Berguerand lässt’s auch in Massongex krachen

Eric Berguerand bleibt in der Schweizer Bergmeisterschaft ungeschlagen. Auch bei seinem Heimspiel in Massongex war der Walliser eine Klasse für sich. Mangelnden Einsatz kann man Marcel Steiner, dem amtierenden Schweizer Bergmeister in der Kategorie Rennwagen, nicht vorwerfen. Der Berner unternimmt alles, um Herausforderer Eric Berguerand am Siegen zu hindern. Doch Steiner ist zurzeit machtlos gegen den Mann aus Charrat und seinen Lola FA99. «Ich habe alles versucht – leider erfolglos», sagt Steiner. «Grundsätzlich bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Aber es reicht im Augenblick einfach nicht, um Eric zu bezwingen.» Schon im Training hatte Berguerand mit einer Zeit von 1:47,4 min aufhorchen lassen. Doch das war noch nicht alles.

Am Renntag packte der fünfmalige Schweizer Meister den Hammer aus. In den ersten beiden Läufen stanzte Berguerand jeweils eine 1:45er-Zeit in den Asphalt. Weil bei Steiner die Uhr bei 1:47,7 respektive 1:47,6 min stehengeblieben war, war die Entscheidung schon vor dem dritten Durchgang zugunsten des Lokalmatadors gefallen. Doch Berguerand hatte noch nicht genug. Im letzten Heat verbesserte er seine bisherige Bestzeit um 1,5 Sekunden und liess sich mit 1:43,714 min den dritten Streckenrekord in diesem Jahr respektive den fünften in Folge notieren, wenn man die beiden Rennen am Gurnigel und in Les Paccots von 2018 dazunimmt. Berguerand, der auf seiner Rekordfahrt sieben Zehntelsekunden schneller war als Steiner 2012, liess sich im Ziel feiern, blieb aber mit seiner Analyse gewohnt sachlich. «Es läuft von Rennen zu Rennen immer besser. Die neuen Aeroteile, die ich im Winter ans Auto geschraubt habe, funktionieren. Und wie es scheint habe ich die technischen Probleme aus dem Vorjahr im Griff.» Berguerand gilt unter diesen Voraussetzungen auch für den weiteren Verlauf der Saison als haushoher Favorit. In Anzère beim nächsten Rennen (27./28. Juli) könnte ihm neben Steiner allerdings auch sein Walliser Kollege Joël Volluz gefährlich werden. Der greift mit seinem Osella FA30 auf seiner Heimstrecke erstmals ins Geschehen ein, fühlt sich nach international gefahrenen Bergrennen aber bestens vorbereitet.

Hinter Berguerand und Steiner sicherte sich Robin Faustini in Massongex den dritten Gesamtrang. Der 21-Jährige aus Suhr im Kanton Aargau fuhr bei seinem ersten Start auf der 3150 Meter langen Strecke eine persönliche Bestzeit von 1:52,666 min. Allerdings sparte sich der Fahrer des Reynard Formel Nippon neue Reifen für das nächste Rennen in Anzère auf. Nur 1,5 Sekunden hinter Faustini kam Christian Balmer auf seinem Tatuus FM als Vierter ins Ziel. Nicht am Start war Vorjahressieger Marcel Maurer. Der Berner musste nach seinem Motorschaden in Hemberg auf das Rennen im Wallis verzichten. Nach eigenen Aussagen wird er auch in Anzère fehlen.

Für eine weitere Fabelzeit sorgte Ronnie Bratschi. Der Urner brauchte für die 3150 Meter lange Strecke nur 1:54,9 min. Damit war Bratschi nicht nur eindeutig der schnellste Tourenwagenfahrer, er liess sogar Michael Zemp im Norma-Honda-Sportwagen hinter sich. Der Mitsubishi-Fahrer, der beim Auftakt in Hemberg noch wegen eines technischen Defekts einen Nuller schreiben musste, liegt nach drei Bewerben mit 47 Zählern nun auf dem dritten Zwischenrang bei den Tourenwagen. Es führt Andy Feigenwinter (54) vor Roger Schnellmann (50), die beide in Massongex abwesend waren. Hinter Bratschi belegte Thomas Kessler im zweiten Mitsubishi Evo VIII Platz 2 – knapp vor Gérard Nicolas (Ford Escort, Sieger der Klasse IS) und Bruno Ianniello (Lancia Delta S4).

Mit Platz 15 im Gesamtklassement hat auch Martin Bürki in Massongex ein Ausrufezeichen gesetzt. Der Uetendorfer, der in der Schweizer Slalom-Meisterschaft noch verlustpunktfrei dasteht, war in der Klasse E1 bis 1600 ccm klar der Schnellste. Bürki hätte unter normalen Umständen sogar den hubraumstärkeren Jonas Magnin (Honda Civic) geschlagen, doch kurz vor dem Ziel verabschiedete sich bei Bürki die Benzinpumpe, sodass er auf den dritten Lauf verzichten musste. Im Bergpokal liegt Bürki gemeinsam mit Stephan Burri, Philipp Krebs, Danny Krieg, Jürg Ochsner und Stefan Schöpfer in Führung.

Mehr über das Bergrennen in Massongex erfahren Sie im Netz: www.coursedecotedemassongex.ch

von Christian Eichenberger / ASS

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.