Berg DM und DMSB Cups in der Endphase – Klassen und Gruppenreport aus Osnabrück

Mit dem 52. Bergrennen von Osnabrück, das 15 km von der Innenstadt entfernt, vor den Toren der Friedensstadt in leicht hügeligen und schon sehr ländlich geprägten Borgloh zu finden ist, biegt die Deutsche Automobil Bergmeisterschaft so langsam auf die diesjährige Zielgerade ein. Anfang September in Eichenbühl und vier Wochen später beim Bergrennen Mickhausen, werden die deutschen Titelträger im Freistaat Bayern fest gemacht. Der KW Berg-Cup vergibt seine Punkte zusätzlich noch im Schweizerischen Oberhallau und in St. Agatha in Oberösterreich.

Das Bergrennen am Teutoburger Wald war am ersten August-Wochenende ein Austragungsort der Superlative und bot ganz großen Sport. Am Abend des Renntags sprach man aus den Reihen des MSC Osnabrück von einem neuen Zuschauerrekord. Erste Schätzungen belaufen sich auf über 30.000 Zuschauer über beide Tage. Und die Rennsportfans, die teilweise sogar als Dänemark und den Niederlanden anreisten, erlebten eine perfekte Organisation von Bernd Stegmann, Streckensicherungsleiter Holger Maes und Rennleiter Michael Schrey, samt ihren vielen Helferlein. Diese Veranstaltungen sucht aktuell international ihresgleichen. In diesem Jahr passte wirklich alles. Der sportliche Wert, die grandiose Atmosphäre lenkte man großartig und das Wetter spielte dazu in optimaler Weise mit. Für die Bergrennsportfans in der Ferne gab es das Spektakel in einem superpofessionellen Livestream sogar frei Haus und kostenlos!

In der Gesamtwertung gab es für die Deutschen beim einzigen FIA Hillclimb Cup-Lauf in der Bundesrepublik nicht viel zu holen. Die Übermacht der Meister aller Herren Länder war zu groß. Im Training war die Deutsche Speerspitze Alexander Hin, mit der achtschnellsten Zeit gut bei der Musik, doch am Renntag spielte die Elektronik des roten Osella PA30 verrückt und die Fehlersuche vor Ort blieb erfolglos. Auch Christian Triebstein hatte sich das Wochenende in der Borgloher Schweiz etwas anders vorgestellt. Noch gehandikapt von einer Operation an der Leiste rutschte der Nordhesse mit dem Dallara Opel gleich im ersten Training von der Strecke und war den ganzen restlichen Tag mit der Reparatur des Formel 3 beschäftigt. Ohne Trainingszeit drückten die Sportkommissare ein Auge zu und der aktuell weiterhin Führende im DMSB Berg-Cup für Rennsportfahrzuge, wurde zu den Rennläufen zugelassen. Am Ende gelang ihm lediglich Schadensbegrenzung mit Gesamtrang 17. Georg Lang (11. als bester Deutscher), Thomas Conrad (14.) und Neuling Patrick Rahn (15.) musste Triebstein diesmal ziehen lassen. Im DMSB Berg-Cup verpasste Alexander Hin durch sein Ausscheiden das Aufschließen zu Triebstein. Georg Lang im MSW F3 übernahm somit den zweiten Ranglistenplatz von Hin. Mit Luft nach oben wie unten hat sich als vierter Thomas Conrad in der Tabelle festgesetzt. Der Schwabe gewann die 2-Literklasse der Sportwagen nach E2-SC.

Bei den Tourenwagen verkaufte sich Holger Hovermann, im viel bestaunten Opel Kadett C GT/R V8, sehr gut. Mit Rang 3 in der Tourenwagen-Gesamtwertung war der Odenwälder sehr zufrieden. „Mit meiner Platzierung in diesem spektakulären und hochklassigen Feld, hinter den Landesmeistern Ronnie Bratschi und Nicolas Werver bin ich mehr als zufrieden. Riskiert habe ich nicht alles. Für mich zählt weitern jeder Rennkilometer im Auto“.

In der Deutschen Bergmeisterschaft (Punktvergabe in den Klassen) konnte Hans-Peter Eller im VW Minichberger-Scirocco seine führende Position, mit einem weiteren Sieg in der E1-1400 ccm festigen. Geht alles seinen gewohnten Gang, führt wohl an Hansi Eller kein Weg in der DM-Wertung vorbei. Nun auf Rang zwei in der Zwischentabelle rangiert Gruppe N-Pilot Rüdiger Zahn auf Citroen AX GTi (Foto unten). Der Rheinhesse gewann seine Klasse bis 1400 ccm und profitierte vom Missgeschick des Christian Triebstein. Weiterhin auf dem vierten Platz in der Tabelle behauptet sich der Saarländer Kai Neu (Ford Focus ST), der am Uphöfer Berg seine Niederlagen in der Gruppe F bis 2000 ccm vom Hauenstein gegen seinen Dauerrivalen Markus Goldbach wettmachen konnte.

Die Klassen des KW Berg-Cup dominierten einmal mehr die, die sonst auch immer den Sieg davontragen. Eine Ausnahme war in Osnabrück die E1-1600. In einem beinharten Duell konnte Stefan Faulhaber (Opel Kadett 16V) Erwin Buck im von Motorenbauer Spiess unterstützten VW Scirocco 16V niederringen und seinen direkten Gegner auch in der Tabelle des DMSB Berg-Cup für Tourenwagen überholen und auf Zwischenplatz zwei vordringen. Und auch in der 2-Liter Klasse der E1 blieb es spannende bis zum letzten Meter, da diesmal die zwei schnellsten Zeiten aus vier Rennläufen gewertet wurden. Zeitlich noch enger als bei den 1600ern verlief der Wettbewerb zwischen dem Luxemburger Canio Marchione (BMW 320 STW), als späterer Klassensieger und den Deutschen Ex-Meister André Wiebe im Renault Clio mit Laguna-BTCC-Technik. Punktemäßig reichte Patrick Orth im BMW 320 Gerent E30 (Foto Mitte) Rang drei in dieser Klasse um die Führung im DMSB Tourenwagen-Berg-Cup zu behaupten. Vor den beiden abschließenden Veranstaltungen hat sich Patrick Orth ein kleines Polster zusammengefahren, doch Spannung bis zum Schluss ist auf jeden Fall gegeben.

Über Thomas Bubel 385 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.