Vorschau Reitnau (CH): In der Kürze liegt die Würze

Nach dem fulminanten Start der Schweizer Bergsaison in Hemberg steht am Sonntag die zweite Runde in Reitnau auf dem Programm. Wieder heißt das Duell Berguerand gegen Steiner. Am Sonntag (30. Juni) geht die Schweizer Berg-Meisterschaft in die nächste Runde. Schauplatz des zweiten Aufeinandertreffens ist Reitnau im Kanton Aargau (70 km von Basel aus). Das bis 2005 als Bergslalom deklarierte Rennen wurde erstmals 1965 ausgetragen und findet unter Leitung des ACS Mitte statt – und zwar auf der kürzesten Strecke im Kalender. Die Fahrer haben pro Lauf nur 1605 Meter zurückzulegen. Doch diese haben es in sich. «In der Kürze liegt die Würze», sagt der amtierende Berg-Champion Marcel Steiner und nennt die Schlüsselstellen des Parcours: «Start- und Zielkurve sind sehr wichtig.

Aber auch in der Schikane kurz vor dem Ziel kann man entscheidende Zeit gewinnen oder verlieren.» Seit 2011 haben in Reitnau nur noch zwei Fahrer gewonnen: Eric Berguerand und Marcel Steiner. Und die Tagessieger der vergangenen Jahre sind auch bei der 54. Ausgabe die haushohen Favoriten. Beide haben beim Auftakt in Hemberg eindrucksvoll bewiesen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Weil die erste Runde an Berguerand in seinem Lola FA99 ging, ist Steiner für das Rennen in Reitnau natürlich besonders motiviert. Den Schaden, den er seinem LobArt LA01 Mugen in Hemberg zugeführt hat, ist längst wieder repariert. «Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die wir noch aussortieren müssen, bin ich bereit für die zweite Runde», sagt Vorjahressieger Steiner. Auch Berguerand freut sich auf ein nächstes Duell mit dem Oberdiessbacher, der in Reitnau mit 47,86 sec den Streckenrekord hält. «Es lief sehr gut in Hemberg», meint Berguerand. «Aber wir waren beide noch nicht am Limit. Es geht noch schneller.» Von der Charakteristik her sind sich die Strecken in Reitnau und Hemberg ähnlich. Wenn es trocken bleibt und die Temperaturen am Morgen nicht schon zu hoch sind, liegt ein neuer Streckenrekord im Bereich des Möglichen. «Es wird auf jeden Fall wieder sehr eng werden», meint Berguerand, der in Reitnau mit 6:5 Siegen gegen Steiner führt. Hinter Berguerand und Steiner wird es ebenfalls eng werden. In Hemberg setzte sich zuletzt Thomas Amweg auf seinem Lola B99 gegen den erst 21-jährigen Robin Faustini (Reynard K01) im inneraargauischen Duell durch. Amweg hat gute Erinnerungen an Reitnau. 2018 wurde er dort Gesamtdritter vor Christian Balmer. Der wird sich im Kampf um den Sieg bei den Formelautos bis 2000 ccm gleich gegen zehn Gegner durchsetzen müssen. Der schnellste von ihnen ist Marcel Maurer, zuletzt Klassenbester in Hemberg. Erstmals am Berg dabei ist Denis Wolf in seinem Formel Renault Caparo. Der Hünibacher hat bis jetzt sämtliche Slaloms absolviert.

Mit Spannung wird auch die Neuauflage Roger Schnellmann gegen Ronnie Bratschi erwartet. Das erste Duell der Mitsubishi-Bomber in Hemberg ging «kampflos» an Schnellmann. Bratschi musste nach einem Aufhängungsbruch im ersten Durchgang die Segel streichen. Mit Martin Bürki und Manuel Santonastaso sind in Reitnau auch die beiden Top-Piloten aus der Schweizer Slalom-Meisterschaft 2018 am Start. Der im Vorjahr Drittplatzierte Philip Egli, der in dieser Saison fünf von sechs Slaloms gewann, wird erst beim vierten Lauf in Ayent-Anzère dazu stoßen. Mit dem Bergrennen in Reitnau beginnt auch für die Junioren die Saison. Sieben Neulinge aus der Swiss Race Academy in Seelisberg messen sich auf identischen Toyota GT86. Die Meisterschaft wird in diesem Jahr zum dritten Mal ausgetragen. Die bisherigen Sieger Rolf Reding (2017) und Thomas Schmid (2018) haben die Latte für die neue Generation hochgelegt. Reding und Schmid gewannen jeweils alle vier Läufe. Auch in dieser Saison stehen nach Reitnau drei weitere Rennen auf dem Programm der Junioren: Anzère (28. Juli), Oberhallau (25. August) und Les Paccots (15. September).

Los geht es in Reitnau am Sonntagmorgen um 7 Uhr. 204 Fahrer, in fünf Rennfelder eingeteilt, werden je zwei Trainings- und zwei Rennläufe absolvieren. Dazwischen finden wie üblich in Reitnau diverse Showacts statt. Angekündigt hat sich u.a. der Italiener Loris Rosati, der in seiner Heimat dank seinen Kunststücken auf dem Dreirad Ape Proto 95 ein Star ist. Mehr über das Bergrennen in Reitnau erfahren Sie im Netz unter www.bergrennen-reitnau.ch

von Christian Eichenberger / ASS

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.