Bergrenn-Veteran „Don Helmut“ Kalenborn feiert 80. Geburtstag auf Mallorca

Auf Mallorca, der liebsten Ferieninsel der Deutschen, ist er bekannt wie der berühmte bunte Hund. Der aus Euskirchener stammende Helmut Kalenborn hat sich mit seinen Erfolgen bei Bergrennen auf den Balearen einen Namen gemacht und feiert am heutigen 2. April seinen 80. Geburtstag.

Helmut Kalenborn wurde 1940 im rheinländischen Straßfeld geboren. Nach der Volksschule, begann er eine Lehre zum KFZ-Mechaniker. Nach dem Grundwehrdienst ging er nach Aachen, machte dort seinen Meister und wurde Betriebsleiter beim Autohaus Fredel in Euskirchen. 1974 machte er sich mit einer eigenen Werkstatt selbstständig. Es vergingen noch weitere zwei Jahre, bis er die Liebe zum Rennsport entdeckte. Erst mit 36 Jahren setzte sich Helmut Kalenborn erstmals hinter das Steuer eines Rennwagens. Schnell war klar, dass es Bergrennen waren, die zu seinem Betätigungsfeld werden sollten. Bergrennstrecken in Deutschland, Tschechien, Frankreich und Luxemburg wurden seine Heimat, ehe er auch die Rennen auf Ibiza und Mallorca wehrend einer Urlaubsreise für sich entdeckte. Die Balearen wurden zu seiner zweiten Heimat. Neunmal holte sich der Rennbegeisterte zwischen 1983 und 2001 den Titel des Balearen-Berg-Meisters. Alleine auf der legendären Strecke am Puig Major trat »Don Helmut« bei 24 Rennen an. Lange Zeit war er auf der berüchtigten 8,2 Kilometer langen Strecke auf den höchsten Berg Mallorcas der Streckenrekordhalter.

Insgesamt brachte er es auf den Balearen auf unglaubliche 49 Gesamtsiege, dazu kommen noch mehr als 70 Plätze auf dem Podest. Und das oftmals auf unterschiedlichen Fahrzeugen. Vom March Formel Super V, über Chevron BMW Formel 2, bis hin zum Reynard Formel 3, Tiga Sports Car und Lola BMW Gruppe C3 war alles dabei. Auf allen neun Rennstrecken der Meisterschaftsserie fuhr er Streckenrekorde. Zwei davon hält er bis heute. Auf den Bergstrecken von Deia und San Salvador war keiner schneller als »Don Helmut«.

Sein Bekanntheitsgrad auf Mallaorca ist so groß, dass er 1996 und 1997 zum »Sportler des Jahres« der Balearen gewählt wurde. Aber nicht nur auf der Insel war der smarte Rennfahrer erfolgreich. Auch bei Abstechern auf die Rundstrecke in seiner ehemaligen Heimat, seit viele Jahren ist Mallorca sein Hauptwohnsitz, drehte Helmut Kalenborn ausgesprochen gekonnt am Lenkrad. Bei drei Einstätzen bei den 24h-Rennen auf der berüchtigten Nürburgring Nordschleife war er auf einem BMW der Euskirchener Firma TM Motorsport von Klaus Müller mit Klassensiegen unterwegs.

2012 war dann endgültig Schluss mit seiner aktiven Zeit im Motorsport. Doch das hielt den Motorsportverband der Balearen nicht davon ab, ihrem »Don Helmut« im Oktober des Jahres 2014 anlässlich der 35. Auflage des Rennens am Puig Major im Hafenstädtchen Soller ein Denkmal zu setzten. Bei der Enthüllungszeremonie hatte damals 74-Jährige die Freudendtränen in den Augen. Mit der mallorquinischen Flagge, die das Denkmal verhüllt hatte, wischte er sich die Glückstränen aus den Augen und freute sich über sein Denkmal an der Startlinie der Bergrennstrecke Puig Major. Viele Motorsportfunktionäre waren damals bei seiner Feierstunde anwesend. Aber nicht nur die Offiziellen kamen zu Ehren von Helmut Kalenborn. Auch der Zweitplatzierte in der ewigen Bestenliste der Meisterschaft, Leif Buttenhof, kam zum Gratulieren. Der Finne hatte die Meisterschaft viermal gewonnen. Er kann Kalenborn aber nicht mehr gefährlich werden, denn er ist ebenfalls nicht mehr aktiv.

Nur einen schweren Unfall hatte Helmut Kalenborn in seiner langen Karriere. Beim Bergrennen von Andratx nach Esterrens im Juni 1999 kam er mit seinem TOY-BMW Gruppe C3 Rennsportwagen auf einer Ölspur von der Strecke ab und stürzte 50 Meter eine Böschung hinab. Das Fahrzeug zerschellte an den Bäumen und Kalenborn kam mit zahlreichen Knochenbrüchen in die Klinik nach Palma. Dass ihn bei seiner Genesung kein Geringer als Filmstar Michael Douglas besuchte, hatte seinen guten Grund. Seit Mitte der 90er Jahre war er als Statist und Kleindarsteller in Film- und Fernsehproduktionen engagiert. Erst vor wenigen Wochen, am 3. März 2020 wurde im Trui Teatre in Palma de Mallorca den geladenen Gästen die Dokumentation „Helmut Kalenborn, el kaiser de las alturas” (sinngemäß „Helmut Kalenborn, der Kaiser der Gipfel”) präsentiert. Der Regisseur und Produzent Joan Gibert hat an seinem Werk lange und mit viel Herzblut gearbeitet. Er kennt seinen Protagonisten schon seit vielen Jahrzehnten.

Nach seiner Rennsportkarriere ging Kalenborn unter die Schriftsteller. Er schrieb den Mallorca-Krimi »Rennen, Rettung, Mallorca«, und wie sollte es anders sein, die Hauptrolle spielt ein Rennfahrer auf der Rennstrecke am Puig Major. Heute lebt Helmut Kalenborn nach dem Motto: “Ich genieße jeden Tag so, als ob es mein letzter sein könnte.“ Verdient hat er es sich.

Über Thomas Bubel 501 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.