Berguerand auch in Mickhausen vor Steiner

Marcel Steiner schien beim Int. Bergrennen Mickhausen in Südbayern auf dem Weg zum Tagessieg. Doch bei einsetzendem Nieselregen war einmal mehr Eric Berguerand der Schnellere. Das nach einem Jahr Pause zum 38. Mal ausgetragene Int. ADAC Bergrennen Mickhausen südlich von Augsburg zählte als Finallauf zur Deutschen Automobil-Bergmeisterschaft und zu anderen nationalen Prädikaten. Weil es jedoch kein Lauf mehr zum FIA-Bergcup war, wie bis 2017, waren außer ein paar Österreichern und Schweizern kaum ausländische Fahrer am Start.

Marcel Steiner und Eric Berguerand sind seit etlichen Jahren gern gesehene Gäste in Mickhausen und machten den Tagessieg unter sich aus. Anders als in der Schweizer Bergmeisterschaft gab Steiner im LobArt-Sportwagen (Foto Mitte) schon im nassen Training vom Samstag, als auch in den beiden ersten Rennläufen bei kühlen, aber trockenen Bedingungen das Tempo vor. Sein erster Saisonsieg über den bisher unbezwingbaren Gegner lag in der Luft. Doch entscheidend sollte der dritte Durchgang sein. Anders als in der Schweiz zählten in Mickhausen nicht die beiden besseren, sondern alle drei Laufzeiten für das Gesamtklassement. Als leichter Nieselregen einsetzte, blieb Steiner auf Slicks, während Berguerand seinen Lola-Cosworth (Foto oben) mit Profilreifen bestückte – offenbar mit ganz guten.

Aus einem Rückstand von 1,7 Sekunden machte der diesjährige Bergmeister in der Addition einen Vorsprung von 1,8 Sekunden. Steiner hatte auf der bloß 2,2 Kilometer langen Strecke mit nur 79 Metern Höhenunterschied ganze 3,5 Sekunden auf Berguerand verloren. Dieser kam so zum Saisonschluss zu einem weiteren Tagessieg, dem ersten in Mickhausen nach etlichen Anläufen. Eric Berguerand: «Im zweiten Rennlauf der Rennwagen war es schon so nass, dass ich mit Slicks wie auf Glatteis fuhr. Ich wollte eigentlich schon zusammenpacken. Doch als das Rennen so zügig lief, montierte ich für den dritten Lauf aus Sicherheitsgründen die Regenreifen. Als ich die Zeiten von Marcel und Alex hörte, wusste ich, dass es die richtige Wahl war. Ich hatte nochmals richtig Spaß beim Fahren und so halt die Chance gepackt.»

Tausende Zuschauer säumten die Rennstrecke und standen bei der letzten Talfahrt Spalier. Sie feierten Eric Berguerand erstmals als Tagessieger in Mickhausen. Dem dafür schon dreimal beim grenznahen Bergrennen erfolgreichen Steiner (zuletzt 2017) blieb einmal mehr nur der zweite Gesamtrang und zum Trost der Sportwagensieg vor dem Deutschen Alexander Hin im Ex-Hugentobler-Osella PA30 Zytek V8. Marcel Steiner: «Wenn ich müsste, würde ich mich wieder für Slicks entscheiden. Für Regenreifen war es meiner Meinung einfach zu wenig nass. Ich fuhr halt zu verhalten hoch. Es ist mir ein Rätsel, wie Eric mit Regenreifen so schnell fahren konnte. Mit ihm ist halt immer zu rechnen.»

Für Steiner endet damit eine Saison, die Anfang Mai mit dem Tagessieg in Luxemburg (Bergrennen Eschdorf) verheißungsvoll begonnen hatte. Seither gab es lauter zweite Plätze, so auch im August beim eher noch stärker besetzten Bergrennen in Osnabrück hinter Europameister Christian Merli. Wo Berguerand dort gelandet wäre, falls er wegen des Unfalls seinen Vaters Louis in Anzère nicht kurzfristig abgesagt hätte, bleibt Spekulation. Marcel Steiner: «Es stinkt mir, mit einem schlechten Lauf in den Winter zu gehen. Ein Sieg wäre schön gewesen. Eric war dieses Jahr einfach gut. Aber er hat es ja hier auch lange probiert. Vor drei Jahren führte er nach zwei Läufen, als bei Regen am Ende Romeo Nüssli vorne lag.»

Der Besagte fühlte sich auch am Sonntag wieder im Element. Im feuchten dritten Lauf spielte der Aargauer den Allradanatrieb an seinem Ford Escort Cosworth (Foto unten) voll aus. Mit einer um fast zwei Sekunden besseren Zeit entriss Nüssli dem Franzosen Nicolas Werver im Porsche 911 GT2 noch den Tourenwagen-Gesamtsieg. Zugleich rückte der Tagessieger von 2016, der Regen ausdrücklich liebt (aber zu selten kriegt), auf den fünften Gesamtrang vor. Ein Podium gab es für Josef „Seppi“ Koch im Opel Kadett mit dem dritten Rang bei den Tourenwagen bis drei Liter Hubraum. Stark auch der Auftritt von Jürg Ochsner: Im nassen Training bei den Zweilitern noch unter ferner liefen rangiert (19.), belegte der Schaffhauser mit seinem Opel Kadett am Renntag den ausgezeichneten fünften Platz unter 28 Konkurrenten. Als Fünfter unter zwölf Fahrern bei den 1400ern zog sich Martin Bächler im VW Lupo ebenfalls noch achtbar aus der Affäre.

Text von Peter Wyss / www.autosprint.ch

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.