Interview mit Osnabrück-Sieger Christian Merli

Uli Kohl / Matthias Witte: Das Rennen ist nicht ganz wunschgemäß verlaufen, was waren die Schwierigkeiten im ersten Lauf, und wie habt ihr sie beheben können?
Christian Merli: Im ersten Lauf wollte ich keine neuen Reifen aufziehen, ich wollte sie mir für später aufsparen, und so habe ich es nicht übertrieben. Im Ziel sank aber der Öldruck auf Null, und ich habe mich erschrocken, weil ich an den Motor dachte. Wir haben dann über eine Stunde am Auto gearbeitet und es hatte sich ein Ventil verklemmt, das den Öldruck reguliert. Zum Glück war es letztlich nichts Gravierendes, und wir konnten es reparieren. Aber der Tag war lang und anstrengend. Ich muss mich auch bei Giuliano [Serafini, seinem Mechaniker], Cinzia [Nicolini, seiner Lebensgefährtin] und Massimo [Marocchi, Mitglied seines Teams] bedanken, die mich heute bei der Behebung aller Probleme unterstützt haben.

Uli Kohl / Matthias Witte: Wie stark konzentriert man sich dann auf den Lauf, auf das Fahren oder aber auf die Anzeigen im Cockpit, ob denn wirklich jetzt alles in Ordnung ist?
Christian Merli: Ein bisschen schaut man auf die Anzeigen, aber ich war sicher, dass alles in Ordnung war. Das Problem war, dass heute wirklich nichts reibungslos klappen wollte. Als ich im zweiten Lauf die neuen Reifen montiert habe, begann das Auto vorne sehr zu rutschen. Ich war überrascht, dass ich den Rekord geschafft hatte, denn in den letzten beiden Kurven bin ich wirklich stark weggerutscht. Im dritten Lauf wollte ich es dann wissen, aber leider gab es einen Unfall und wir mussten zum Start zurückkehren. Dann ist mir auch noch eine große Mücke direkt vors Visier geflogen. Aber es passt schon so. Wir stehen jetzt hier, es hat alles geklappt.

Uli Kohl / Matthias Witte: Zum Thema Streckenrekord: Wir nähern uns schrittweise der 50-Sekunden-Marke. Wann wird sie niedergerissen, und was braucht es dafür für Bedingungen, außer einem Christian Merli in Topform und einem exzellenten Auto?
Christian Merli: Ich glaube, heute hatte ich das Auto dafür. Viel weniger ging vielleicht nicht, aber ein paar Zehntel wären drin gewesen. Leider muss bei einem 2-km-Rennen alles zu 100% perfekt sein. Jeder kleine Ausrutscher, jedes Zehntel, das man verliert… die Uhr verzeiht nichts. Aber es tut mir leid, ich hätte es gern geschafft, nach und nach unter die 50 Sekunden zu kommen.

Uli Kohl / Matthias Witte: Was ist zu sagen zu Organisation, Rennen, Strecke, Stimmung bei den Zuschauern?
Christian Merli: Ich sage es immer wieder, wenn ich hierher komme: Es ist einfach toll hier, auch dank Bernd und seinem Team, eine fantastische Organisation. Ich hatte viel Spaß, und dass ich heute Mühe hatte, ist Teil unseres Sports. Aber wie jedes Jahr auch diesmal wirklich ein großes Kompliment, die Organisation ist top.

Uli Kohl / Matthias Witte: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass du 2020 wiederkommst?
Christian Merli: Wenn ich keine Terminkollisionen mit einer wichtigen Meisterschaft habe, von meiner Seite aus 100%.

Übersetzung: Ruth Scheithauer

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.