Berguerand lässt Steiner in Oberhallau keine Chance

Eric Berguerand hat mit dem Tagessieg in Oberhallau, dem fünften in diesem Jahr, einen großen Schritt in Richtung Meistertitel gemacht. Schon beim nächsten, dem vorletzten Rennen am Gurnigel könnte sich Berguerand die Berg-Krone sichern. Bei noch maximal 54 zu vergebenen Punkten braucht der Mann aus Charrat noch 26 Zähler. Gelingt ihm am Gurnigel ein weiterer Tagessieg in Rekordzeit würde er dafür 27 Punkte einheimsen. Damit könnte ihn Steiner, dem sein Streichresultat noch bevorsteht, beim Finale in Les Paccots (14./15. September) auch theoretisch nicht mehr einholen.

Für Steiner, der in Oberhallau schon neun Mal zum Tagessieg gefahren ist, ist die Sache abgehakt. Die Meisterschaft sei gelaufen, meint er. «Eric müsste in den letzten Rennen technische Probleme haben. Aber danach schaut es nicht aus.» Mangelnden Einsatz kann man Steiner nicht vorwerfen. Der Berner war mit seinem LobArt LA01 erneut schneller als im Vorjahr. Doch gegen Berguerand in Hochform reicht das in dieser Saison nicht. Der Fahrer des Lola FA99 (Foto 1) war auch im Klettgau in jedem Lauf schneller als Steiner. Schon im ersten Durchgang stellte er in 1:18,00 min eine neue Rekordzeit auf. In der Addition der beiden schnellsten Fahrten war er 1,31 Sekunden schneller als Steiner. «Im Vorjahr habe ich auf dieser Strecke noch frühzeitig aufladen müssen», erinnert sich Berguerand. «In diesem Jahr läuft alles nach Plan.» Das Wort «Entscheidung» kommt Eric aber noch nicht über die Lippen. «Im Motorsport kann sich alles sehr schnell ändern. Aber es sieht im Moment sehr gut für mich aus.» Hinter den beiden Titelaspiranten tobte erneut ein Kampf um Platz 3. Diesen sicherte sich Robin Faustini. Der Aargauer setzte sich im Reynard F3000 gegen seinen Vater Simon Hugentobler im Osella PA30 (Foto 2) durch. «Es war knapp, aber ich hatte am Ende die Nase vorn», grinst Faustini, der Platz 3 in der Meisterschaft gegenüber Thomas Amweg, der in Oberhallau aus privaten Gründen fehlte, festigte.

Die Top 5 komplettierte Ronnie Bratschi auf Mitsubishi Evo VIII. Der Urner war erneut der schnellste Tourenwagenpilot. Und auch er ließ sich in 1:14,56 min eine neue Rekordzeit notieren. «Ich wollte unbedingt meinen alten Rekord auslöschen», sagt Bratschi. «Das ist mir schon im ersten Lauf gelungen. Aber der zweite Durchgang war noch besser.» Hinter Bratschi reihte sich Markenkollege Roger Schnellmann ein. Sein Rückstand: 1,89 Sekunden. Drittschnellster Tourenwagenfahrer war der Deutsche Holger Hovemann in seinem Opel Kadett aus dem KW Berg-Cup. Drittschnellster Schweizer Tourenwagenpilot war erstmals Hermann Bollhalder in seinem Opel Speedster in Red-Bull-Farben (Foto 3).

Der Sieg bei den Zweiliter-Formelrennwagen ging an Christian Balmer auf seinem Formel Masters. Der Widerswiler war dabei in allen drei Läufen schneller als Slalom-König Philip Egli, der erstmals seit 2013 wieder am Start in Oberhallau gestanden war. Platz 3 sicherte sich Marcel Maurer. Auch für ihn war das Rennen eine Art Comeback. Seit seinem Motorschaden in Hemberg musste der 30-Jährige aus Längenbühl zuschauen. Bester 2-Liter-Sportwagenfahrer war Michel Zemp als Gesamtsechster.

Zurück zu den Tourenwagen: Auch dort ist im Kampf um den Titel eine Vorentscheidung gefallen. Mit seinem fünften Klassensieg (dem vierten in Rekordzeit!) liegt Andy Feigenwinter zwei Rennen vor Saisonende 18 Punkte vor Schnellmann und 32 vor Bratschi. Letzterer hat die Meisterschaft nach zwei Nullern in Hemberg und Anzère bereits abgeschrieben. «Mir geht es nur noch um die Rekorde.» Unter dem Jubel der zahlreich erschienen Zuschauer bot auch Bruno Ianniello (Foto 4) eine starke Leistung. Als Sieger der Klasse E1 bis 3500 cm3 distanzierte er Simon Wüthrich, der in einem baugleichen, von Ianiello geliehenen Lancia Delta S4 den zweiten Klassenrang belegte. Zu den weiteren Gewinnern an diesem Wochenende zählen Philipp Krebs (Renault Classic Cup), Rico Thomann (Sieger bei den Junioren) und Martin Bürki, der mit einer Fabelzeit im dritten Durchgang nicht nur die Klasse E1 bis 1600 cm3 dominierte, sondern sich auch im Berg-Pokal die volle Punktzahl sicherte.

Mehr über das Bergrennen in Oberhallau erfahren Sie unter www.bergrennen-oberhallau.ch

von Christian Eichenberger / ASS – Fotos: Andreas Eckert

Über Thomas Bubel 400 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.