Hin macht letzten offenen DMSB-Bergtitel klar

Die Wiederbelebung des ADAC Bergrennen Mickhausen ist gelungen! Mit einigen neuen Gesichtern und vielen alten Hasen startete der ASC Bobingen in eine neue Epoche. Noch lief nicht alles am ersten Oktoberwochenende wie am Schnürchen, da manchen Orts die Erfahrungswerte fehlten, doch dies fiel kaum auf. Die neue Organisationsspitze um Hinrich Groeneveld, die sich im Verlauf der einjährigen Rennpause gebildet hatte, verzichtet bewusst auf verschiedenen kostenintensive Punkte, wie beispielsweise das Prädikat des Internationalen FiA Bergcups und kann nach der geglückten Reaktivierung, beginnen eigene Ideen weiterzuentwickeln. Im Endeffekt hatte man noch Glück mit dem Wetter, das schlimmer vorausgesagt war, sodass viele Zuschauer das nötige finanziellen Mittel, mit dem vereinzelten Regen in die Vereinskasse spülten.

Die herbstlichen Bedingungen, mit langanhaltender Nässe und kühlen Asphalttemperaturen, stellten höchste Anforderungen an die Teilnehmer. Christian Triebstein (Formel 3), Sophia Faulhaber (Honda Civic), Jürgen Hessberger (Fiat) oder Altmeister Erich Öppinger (Osella), schieden mit haarigen Unfällen und arg beschädigten Fahrzeugen vorzeitig aus und haben nun ihre Winterbeschäftigung. Alle waren spätestens am Sonntagabend wieder körperlich wohlauf, aber in der Seele geknickt. So mussten die Entscheidungen in diversen Meisterschaften ohne die Unglücklichen fallen. In der Deutschen Bergmeisterschaft ging es in der Staudenregion nur noch um die Vize-Meisterschaft, hinter dem neuen Champion Hans-Peter Eller, der auch diesmal seine reine Weste in der Klasse E1-1400 ccm nicht beschmutzte. Seine Hoffnungen auf Endrang zwei musste Kai Neu (Ford Focus) schon im letzten Qualifikationslauf begraben. Rallye-Gaststarter Christian Allkofer schnappte dem Saarländer die ach so wichtigen zwei Zusatzpunkte vor der Nase weg. Trotz klarem Sieg in der Gruppe F bis 2 Liter am Renntag, rutschte Neu auf Rang 5 in der DM-Abschlusstabelle ab. Rüdiger Zahn, der Citroen AX-Pilot aus der 1400er Gruppe N, ließ erneut nichts anbrennen und fuhr zur Vize-Bergmeisterschaft. Mit aufs DM-Podium schaffte es zudem der Schwabe Erwin Buck, im VW Scirocco 16V mit Spiess Tunerunterstützung. In der E1-1600 war erneut kein Kraut gegen den schnellen Malermeister gewachsen. Mit einem bemerkenswerten Saisonendspurt und einem weiteren Klassensieg zum Abschluss, kletterte Sportwagen-Pilot Thomas Conrad (CRS-Renault 2.0) noch auf DM-Rang vier.

Mit fünf Divisions- oder Tagessiegen und nach dem Umstieg in den potenten Osella PA 30 Zytek V8 (Foto oben), nahm Alexander Hin in der zweiten Saisonhälfte so richtig Fahrt auf. Auf den letzten Metern übernahm der Schwarzwälder die Tabellenspitze des DMSB Berg-Cup für Sportwagen und ist der neue Meister. Hin hielt sich bewusst aus dem Zweikampf um den Tagessieg der beiden Schweizer Eric Berguerand und Marcel Steiner heraus. Dem Zimmerer reichte ein dritter Platz, als bester Deutscher, um seine Ziele zu erreichen. Der als Tabellenführer nach Mickhausen angereiste Christian Triebstein, hätte bei einem Hin-Sieg zweitbester Deutscher werden müssen, aber schon nach gut 100 Metern war am Sonntag für den jungen Nordhessen alles vorbei. Mit seinem Dallara Opel F3 (Foto Mitte) krachte er in einen Begrenzungsmauer und konnte einem schon Leidtun. In der DBM rutsche Triebstein auf Rang 7 ab, aber als Vize-Meister im DMSB Berg-Cup geht er dennoch in die Geschichtsbücher ein. Kein gutes Ende des Rennjahres 2019, muss Georg Lang verdauen. Mit dem zweiten Ausfall in Folge, bekam die bis Eichenbühl ansteigende „Fieberkurve“ einen Knick nach unten. Am Ende stehen für den jungen Schweinfurter Formel-Piloten Rang vier zu Buche. Thomas Conrad zog in Mickhausen vorbei aufs Berg-Cup Podium.

