Rekord-Festival im Jura – Faggioli mit Mega-Bestmarke

Bei der 76. Ausgabe des Bergrennens St.Ursanne – Les Rangiers in der Schweiz, purzelten die Rekorde gleich reihenweise. Nicht nur dank Gesamtsieger Simone Faggioli aus Italien. Trotz einigen Unterbrechungen war die 76. Ausgabe des Berg-Klassikers St.Ursanne – Les Rangiers ein voller Erfolg. Vor allem was die Zeiten betrifft. Dass der Streckenrekord wackeln würde, weil die Piste für das diesjährige Rennen auch im oberen Bereich frisch asphaltiert wurde, war anzunehmen. Dass der neue Rekord aber gleich 2,3 Sekunden unter der alten Bestmarke liegt, zeigt die enorme Entwicklung im Bergrennsport.

Verantwortlich für die neue Bestzeit ist Simone Faggioli. Der Italiener hat in seinem Norma M20 FC beim zur Europameisterschaft zählenden Lauf im Jura nichts anbrennen lassen und feierte seinen achten Erfolg in Serie, den neunten insgesamt. Faggioli setzte seine Bestmarke am Morgen, als die Temperaturen noch niedriger waren. Sein Widersacher und Landsmann Christian Merli konnte die 1:39,306 min erst am späten Nachmittag kontern, blieb aber mit 1:39,539 min knapp über der Bestzeit und lag am Ende als Zweiter zwei Sekunden hinter Faggioli. Ein Blick auf die Durchschnittsgeschwindigkeit (187,78 km/h) verdeutlicht, wie rasant die beiden EM-Starter unterwegs waren.

Platz 3 und damit der Sieg in der Schweizer Meisterschaft ging an Marcel Steiner. Auch er absolvierte die 5,18 km lange Strecke in einer neuen Schweizer Rekordzeit. «Das Ziel war eine 45er-Zeit», sagt Steiner. «Mit 1:44,561 min bin ich natürlich sehr zufrieden. Überhaupt war es ein sehr gutes Wochenende. Das Auto lag perfekt. Und bis auf ein paar Motorenaussetzer im ersten Lauf gab es keine Probleme.» Steiner hat mit dem Sieg in Les Rangiers bis auf einen Zähler auf Leader Eric Berguerand, der seit seinem schweren Unfall 2007 nicht mehr im Jura fährt, aufgeschlossen. Trotzdem liegen die Vorteile weiter beim Walliser. Der hat – im Gegensatz zu Steiner – durch den Startverzicht in Les Rangiers sein Streichergebnis bereits eingezogen. Außerdem hat Steiner in Les Rangiers trotz eines neuen Schweizer Rekordes keine Zusatzpunkte bekommen. «Die gibt es nur, wenn du den absoluten Streckenrekord fährst», weiß der Berner LobArt-Pilot.

Bester Schweizer Formelfahrer war wie in Anzère Robin Faustini. Der junge Aargauer sicherte sich den siebten Gesamtrang und 20 wertvolle Punkte in der CH-Meisterschaft auf dem von Vater Simon Hugentobler geliehenen Reynard 97D (Foto oben). Hugentobler selbst wurde in einem Osella PA30 Cosworth (ex-Cyrille Frantz) mit etwas mehr als 4,5 Sekunden Rückstand auf seinen Sohn Zehnter im Scratch und Dritter in der Abrechnung der besten Schweizer – 1,4 Sekunden vor Joël Volluz, der seinen Osella nach dem Unfall in Osnabrück zwar wieder instandsetzen konnte, jedoch mit Getriebeproblemen zu kämpfen hatte. Eine starke Leistung bot auch Michael Zemp im Zweiliter-Sportwagen als 16. im Gesamtklassement. Der Langnauer musste sich in der Addition beider Läufe nur dem Tschechen Petr Trnka geschlagen geben.

Bei den Tourenwagen fiel die Vorentscheidung um den Tagessieg schon im ersten Lauf. Ronnie Bratschis 1:56,865 min waren genauso von einem anderen Stern wie Faggiolis Bestmarke im ersten Durchgang. Im zweiten Lauf vermochte sich der Urner nicht mehr zu steigern, dennoch war er auch dort der schnellste «Hüsli-Fahrer». «Ich habe ein elektrisches Gaspedal an meinem Evo VIII – mit einer Feder als Widerstand. Diese Feder ist gebrochen. Deshalb war das Fahren etwas ungewohnt. Trotzdem bin ich mit meiner Leistung zufrieden.» Hinter Bratschi ging Rang 2 an Mitsubishi-Markenkollege Roger Schnellmann. Drittschnellster Tourenwagenpilot war Frédéric Neff, der auf seiner Hausstrecke gleich zwei Mal den IS-Rekord auf 2:06,614 min verbesserte. Vierter und damit bester E1-Pilot war René Köchli in seinem Honda-Civic Eigenbau. Ebenfalls einen neuen Rekord stanzte Andy Feigenwinter in seinem Lotus Exige 430 Cup (Foto unten) in den jurassischen Asphalt. Der Baselbieter führt die Tourenwagen-Klasse nach fünf von acht Bewerben mit 106 Zählern vor Schnellmann (95) und Bratschi (74) an.

Im Renault Classic Cup ging der Sieg an Thomas Zürcher. Der Formel-Pilot, der seinen Tatuus in Anzère nachhaltig beschädigte, hatte sich für Les Rangiers einen Clio III von Meister Dennis Wolf geliehen. Souveräner Klassensieger und neuer Leader im Berg-Pokal ist nach Les Rangiers Martin Bürki. Der Uetendorfer sammelte für die Pokal-Wertung in der E1-Klasse volle Punktzahl, während Widersacher Stephan Burri (IS) einen Klassengegner zu wenig hatte.

Mehr über das Bergrennen St-Ursanne – Les Rangiers erfahren Sie im Netz unter www.rangiers.ch

von Christian Eichenberger / ASS

Über Thomas Bubel 390 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.