Wer sonst? – Berguerand siegt auch in Les Paccots

Eric Berguerand war beim Finale der Schweizer Berg-Meisterschaft in Les Paccots unantastbar. Berguerand hat die Schweizer Berg-Meisterschaft so beendet, wie er sie angefangen hat: mit einem Sieg in neuer Rekordzeit. Der 40-jährige Walliser, der schon vor dem Finale in Les Paccots als Schweizer Rennwagenmeister feststand, hat der Saison 2019 damit endgültig den Stempel aufgedrückt. Von den sieben Rennen, an denen Berguerand teilgenommen hat, hat er sechs gewonnen. Fünf davon in neuer Rekordzeit. Nur am Gurnigel reichte es nicht zum Tagessieg. Doch da kam dem Formel-3000-Piloten aus Charrat (VS) der Regen in die Quere. Sonst hätte er wohl auch dort mit seinem Lola FA99 eine neue Bestmarke aufgestellt.

Beim Rennen von Châtel-St-Denis nach Les Paccots hatte Berguerand vergleichsweise leichtes Spiel. Dauerrivale Marcel Steiner verzichtete auf das Saisonfinale. Der Berner, der in dieser Saison nur in Les Rangiers triumphierte, dort, wo Berguerand seit 2007 nicht mehr antritt, hat sich eine Pause gegönnt. Steiner wird dafür bei den Bergrennen St. Agatha in Österreich (22. September) und Mickhausen in Südbayern (6. Oktober) an den Start gehen. Berguerands Zeiten waren aber auch ohne Konkurrenzdruck beeindruckend. Den ersten Durchgang absolvierte er in 53,643 sec. Im dritten unterbot er mit 53,370 sec seine eigene Rekordmarke aus dem Vorjahr um 18 Hundertstelsekunden. «Ich habe meine Bestzeit mit einem alten Satz Reifen erzielt», sagt Berguerand, der sich in dieser Saison vor allem über die Standfestigkeit seines Autos gefreut hat. «Es hat in diesem Jahr einfach alles gepasst. Aber selbstverständlich ist das nicht. Da steckt natürlich viel Arbeit dahinter.»

Für Berguerand ist der fünfte Titel trotz seiner Überlegenheit kein besonderes Ereignis. «Dieser Titel hat nicht mehr oder weniger Wert als die zuvor. Es ist einfach angenehm, wenn alles leichter von der Hand geht und das Auto keine Probleme bereitet.» Genug hat Berguerand noch lange nicht. Der Konkurrenz lässt er ausrichten, dass er als Fahrer sich noch verbessern kann. «In mir steckt noch mehr Potenzial», grinst der Champion und schielt mit einem Auge schon auf die Saison 2020. 6,5 Sekunden hinter Berguerand liess sich Robin Faustini Platz 2 im Gesamtklassement notieren. Der junge Aargauer stand vor Les Paccots bereits als Meisterschaftsdritter fest und hatte in Les Rangiers als Zweiter (hinter Steiner) ein Ausrufezeichen gesetzt. Diesmal war er in der Addition der beiden schnellsten Läufe 0,7 Sekunden schneller als sein Vater Simon Hugentobler, der auf seinem neuen Osella PA30 Platz 3 belegte. «Ich hatte im ersten Lauf noch ein Getriebeproblem», erklärte Faustini. «Aber danach konnte ich zwei problemlose Läufe absolvieren.»

Bester Zweiliter-Pilot war Michel Zemp. Der Langnauer schrammte als Vierter am Podium vorbei, liess aber mit seinem Norma M20 FC die Zweiliter-Formelsport-Konkurrenz mit Christian Balmer und Marcel Maurer hinter sich. Hinter IS-Tagessieger Frédéric Neff (Porsche 996 GT3 R), der in dieser Saison nur drei Rennen absolvierte, war Romeo Nüssli in seinem Ford Escort Cosworth (Foto oben) der schnellste Tourenwagenfahrer. Im Duell der E1-Fahrer setzte er sich gegen Richard Winiger (Porsche 911 GT3 Cup) klar durch. Einen weiteren Klassensieg gab es für Martin Bürki. Der Uetendorfer, der wie schon am Gurnigel auch in Les Paccots in der Division IS bis 1600 cm3 antrat, liess diverse stärker motorisierte IS-Teilnehmer hinter sich zurück. Trotzdem reichte es Bürki nicht zu seinem vierten Titel im separat ausgeschriebenen Bergpokal. Diesen krallte sich erstmals Philipp Krebs, der gleichzeitig auch den Tagessieg und den Titel im Renault Classic Cup davontrug.

Auch bei den Tourenwagen war die Entscheidung schon am Gurnigel gefallen. Zwar hätte Roger Schnellmann in Les Paccots noch theoretische Chancen gehabt, den Führenden Andy Feigenwinter abzufangen, doch der Schwyzer verzichtete auf den Start im Freiburgischen. Feigenwinter selbst liess es sich nicht nehmen, sein Punktekonto nochmals aufzustocken. Der Baselbieter setzte in seinem Lotus Exige 430 seine Ungeschlagenheit in der Gruppe SuperSerie fort, verpasste aber eine neue Rekordmarke um 25 Hundertstelsekunden.

Einen neuen Sieger gab es in der Junioren-Berg-SM. Nach drei Siegen von Rico Thomann setzte sich im vierten und letzten Lauf Pascal Siegrist durch. Der Strengelbacher verwies Michael Müller und Rico Thomann in identischen Toyota GT86 auf die Ehrenplätze. Letzterer konnte mit Rang 3 gut leben. Mit 72 (von 80 möglichen) Punkten sicherte sich der Winterthurer souverän den Titel vor Siegrist (62) und den punktgleichen Müller und Gianluca Forcella (47). Weitere Infos zum Bergrennen Les Paccots auf www.ecuriedeslions.ch/paccots

Text und Foto Christian Eichenberger / ASS

Über Thomas Bubel 385 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.