Ende gut alles gut für Hin – Eller und Orth holen erste Titel

Am ersten Herbstwochenende des Jahres und ausgerechnet zum 52. Bergrennen Eichenbühl, dem vorletzten Lauf der Deutschen Bergmeisterschaft 2019, drehte das Wetter zwischen Spessart und Odenwald  von spätsommerlich in den Herbstmodus. Beide Veranstaltungstage begannen feucht, wobei es am Renntag anfangs ganz schön schüttete und so für Extraspannung gesorgt war. Zum zweiten Mal richtete die Traditionsveranstaltung der noch junge MSC Erftal aus und Rennleiter Steffen Hofer fällte stets die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeitpunkt. Der frische Wind ist also weiter spürbar!

Zum Leitwesen der vielen einheimischen Fans, mussten einige „Heim-Ascaris“  vorzeitig die Segel streichen. Nils Abb braucht nach einem Überschlag an der „Klinge“ eine neue Polo-Karosse und für Holger Hovemann steht erneut eine kostspielige Motorinstandsetzung ins Haus, nachdem das 5,7-Liter V8-Triebwerk seines Opel Kadett C GT/R bereits im letzten Training „fest ging“. Zuvor konnte der Odenwälder die fünfte Trainingszeit des 180er Feldes setzten und war für den Renntag bester Dinge. Der Top-Favorit auf den Gesamtsieg Alexander Hin, deckte derweil schon am Samstag seine Karten auf, mit zwei bärenstarken 1:11er Zeiten, einmal knapp unter und über dem Streckenrekord (1:11,523 min) von Patrik Zajelsnik aus dem Jahr 2014. Doch nach dem ersten Rennlauf am verregneten und kühlen Sonntagmorgen, kam die Ernüchterung für den Schwarzwälder. Der feuerrote Osella PA 30 „war unfahrbar und viel zu hart“, kommentierte Hin seine nur achtschnellste Fahrzeit. Nach Lauf 1 führte überraschend Thomas Conrad im 2-Liter Sportwagen und dem „Mann der Stunde“, dem Österreicher Lucas Boric im kleinen und quirligen TracKing RC01 mit Motorradmotor. „Uns fehlen noch die Erfahrungswerte den Osella auch im Regen perfekt abzustimmen“.  Doch die Stunde des Alex Hin sollte noch kommen, denn die dunklen Wolken verzogen sich und die 3.050 Meter lange Piste Richtung Umpfenbach trocknet zögerlich ab. Schon wieder nahezu beste Bedingungen herrschten ab Ende zweiten Durchgangs bis zum Rennende und Alexander Hin überflügelte mit seinem V8-Boliden in einer Zeit von 1:11,640 min den gesamten Spitzenpulk. Bevor die nächste Regenfront Unterfranken erreichte, tilgte Hin auch offiziell Zajelsniks Rekordmarke und verwirklichte doch noch den erträumten vierten Gesamtsieg der Saison, vor Conrad und Formel 3-Mann Mathieu Wolpert. Rang vier belegte Christian Triebstein und fünfter Lucas Boric (Foto Mitte).

Im Kampf um die Deutschen Bergmeisterschaft ließ sich Hans-Peter Eller (VW Scirocco 16V) nicht aus der Ruhe bringen. Mehr als souverän kam der Mitarbeiter im Tuningbetrieb von E1-2 Liter Pilot Mario Minichberger zum Klassensieg in der 1400er E1-Klasse und steht vorzeitig als neuer Deutscher Titelträger fest, dass zudem mit der maximalen Punktausbeute, samt Zusatzpunkten für die schnellsten, letzten Trainingsläufe. Beim Finale in Mickhausen hart umkämpfte Podiumsränge, werden ausgemacht durch die Klassensieger von Eichenbühl Kai Neu (Ford Focus), Rüdiger Zahn (Citroen AX) sowie Christian Triebstein (Dallara F3). In diese Phalanx eindringen kann Erwin Buck (VW Scirocco 16V), als Klassensieger des Wochenendes der E1 bis 1600 ccm, der nichts mehr streichen muss und in Mickhausen noch einmal voll Punkten kann.

Ebenfalls seit Sonntagabend vergeben ist der Titel im DMSB Berg-Cup der Tourenwagen. Patrick Orth (BMW 320 E30), das Geburtstagskind vom Trainingstag, genügte Rang 5 in der Division, hinter Tourenwagensieger Herbert Stolz (Porsche 935 II) und seinen 2-Liter Klassenkameraden Andre Wiebe, Mario Minichberger und Norbert Wimmer, zur vorzeitigen Meisterschaft. Im Kampf um die Vize-Meisterschaft musste Stefan Faulhaber mit einem Ausfall Federn lassen und rutsche auf Tabellenrang drei ab, inklusive Platztausch mit Erwin Buck. In der Cup-Wertung für Sportwagen liegt zwar Christian Triebstein, der in Eichenbühl den Dallara F316 von Sascha Herz ausprobierte, mit 129 Punkte an der Spitze, muss jedoch in Mickhausen bei einem eher wahrscheinlichen Divisionssieg von Hin, auf jeden Fall zweiter werden um seinen Titel mit einem einzigen Zähler Vorsprung ins Ziel zu retten. Im direkten Duell wird der Kampf um den dritten Podiumsrang, zwischen Thomas Conrad und Georg Lang (Formel Renault) ausgetragen. Lang Junior patzte am Umpfenbacher Berg und rangiert aktuell lediglich einen Zähler vor Conrad.

Der Regen vom ersten Rennlauf drückte einigen Klassen seinen Stempel auf. In der Gruppe F bis 1400 ccm konnte sich Lukas Bodtländer (Citroen C2) erst im letzten, trockenen Durchgang entscheidend von Newcomer Lukas Friedrich (Honda Civic) absetzten. Die Tagesbestzeit gelang hingegen Florian Hildner (Ford Fiesta Cup), der jedoch auf nasser Piste zu vorsichtig agierte und hinter Ralf Fladung (Peugeot 207 Sport) Vierter wurde. In der großen Hubrauklasse der Gruppe F hielt sich anfangs Achim Kreim (Mitsubishi) unter feuchten Bedingungen auf gleicher Höhe mit BMW-Pilot Nicolas Uenzen, ehe der Vater des Deutschen Rallyemeisters Fabian Kreim, im trockenen um 1,1 Sekunden den Kürzeren zog. Kurioses spielte sich im NSU-Pokal ab. Abo-Sieger Steffen Hofmann drehte sich zu Beginn und startete anschließend von Rang 7 eine fulminante Aufholjagt, die ihn schlussendlich auf Platz zwei, hinter dem Sieger Uwe Schindler und vor den jungen Schwarzwälder Andreas Reich führte. In der E1-1150 ccm gelang Jürgen Schneider ein Heimsieg für den MSC Erftal, nachdem sein Polo mit Fahrwerksschaden aus dem letzten Training, wieder gerichtet werden musste. Jürgen Hessberger (Fiat 127 Sport) lag nach Lauf eins noch klar in Führung, konnte jedoch Platz zwei vor Tobias Stegmann (Audi 50) halten. Auch einer derjenigen, der im morgendlichen Regenlauf den Grundstein für den späteren Klassensieg legte, war Marcel Gapp. Im BMW M3 (Foto unten) rettete der Mann von der Scuderia Lindau sein Polster um 1,8 Sekunden vor Dauersieger Günter Göser (Opel Kadett C 16V) und Michael Weber (Audi 80 Quattro) ins Ziel.

Über Thomas Bubel 381 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.