Vorschau Hemberg (CH): Steiner oder Berguerand – wer macht das Rennen?

Das Warten hat ein Ende. Am Wochenende startet die Schweizer Berg-Meisterschaft in die neue Saison. 167 Fahrer haben sich für den Auftakt in Hemberg eingeschrieben. 4:3 steht es in Hemberg zwischen Eric Berguerand und Marcel Steiner. Von den sieben in der Neuzeit ausgetragenen Bergrennen im St. Gallischen hat der Walliser vier gewonnen. Und auch bei der achten Ausgabe wird der Tagessieg mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit zwischen den beiden schnellsten Schweizer Bergrennfahrern der vergangenen neun Jahre ausgefochten. «Ich freue mich sehr auf den Auftakt», sagt Vorjahressieger Steiner, der sich mit einem Triumph im luxemburgischen Eschdorf auf die bevorstehende Saison vorbereitet hat. «Wo wir stehen, werden wir erst nach den ersten Trainingsläufen wissen. Wir sind in den vergangenen Jahren mit mehr Fahrpraxis gestartet, aber ich glaube, wir sind dennoch gut aufgestellt und haben unseren LobArt nochmals verbessert.»

Die spannendste Frage wird sein: Wie gut ist das Auto von Berguerand? Der Walliser hat seinen Lola FA99 mit weiteren Formel-1-Teilen von Force India aufgerüstet. Doch für einen Testeinsatz vor dem Auftakt hat es nicht gereicht. «In Hemberg wissen wir mehr», sagt Berguerand geheimnisvoll. «Ich hoffe, dass wir die technischen Probleme vom Vorjahr im Griff haben. Das Ziel ist ganz klar der Titel.» Die beiden Titelaspiranten werden in Hemberg (und auch eine Woche später in Reitnau) noch unter sich sein. Der dritte Titelkandidat, Joël Volluz, wird erst später in den Titelkampf eingreifen. Hinter den beiden Favoriten gibt es ein paar heisse Kandidaten, die am Hemberg für Topzeiten in Frage kommen. Einer davon ist Robin Faustini in seinem Reynard K01. Aber auch Christian Balmer (Tatuus FM), Marcel Maurer (Formel Renault 2.0), Thomas Zürcher (Tatuus F4) und Thomas Amweg (Lola B99) sind Fahrer, die für einen Exploit sorgen können. Gespannt darf man auch auf das Abschneiden von Michel Zemp sein, der mit seinem Norma M20 in derselben Klasse antritt wie Steiner.

Bei den Tourenwagen führt der Weg zur Schweizer Meisterschaft voraussichtlich über Ronnie Bratschi und sein Mitsubishi Evo VIII. Der Urner, bereits drei Mal FIA-E1-Cupsieger, hat am Wochenende im deutschen Wolsfeld überlegen gewonnen und ist daher bestens vorbereitet. Bratschi hält im Übrigen mit 57,83 sec den Tourenwagenrekord in Hemberg. «Man hat im Vorjahr gesehen, was möglich ist. Deshalb gehe ich guter Dinge in die neue Saison. Aber man soll den Tag nie vor dem Abend loben. Die Technik kann einem immer einen Streich spielen. Vor allem bei diesen Autos. Die sind sehr ausgereizt». Seine ärgsten Gegner im Kampf um den Titel werden vermutlich Roger Schnellmann (Foto oben) und Thomas Kessler sein, die wie Bratschi auf denselben Mitsubishi-Typ setzen. Ersterer hat aber bereits verkündet, dass er sicher nicht an allen Läufen zur Schweizer Meisterschaft teilnehmen wird. Für den Auftakt in Hemberg hält Schnellmann den Ball bewusst flach. «Wir werden so ziemlich auf den letzten Drücker fertig werden. Ausserdem lief der Test, den wir gemacht haben, nicht reibungslos. Meine Erwartungen fürs erste Rennen halten sich deshalb in Grenzen.»

Nicht am Start ist Vorjahresmeister Frédéric Neff. Der Bernjurassier, der die letzten zwei Jahre mit seinem Porsche 996 GT3 R den Tourenwagentitel gewann, wird in diesem Jahr nur in Ayent-Anzère und St. Ursanne-Les Rangiers starten. Weitere Einsätze bestreitet Neff im benachbarten Frankreich. Mit 1,758 km zählt die Strecke in Hemberg zu den Kürzeren im Kalender. Nur Reitnau ist mit 1605 Metern noch kürzer. 157 Meter Höhendifferenz müssen die Fahrer im St. Gallischen überwinden. Die durchschnittliche Steigung beträgt 8,94 Prozent.

Los geht es ab Samstagmorgen 7.30 Uhr (bis ca. 17.30 Uhr) mit den Trainingsläufen. Der erste Rennlauf findet dann am Sonntagmorgen um kurz nach 9.30 Uhr statt. Jede Klasse wird drei Läufe austragen. Die beiden schnellsten Zeiten werden addiert. Der aktuelle Streckenrekord wurde im Vorjahr von Marcel Steiner aufgestellt – in 53,76 sec. Weil einige Passagen neu asphaltiert wurden und so Unebenheiten eliminiert werden konnten, ist es sehr gut möglich, dass eine neue Bestmarke aufgestellt wird.

Mehr über den Saisonauftakt in Hemberg erfahren Sie im Netz unter www.bergrennen-hemberg.ch

von Christian Eichenberger / ASS

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.