Der DMSB-Divisions-Vizemeister bei den Tourenwagen heißt Erwin Buck, hinter dem seit Eichenbühl feststehenden „König der Tourenwagen“ Patrick Orth. Der eigentliche Favorit auf Rang zwei, Stefan Faulhaber verabschiedet sich bereits in Unterfranken mit einem Highspeed-Unfall aus dem Rennen und blieb seit Anfang September punktlos. Da wäre für den Badener mehr drin gewesen, aber irgendwann trifft wohl jeden einmal das Unfallpech. Dafür darf sich Björn Wiebe neben dem Gesamtsieg im KW Berg-Cup 2019 (mit Bruder André) auch über die Vize-Meisterschaft im DMSB-Prädikat freuen. Mit den Divisionssieg und Rang zwei in der E1-2000 ccm, hinter dem Österreicher Tom Strasser, sind Wiebe und Buck am Ende mit jeweils 86 Zählern punktgleich. Mario Minichberger, von der gleichnamigen Allgäuer Tuningschmiede, stieg erst ab Mitte Juli in Homburg ins Geschehen ein und landete dennoch auf einem bemerkenswerten fünften Entrang in der Meisterschaft.

Werfen wir noch einen Blick auf die Jenigen, die sich im bayrischen Schwabenland in ihren Klassen hervorgetan haben. Im „Spezlrennen“ der Gruppe N bis 2-Liter, blieb Berg-Urgestein Helmut Knoblich (Peugeot 206 RC) über seine Freunde und Clubkameraden siegreich. In der Gruppe A/F bis 1600 ccm, sah man Ronny Hering (VW Scirocco CTC) nach langer Pause wieder am Start. Der Ostdeutsche kam gut rein und gewann sogleich knapp vor Andreas Gmeinder im VW Passat nach CTC-Regularien. In der großen Klasse dieser Gruppe durfte der Italiener Rudi Bicciato in Mickhausen auch diesmal nicht fehlen. Der Mitsubishi-Allradpilot und zigfache Landesmeister dominierte nach Belieben, bis zu seinem Dreher im letzten Lauf. Samt „Extrarunde“ reichte es dennoch für Rang zwei, hinter Lokalmatador Nikolas Uenzen im BMW NHM M3 mit 2WD. In der kleinsten E1-Klasse bis 1150 ccm überzeugte Tobias Mayer aus dem Weissdorn-Ebenhöh-Clan mit drei klaren Laufbestzeiten im VW Polo 16V (Foto unten). Dies gelang in Abwesenheit des Abo-Siegerfahrzeugs von Jürgen Schneider. Unter dem Piloten Dominik Schlott, landete der erstmals mit 1400er-Triebwerk bestücken VW Polo gleich auf Rang drei, hinter Hansi Eller und Franz Weissdorn. Die E1 bis 3000 ccm sah einen spannenden Dreikampf, wenn nicht gar Vierkampf. Marcel Gapp (BMW M3 E36) überzeugte immer dann wenn es feucht auf der Strecke war. „Das Auto liegt perfekt im Regen, ich fühle mich pudelwohl“. Doch auch der Salzburger Bernhard Permetinger (BMW M3 E30) war blendend unterwegs und gewann hauchdünn vor Gapp. Auf dem gleichen Level bewegte sich auch der Schweizer Gaststarter Josef „Seppi“ Koch (Opel Kadett C 16V) und auch sein Deutscher Markenkollege Günter Göser lang vor dem dritten und letzten Rennlauf gleichauf mit dem Trio. Auf zunehmend feuchter Piste ließ der Allgäuer aber ein paar winzige Federn.

Wie bereits erwähnt gewann Thomas Conrad die Sportwagenklasse bis 2000 ccm sehr deutlich. „Best of the rest“ war hier Lokalmatador Hindrik Uenzen (Bruder des BMW-Piloten Nikolas), der den Norma M20 Honda sicher auf Rang zwei fuhr, vor Markenkollege Dino Gebhard. Bei den Formel-Fahrzeugen bis 2000 ccm Hubraum lief es im Training für Christian Triebstein, mit Top-Zeiten nach Maß. Nach seinem Ausscheiden übernahm Mathieu Wolpert im baugleichen Dallara F303 das Zepter und gewann vor Frank Debruyne, der mit dem neuaufgebauten Dallara F316 sich langsam anzufreunden scheint. Mit dem traditionsreichen Rückführungskorso, durch ein Spalier von tausenden Zuschauern, Betreuern und Mechanikern verabschiedeten sich 136, von 148 gestarteten Bergspezialisten in die wohlverdiente Winterpause.

Über Thomas Bubel 402 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.