Hintergründe zu den Wertungsausschlüssen von St. Agatha

Das Bergrennen St. Agatha  des oberösterreichischen MSC Rottenegg schrieb wieder einmal Geschichte. In den letzten Jahren gelang dies Markus Altenstrasser und seinem Team mit einer reibungslosen Organisation, einer wunderbaren Atmosphäre und sportlich hochwertigen Läufen. Doch die sportlichen Resultate sollten diesmal alsbald nach Rennende in den Hintergrund treten und die bis dahin glänzende Veranstaltung den Beteiligten in eher unangenehmer Weise in Erinnerung bleiben. Gegen die Piloten Marcel Steiner, Alexander Hin und Georg Lang wurde Protest eingelegt, in allen drei Fällen stattgegeben und die Angeschuldigten disqualifiziert. Protestführer war Patrik Zajelsnik, der zunächst hinter Marcel Steiner auf Gesamtrang zwei rangierte. An die beiden Laufbestzeiten des neuen Schweizer Vizemeisters (1:03,087 und 1:03,414 min) kam zuvor weder Zajelsnisk noch ein anderer Konkurrenten heran, doch das nützte dem Oberdiesbacher nichts.

Die Nachuntersuchung der Techniker vor Ort ergab an Steiners LobArt LA01 das die Mittel-Finne der Airbox um 2,8 cm zu hoch war. Des Weiteren ragte der Auspuff 2,5 Zentimeter zu weit nach hinten heraus, was nicht unbedingt einen Wettbewerbsvorteil bedeutet und eher auf eine Nachlässigkeit oder Versehen hindeutet. Das Reglement kennt in diesem Fall aber keine Spielräume. Da es um den Tagessieg und viel Prestige ging, ist diese Protestnote noch einigermaßen nachvollziehbar. Im Fall der beiden Deutschen Alexander Hin und Georg Lang, kann man jedoch von einem klassischen „Zierleistenprotest“ sprechen, der eher auf die Personen abzielt, als auf die Fahrzeuge. Gegenstand und Angriffspunkt war in beiden Fällen die Außenspiegel. Die Spiegel waren laut österreichischem Chef-Techniker und geübten FIA-Funktionär, übrigens ur-original, wurden also einmal so legal gefahren bis die FIA die Mindestmaße für den Bergrennsport festgesetzt hat. Vorgeschrieben sind 150×50 mm, montiert waren 111×52 mm. Somit blieb den Verantwortlichen auch in diesem Fall keine andere Wahl als der Wertungsauschluss.

Zweifellos in diesem Zusammenhang stehen die Vorfälle vom Osnabrücker Bergrennen diesen Jahres (BiD berichtete). Beim Lauf zur Deutschen Bergmeisterschaft und FiA Hillclimb Cup legte Marcel Steiner einen Protest gegen den Hubraum an Zajelsniks Mugen-Triebwerk ein. Doch der Deutsch-Slowene verweigerte Anfang August eine technische Nachkontrolle und entzog seinen Norma M20 FC schlussendlich ohne Klärung den Technikern. Eine Feststellung der Hubraummaße konnte somit nicht durchgeführt werden. Der Fall wurde sogleich an die FiA gemeldet. Der aktuelle Stand der Ermittlungen und Konsequenzen daraus, sind derzeit nicht bekannt. Vier Wochen später fehlte das Zajelsnik-Team bei ihrem Heimatrennen, dem vorletzten Berg-EM Lauf von Ilirska Bistrica. Zum EM-Finale in Buzet (Kroatien), eine Woche vor St. Agatha, trat man wieder an. Unbestätigt ist ein Protest des JAZ-Teams gegen den dortigen Gesamtsieger Milos Benes und den Hubraum in dessen Osella FA 30. Jedenfalls wurde an Ort und Stelle durch die FIA mit einer neuen Methode die Hubräume an Benes und Zajelsniks Rennwagen nachgemessen. Beide Motor vorfügten über legale 3.000 ccm. Eine Aussagekraft über die Motorkonfiguration des Zajelsniks-Normas zum Zeitpunkt des Osnabrücker Bergrennens, kann aber daraus nicht abgeleitet werden. Auch mit dem Lang Motorsport Team, das seit dieser Saison auch den Osella von Alexander Hin betreut, steht das JAZ-Team spätestens seit dem erfolgreichen Protest  vom Iberg 2015 in der Kontroverse. Damals wies eine Benzinprobe aus Zajelsniks Tank zu hohe Oktanwerte auf.

Für Marcel Steiner war es die erste Disqualifikation in seiner Karriere. „Das ist sehr ärgerlich, denn meine Leistung war am Wochenende wirklich top“, sagt Steiner. „Aber offenbar habe ich im Reglement etwas falsch interpretiert“. Patrik Zajelsnik wird da schon direkter und geht in die Offensive. „Es ist nicht angenehm Proteste zu verteilen, da ich die Kämpfe lieber auf der Strecke austrage. Doch leider fährt Marcel Steiner schon zwei Jahre mit einem illegalen Auto und aerodynamischen Hilfsmitteln die nicht konform sind. Marcel Steiner hat sich somit einen Wettbewerbsvorteil verschafft und täuschte seine Konkurrenz über einen langen Zeitraum.  Es gibt ein Reglement an dass sich jeder richten muss“. Steiner will trotz der Disqualifikation am 6. Oktober beim Bergrennen in Mickhausen an den Start gehen. „Dort kann ich die Antwort dann auf der Strecke geben“. Neben der Strecke gab es bereits diverse verbale Auseinandersetzungen zwischen Teammitgliedern, die bis unter die Gürtellinie gingen. Zum Wohle des Bergrennsports bleibt zu hoffen, dass beim nächsten Aufeinandertreffen alle Beteiligten ihre Emotionen im Griff behalten und am Ende doch Sportsgeist, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit siegen.

Es gibt übrigens nach dem ärgerlichen Abend von St. Agatha Tendenzen von österreichischen Rennveranstaltern eventuelle Nennung des JAZ-Zajelsnik-Teams bei Bergrennen in 2020 abzulehnen, was laut Sportgesetz jederzeit möglich ist. „Die Veranstalter wollen ihre Ruhe haben und keine „Zierleistenproteste“, war der einhellige Tenor.

von Thomas Bubel und Werner Schneider

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.