Die Hauser-Dynastie – Teil 2 – Vom Berg auf dem Weg nach Les Mans

Der Name Hauser steht aber nicht nur für drei Rennfahrer-Generationen, sondern auch für ein mit 15 Mann vielleicht kleines, aber dennoch feines und hochprofessionelles Motorsport-Team mit dem Namen „Racing Experience – Motorsport Services“. In diesem Rennstall findet man die ganze Familie Hauser wieder: Christian ist der Teamchef, Karin ist für die Reiseplanung, die gesamte Organisation vor Ort und für das Catering des Teams zuständig, David und Gary sind die Fahrer, Davids Verlobte Mélanie Marcon agiert als Renningenieurin und Datenanalystin und ihre Schwester Jennifer ist als Mechanikerin dabei. Lea, Garys Verlobte, ist Ingenieurin und unterstützt das Team ebenfalls. Chef-Mechaniker Charles Molinier ist die treue Seele im Team und bringt sogar Formel-1-Erfahrung aus seinem früheren Job als Motorenbauer bei Renault Sport mit ins Team. 2017 setze Racing Experience zum ersten Mal einen Le-MansSportprototyp der Klasse LMP3 ein. Mit dem Gesamtsieg im Dutch Cup sogar sehr erfolgreich, und dies vor sehr starker Konkurrenz. Seit letztem Jahr ist Racing Experience im Michelin Le Mans Cup (MLMC) eingeschrieben. Mit einem Norma M30 LMP3 belegt es den 7. Platz in der Gesamtwertung bei über 30 klassierten Teams. Dieses Jahr setzt man bei den sieben Rennen à zwei Stunden, mit dem Highlight auf der Traditionsrennstrecke von Le Mans, auf einen neuen Duqueine D08-Nissan LMP3. (Foto oben: David Hauser 2014 im Wolf GB 08F1 beim Heimspiel in Eschdorf)

Der Ligier JS P3 LMP3 wurde 2017 auf der Rundstrecke eingesetzt.

Da jeweils ein Pilot der SilberKategorie und ein Fahrer der Bronze-Kategorie die Rennen bestreiten müssen, lösen sich David und Gary als Silber-Pilot am Steuer ab und teilen sich das Cockpit mit dem französischen „Gentleman Driver“ und Bronze-Piloten Nicolas Mélin. Dieser bringt auch das notwendige Budget mit ins Team. „Wir bestreiten dieses Jahr erneut den Michelin Le Mans Cup, der vom ACO (Anm. d. Red.: Automobile Club de l’Ouest, dem Organisator der 24 Stunden von Le Mans) veranstaltet wird und der die gleichen strengen Regeln hat wie die European Le Mans Series und das World Endurance Championship. Wir hoffen, 2020 ein noch besseres Ergebnis erzielen zu können als 2019 und beabsichtigen dann als nächsten Schritt, in die European Le Mans Series aufzusteigen. Wir brauchen uns nicht hinter den großen Teams zu verstecken, vielleicht gehen wir das Ganze sogar noch sorgfältiger und konsequenter an als so manch großes Team, da wir durch und durch passionierte Racer sind. Und anstreben, alles fehlerfrei und mit letztem Einsatz auszuüben, ob nun als Fahrer, Ingenieur oder Mechaniker. Wir sind so professionell, wie man es nur sein kann, ohne dass wir vom Racing leben und ohne dass wir es hauptberuflich ausüben“, sagt Teamchef Christian Hauser.

Freude nach dem Streckenrekord im Dallara GP2 beim Homburger Bergrennen 2016

Teurer Urlaub auf Asphalt – Fast der gesamte Urlaub der Familie geht für den Motorsport drauf. Immerhin muss man für ein Rennen, das am Samstag oder Sonntag stattfindet, bereits am Montag davor an der Rennstrecke sein, um die ganze Struktur aufzubauen und die sehr aufwendigen ACO-Formalitäten zu erledigen, bevor das eigentliche Rennprogramm beginnt. Zudem ist das finanzielle  Engagement sehr hoch. Die Einschreibegebühren für den MLMC sind nicht geschenkt. Dazu kommt das eigene LMP3-Fahrzeug, der teameigene Lkw mit Auflieger, das Equipment und Material, die Reifen, die Tests sowie Mietwagen, Catering, Reise- und Hotelkosten hinzu. Um all diese Kosten zu decken und das Teambudget auszugleichen, ist Racing Experience in vielen anderen Sparten aktiv: vom Consulting bis zum Aufbau, der Vorbereitung und dem Support von Kunden-Rennwagen. So z.B. hat ein gut betuchter Engländer seinen GP3-Renner bei Racing Experience untergestellt, und wenn er dann mit seinem Rennwagen auf irgendeiner Rennstrecke seine Runden drehen möchte, bringt das Hauser-Team das Auto dorthin, die Mechaniker und Ingenieure bereiten alles vor, damit der Besitzer nur mehr ins Auto steigen und fahren braucht. Diesen Service bietet Racing Experience Kunden weltweit an, sogar bis in die USA. Des Weiteren erbringt Racing Experience für verschiedene große Teams, wie z.B. ART Grand Prix, Trident, Prema oder Carlin, eine ganze Reihe von Dienstleistungen wie die Zurverfügungstellung von Daten, spezifischen Teilen und derer eigenen Logistik. Des Öfteren gilt es hier, eine Zustellung innerhalb von 24 Stunden zu irgendeiner Rennstrecke weltweit zu gewährleisten. Im Übrigen kümmert sich Racing Experiene auch oftmals für diese Teams um den Verkauf von deren Autos und Equipment. Schlussendlich bietet Racing Experience Fahrertrainings, Coaching und Taxidrives an. Bei letzteren wird ein Beifahrersitz in den LMP3-Renner installiert und der Kunde wird von David oder Gary für einige Runden im Renntempo über den Rundkurs chauffiert.

Team-Foto aus dem Vorjahr – Die Hauser´s umrahmen ihren Norma M30 LMP3

Neuerdings bietet Racing Experience auch hochprofessionelle Simulatoren zum Kauf und zum Mieten – auch mit Coaching – an. Da bei den meisten Rennserien die Tests auf der Strecke zeitlich sehr limitiert sind, bieten die neuesten, professionellen Simulatoren beste Möglichkeiten, neue Rennstrecken kennenzulernen und erste Autoabstimmungen bereits vorzunehmen, bevor man auf der Rennstrecke ankommt. Auf die Frage nach einem eventuellen großen Wunschtraum für die Zukunft meinten die Hausers ganz bescheiden und absolut nicht überraschend: „Wir möchten vor allem gesund bleiben, damit wir unseren Sport noch lange weiterbetreiben können.“

Von Norbert Nickels und Marie-Jo Nickels

Über Thomas Bubel 501 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.