Protest von Osnabrück vorerst ohne Klärung

Mit einem Eklat ging das 52. Int. Osnabrücker ADAC Bergrennen nach der letzten Zieldurfahrt am vergangenen ersten August-Sonntag, in die Verlängerung – Ausgang ungewiss. Zuvor hatte das Team des Schweizer Rennfahrers Marcel Steiner offiziell einen Protest gegen das Fahrzeug des Freiburger Deutsch-Slowenen Patrick Zajelsnik eingelegt. Gegenstand der Protestnote ist und war der Hubraum des V8-Mugen Motors im Heck von Zajelsniks Sportwagen vom Typ Norma M20 FC. Das internationale Reglement der Gruppe E2-SC sieht für besagte Klasse einen Effektivhubraum von maximal 3000 ccm, also 3 Liter vor. Auch aus Sicherheitsgründen ist bei dieser Motorengröße im internationalen Bergrennsport, das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die anwesenden technischen Kommissare, Observer der FiA und des DMSB und bis zu einem gewissen Punkt auch die Rennleitung, mussten am Abend des 4. August Überstunden einlegen. Nach schier nicht enden wollenden und sich im Kreis drehenden Diskussionen mit dem JAZ-Zajelsnik-Team, waren die Verantwortlichen gezwungen den in der Gesamtwertung zweitplatzierten Patrik Zajelsnik zu disqualifizieren. Eine Unannehmlichkeit die dem Breisgauer nun bereits zum zweiten Mal widerfahren ist. Im Jahr 2015 wurde ebenfalls nach einem Protest gegen Zajelsnik beim ADAC Ibergrennen von Heiligenstadt, dem Norma-Pilot im Nachhinein der Gesamtsieg ab- und eine Disqualifikation ausgesprochen. Grund damals ein zu hoher Oktanwert in der gezogenen Spritprobe.

Protestführer Marcel Steiner rückt somit in Osnabrück auf den zweiten Platz vor und ist damit neuer Sportwagensieger. Zuvor hatte Teamchef Heinz Steiner, früher selbst ein äußerst erfolgreicher Formel 2-Pilot am Berg, die Protestnote samt der nötigen Protestgebühr und der Mittel für die Öffnung von Zajelsniks Motors, eine fünfstellige Summe auf den Tisch gelegt. Doch das Geld blieb unangetastet und kam nicht zum Einsatz, da Patrik Zajelsnik seine Unterschrift verweigerte, die zur Kenntnisnahme der Anschuldigungen notwendig gewesen wäre. Via Facebook meldete sich Patrik Zajelsnik unter der Woche zu Wort. „Natürlich ist uns bewusst dass dieses Ergebnis einen gewissen Nachgeschmack mit sich zieht. Mein Team und ich waren uns sofort einig das Fahrzeug für die Kontrolle zur Verfügung zu stellen. Um den bitteren Vorwurf ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen“. Um auf die darauf folgenden Rennen nicht verzichten zu müssen, unter anderem auch in seinem Vaterland Slowenien, wo sich Patrik großer Popularität erfreut, machte das JAZ-Team Vorschläge, wie das verplomben oder versiegeln des umstrittenen Triebwerks und eine spätere Überprüfung bei einem namhaften Motorenbau. „Auch eine Demontage des Motors vor Ort wäre eine Lösung gewesen. Doch mein Fahrzeug hätte zur Untersuchung in eine für mich unbekannte Werkstatt transportiert werden sollen“, schreibt Zajelsnik weiter. „Außerdem wissen wir nicht ob eine korrekte Re-Montage des Motors und auch des gesamten Fahrzeugs stattgefunden hätte“.

Aus Sicht des Zajelsnik-Teams sicherlich ein Dilemma, doch mit der Abgabe der Nennung verpflichtet sich jeder Teilnehmer sein Sportgerät nach einem Protest uneingeschränkt zu Nachuntersuchungen zur Verfügung zu stellen. Das ist nun einmal Fakt. Schlussendlich mussten die Sport- und Technikkommissare das nicht Unterzeichen des Protests als Entzug des Rennwagens vor einer anberaumten Nachuntersuchen werten. Das anschließende mitnehmen des Fahrzeugs, auch unter Kenntnisnahme der DMSB und FIA-Offiziellen, spielte hierbei keine Rolle mehr. Der Fall wird sicherlich bei der FiA in Paris landen. Bleibt also abzuwarten wie es in diesem, für den Bergrennsport unerfreulichen Fall weitergeht. Voraussichtlich wird es Wochen oder gar Monate dauern, bis dieses Thema zu den Akten gelegt werden kann. Schlimmstenfalls drohen dem Freiburger Tankstellen-Unternehmer empfindliche Strafen oder gar eine Sperre auf Zeit. Eine endgültige Klärung oder Widerlegung der Vorwürfe, verbunden mit einem möglichen Unschuldsbeweiss des Angeschuldigten, ist somit ausgeschlossen. Zweifel in die eine und andere Richtung werden bleiben. Für Marcel Steiner hinterlässt das Ganze einen schalen Nachgeschmack. Auch wenn er die gesamte Protestgebühr zurückerhält und er nun Gesamtzweiter ist, kann er sich darüber nicht freuen. „Ob ich nun Zweiter oder Dritter bin, ist nicht so wichtig. Ich hätte das lieber auf der Strecke ausgefahren. Anscheinend darf niemand diesen Motor sehen. Ich hoffe, das war nicht nur einfach ein Warnschuss vor den Bug. Schauen wir mal, was daraus wird. Wir können bei nächster Gelegenheit gerne wieder protestieren“, kommentierte der Mann aus dem Berner Oberland bei den Schweizer Kollegen von Autosprint.ch.  Patrik Zajelsnik schließt dagegen sein Statement auf Facebook mit einem Dank. „Ich möchte mich noch mal bei meinen Konkurrenten aus meiner Klasse bedanken, die mir persönlich ihr Bedauern zu diesem Vorfall ausgedrückt haben. Ich bin mir sicher es wird eine Lösung und Klarheit geben, für alle Beteiligten“.

In den sozialen Netzwerken schlagen derweil die Wogen hoch. Zuspruch, aber auch Kritik wurde an die Adresse von Zajelsnik gerichtet. Ein User beklagte das Löschen seiner kritischen Posts. Nachzulesen sind aber auch teilweise erschreckende Kommentare, die den notwendigen Sachverstand und vor allem den Respekt gegenüber den Beteiligten vermissen lassen. Leider einer der Nachteile von Facebook und Co.

Über Thomas Bubel 364 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.