groß. Doch jetzt gibt es für die Freunde des automobilen Rennsports auf der Käshofer Straße wenigstens ein kleines Trostpflaster, virtueller Art. Am Montagabend des 11. Mai geht es spielerisch um Meisterschaftspunkte, Bestzeiten und den Sieg beim Homburger Bergrennen, dem sechsten Lauf der insgesamt 18 Rennen umfassenden „GTR4u Berg-Challenge 2020“.

In dieser Zeit, in der es darum geht die Corona-Kurve flach zu halten, erleben Computerspiele und damit verbunden der eSport einen unwahrscheinlichen Boom. In der Gunst der Hobbyspieler und eSportler ganz oben, stehen Rennspiele, das sogenannte SimRacing. Gefahren wird auf virtuellen Strecken, die den echten Rennpisten mit großer Detailgenauigkeit entsprechen. Dabei haben die eSportler keine Controller in den Händen, sondern fahren ausgestattet mit einem Lenkrad und Pedalen in Rennschalensitzen vor einem Monitor. Mittlerweile gibt es unterschiedliche Rennserien für Amateure und Profis. Theoretisch kann jeder Gamer, der eine Konsole oder einen PC besitz und ein wenig Erfahrung hat, sich qualifizieren und an diversen Rennserien teilnehmen. Ziel ist es, die schnellsten Fahrer aus der Masse herauszufiltern, die dann von virtuellen und realen Racing-Teams engagiert werden. Online – Ranglisten werden geführt. Spieler werden entsprechend der gefahrenen Rennen und Erfolge gelistet. Der ein oder andere eSportler hat bereits den Sprung in die Wirklichkeit geschafft. Bei den Bergrennen ist es eher umgekehrt. Ein Paradebeispiel ist hier der Freiburger Patrik Zajelsnik, der im Jahr 2006 das 33. Homburger Bergrennen als Gesamtsieger beendete. Der Tankstellenbetreiber pilotiert im richtigen Leben einen Norma M20 FC mit einem über 550 PS starken Honda-Mugen V8-Motor. Online steht ihm ein aufs Haar gleiches Ebenbild zur Verfügung. In der Welt der Spiele ist Zajelsnik aber bei weitem nicht so erfolgreich wie in der Wirklichkeit. „Rückmeldungen des Rennwagens über Fliehkräfte und den berühmten Popometer fehlen online natürlich. Gerade längere und kurvenreiche Bergpisten lassen sich jedoch an der Konsole oder am PC ganz gut für die realen Rennen probieren und einprägen“.

Am kommenden Montagabend werden sich 15-20 Spieler aus ganz Deutschland um die Computerversion der Käshofer Straße versammeln, darunter auch Thomas Schmid aus Bobingen bei Ausburg. Der 53jährige ist Organisator des Spiels und einer der Programmierer der Homburger Strecke die seit 2018 frei und kostenlos heruntergeladen werden kann. Entsprechende Versionen gibt es für die führenden Rennsimulationen wie  GT-Legends, GTR2,  rFactor und Assetto Corsa die bei der „GTR4u Berg-Challenge 2020“ als Grundlage dient. Schmid erschuf die digitalisierte Käshofer Straße innerhalb von sechs Monaten in seiner Freizeit. „Als Vorlage benutze ich in erster Linie Google für das Terrain und die generelle Streckenführung.  Für die detaillierte Ausgestaltung suche ich nach guten Onboard-Aufnahmen im Internet. Viele Details neben der Strecke finde ich über entsprechendes Videomaterial und Fotos der Veranstaltung. Einfacher und schneller wird es für mich durch die Unterstützung der ortsansässigen Veranstalter.  Den Streckenbau erleichtern spezielle Programme“.

Zum digitalen Homburger Bergrennen sind übrigens auch Gastfahrer willkommen. Eine Anmeldung ist für jedermann bis kurz vor Trainingsbeginn möglich. Am Montag ab 19 Uhr finden die Trainingsläufe statt. Wie in der Berg-Challenge üblich kommt ein einheitliches Rennfahrzeug zum Einsatz um die Chancengleichheit zu wahren. Diesmal ist es der legendäre BMW M1 Procar. Um 19 Uhr 30 beginnen die jeweils fünf Läufe für Jeden, wobei die schnellsten Drei gewertet werden. Pünktlich zum den Rennläufen startet der Livestream auf YouTube mit fachkundigem Kommentar, ganz nach dem großen Vorbild. Auch das vorrübergehend arbeitslose Organisationsteam des Homburger Automobilclubs hofft auf einen spannenden Abend und dass der ein oder anderen bekannten Teilnehmer aus des realen Rennszene dabei ist.

Alles weitere unter:
www.homburger-bergrennen.de
www.gtr4u.de
http://gtr4u.de/index.php/Thread/66315-GTR4u-Berg-Challenge-2020/
www.toms-sim-side.de

Über Thomas Bubel 513 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.