Erwin Buck mit Tuner Spiess auf dem Weg in die Berg-Cup Königsklasse

Die 2-Literklasse des KW Berg-Cup entwickelt sich mehr und mehr zum Spielfeld der professionellen Tuner, kein Wunder denn hier werden seit Jahren immer wieder Berg-Cup Gesamtsieger produziert. Unter den 145 Fahrern auf 123 Autos in der kürzlich geschlossenen Einschreibeliste 2020 der beliebten Breitensportserie, befinden sich allein 34 Exemplare mit einem Hubraum von 2000 ccm. Neuer „Hecht im Karpfenteich“ ist hier Erwin Buck, der quasi mit Werksunterstützung des schwäbischen Motoren-Papst Siegfried Spiess, versuchen wird die Phalanx von Minichberger, Wiebe oder Gerent zu brechen. Hierzu verlässt Buck die angestammte 1600er Klasse und steigt auf. Bereits zum Saisonfinale 2019 in Mickhausen präsentierte Geschäftsführer Holger Spiess eines seiner neuen 2-Liter Berg-Triebwerke im Fahrerlager. Das Antriebsaggregat auf Formel 3-Basis hört auf den Namen SP G02 und ist frei verkäuflich.

Mit seinem Wiedereinstig in den Bergrennsport zum Saisonstart 2017, hier noch mit dem 1,6 Liter 8V-Motor, stellten sich für den schwäbischen Malermeister sogleich wieder erste Erfolge ein. Wie so viele dem Bergrennsport zugetane Piloten, kann Erwin Buck auf eine zweigeteilte Karriere zurück blicken. Zwischen 1996 und 2003 legte der Grabenstettener den Grundstein in Sachen Technikwissen und Fahrkönnen. Erfolge blieben damals schon nicht aus. Danach wurde das Unternehmen Maler Buck zu heutigen Größe weiterentwickelt und nun bleibt wieder mehr Zeit für den geleibeten Bergrennsport. Ende April letzten Jahres dann die Prämiere, die es so noch nicht gab. Die Fahrzeugkarosserie des bekannten orangenen VW Scirocco wurde modifiziert und erstrahlt in neuen Farben. Die Fans bekamen das typischen weiß-rot zu Gesicht, das historische Scirocco-Spiess-Design aus den 1970ern. In Schotten fand das schon lang ersehnte Rollout statt. Der Fahrer Erwin Buck startet mit einem neuen Motor in die Saison – powered by Spiess. Als Motor kam ein aktuelles VW Formel 3 Aggregat zum Einsatz, welches für die 1600er Klasse und den Einsatz am Berg im Hause Spiess modifiziert wurde. Die Kombination Buck-Spiess sorgte vom Start weg für Furore und der ersten Klassensieg konnte bereits beim dritten Saisonlauf, dem Wolsfelder Bergrennen gefeiert werden. Kaum zu Topen, fiel dann die Jahresbilanz 2019 aus: Meister des KW Berg Cup International bis 1600ccm, 5. Platz KW Berg Cup Gesamtwertung, Vize-Meister des DMSB Berg Cup für Tourenwagen und mit Rang 3 ein Podiumsplatz in der Deutsche Automobil-Bergmeisterschaft.

Zurück zu den Ursprüngen, wo alles begann: dem Bergrennen, lautet auch dieses Jahr der Slogan des weltbekannten Motorenbau-Unternehmens aus der schwäbischen Ditzingen. Vor über 50 Jahren startete die Karriere des Firmengründers Siegfried Spiess am Berg. Auch in der kommenden Saison ist Spiess Racing wieder auf den Bergen vertreten, diesmal mit einem speziell modifiziertem Motor, dem neuen „SP G02“. Seinen ausgezeichneten Ruf erwarb sich das Unternehmen bereits Mitte der 1960er Jahre. Siegfried Spiess wird Deutscher Berg-Meister auf NSU. 1965 wiederholt er den Triumph. Der von Spiess getunte Motor des 1000er wird von NSU im TTS serienmäßig verwendet. Der Grundstein zum späteren Tuning-Betrieb ist gelegt. 1967 und 1968 folgen weitere Meistertitel, ehe ‚Siggi’ Spiess sich vom aktiven Rennsport verabschiedet. In den 70er Jahren baut und entwickelt Spiess Motoren für die Formel Super V und 1979 das erste Formel 3-Triebwerk. Für die Werke VW und Opel entwickelt Spiess lange Jahre Formel 3-Motoren und auch das DTM-Engagement von Opel wurde mit Motoren made by Spiess realisiert.

„Jetzt fahren wir diese Saison mit dem Spiess SPG02, der über den Winter weiterentwickelt wurde in der populären 2-Literklasse des KW Berg-Cup und auch um die Berg DM“, freut sich Buck der seit kurzem „ü50er“. „Dass Spiess sein Handwerk versteht hat sich schon letztes Jahr mit dem 1,6 Liter Motor gezeigt“, stellt Buck fest. „Jetzt geht es eher darum den Scirocco an das mehr an Leistung anzupassen, so zum Beispiel in Form von 15 Zoll Räder, Fahrwerk und einer größerer Bremsanlage. Ziel ist das wir ab Schotten fahren. Geplant ist die komplette Saison. Dass wir in der 2 Liter vorne mitfahren, haben wir uns vorgenommen. Ich kann`s noch schlecht einschätzen, weil ja auch 60 Kilo zum 1600er Fahrzeuggewicht dazu kommen, deshalb halten wir erst mal den Ball flach. Holger Spiess oder seine Mitarbeiter werden ab und an dabei sein. Wir freuen uns aber riesig auf die sehr starke Konkurrenz aus dem 2 Liter Lager“! Der potente 1,6 Liter Motor aus der Saison 2019 kann übrigens bei Spiess erworben werden.

Über Thomas Bubel 536 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.