Bratschi räumt auf der geilen Meile von Wolsfeld ab

Das Wetter hat diesmal gehalten, nicht wie schon so manches Mal beim Wolsfelder ADAC Bergrennen, als Petrus die Sieger in der Regenlotterie auswürfelte. Knapp war´s aber dennoch, denn pünktlich zum Ende der Gesamtsiegerehrung im Startbereich, fing es zu regnen an. Doch dies konnte auf eine makellose Rennveranstaltung, organisiert vom Eifel-Motor-Sport-Club Bitburg, keinen Schatten werfen. Ein Rekordstarterfeld wirbelte durch den slalomähnlichen Parcours hinauf auf den Wolsfelderberg und zeigte einmal mehr, das Alleinstellungsmerkmal dieser Bergrennpiste auf, wo weniger am Ende oft mehr ist. Gemeint sind weniger PS und Verbissenheit dafür aber mehr Drehmoment und Bodenfreiheit.

Es musste also an vielen Rädchen gedreht werden um sich selbst und sein Rennfahrzeug optimal auf die besonderen Belastungen diese „Achterbahn“ einzustellen. Dies bewerkstelligte am langen Pfingstwochenende am besten der Schweizer Gaststarter Ronnie Bratschi (Foto oben) mit seinem schon extremen Mitsubishi Lancer Evo 8 EGMO. Bereits in den Trainingsläufen drehte der Urner an der PS-Schraube, aber nicht hoch sondern runter. Mit „nur“ 600 PS konnte sich der zweifache FiA Hillclimb Cup-Gewinner gut einschießen, um am Renntag noch ein paar Schippen drauf zu legen. Doch das Höchstmaß von rund 750 PS ließ er unangetastet, dafür nutzte Bratschi mehr das Drehmoment des EGMO-Triebwerks (ehemals Eggenberger). Somit war er nicht zu schlagen – als Tagessieger wohlgemerkt, vor sämtlichen Sport- und Rennwagen. Für ihn der erste Gesamtsieg unter regulären Bedingungen, nachdem er 2016 in Verzegnis (I) als Führender der Tourenwagenwertung vom Abbruch infolge eines Unwetters profitiert hatte. „Die Strecke in Wolsfeld ist ähnlich wie jene bei uns in Massongex, also sehr wellig und schmal“, sagte Bratschi. „Als ich nach dem ersten Rennlauf nur knapp vorne lag, habe ich die vier Rennen alten Reifen gegen neue ausgetauscht. So klappte es dann auch mit einem neuen Tourenwagenrekord in 1.01,550 Minuten“. Somit bleibt der Rekord in Schweizer Hand, den Bruno Ianniello im Jahr 2011 aufstellte und jetzt um rund 1/10 Sekunde gedrückt wurde. „Raketen Bruno“, der hier mit seinem Lancia Delta S4 in seinen besten Jahren ebenfalls schon den Tagessieg errungen hatte, kam mit 16,7 Sekunden Rückstand zu Gesamtrang 17.

In der Addition der drei Zeiten (3’06,058) auf der nur 1,64 Kilometer kurzen Strecke verwies der Schweizer den schnellsten Deutschen Christian Triebstein in einem Dallara F302 Opel F3 (Foto Mitte) um 2,7 und den Franzosen Anthony Loeuilleux in einem Tatuus-Honda FM um 4,1 Sekunden auf die verbleibenden Podiumsränge. Triebstein gewann somit auch die heißumkämpfte Rennwagenklasse bis 2 Liter und widmete seinen Erfolg seiner Großmutter, die am gleichen Tag wie Formel 1-Legende Niki Lauda verstarb. Nach seinem Tagessieg in Homburg 2018 fuhr Anthony Loeuilleux zu seinem zweitbesten Resultat bei einem Deutschen Bergrennen und beteuerte in 2020 am Wolsfelder Berg sicherlich schneller fahren zu können. Vom Pech verfolgt war unterdessen Alexander Hin im 2-Liter Werks-PRC FPR12 Honda. Der Schwarzwälder war prächtig aufgelegt und kämpfte mit um einen Platz auf dem Treppchen. Bei einer Nachuntersuchung war ein Teil der aerodynamischen Anbauten am Sportwagen minimal über dem Limit und das Fahrzeug wurde von den Kommissaren aus der Wertung genommen. Rang vier ging an Georg Lang (MSW HS F3), der sich mit „Wolsfeld-Neuling“ Anthony Loeuilleux bekriegte. Noch nicht wieder ganz in seinem Leistungsbereich stieg Thomas Conrad im weiter modifizierten Eigenbau CRS-Honda in die laufende Saison ein. Ein verpatzter Start in den zweiten Lauf besiegelte dann Gesamtrang 5, aber auch den Sieg bei den kleinen Sportwagen bis 2000 ccm.

Für Mordsspektakel sorgte in der Tourenwagen-Wertung das Rennslalomass Mario Fuchs im Mitsubishi Lancer Evo 9 (Foto unten), als bester Deutscher Tourenwagen-Pilot hinter Bratschi. Fahrzeug und Pilot würden der Deutschen Bergszene absolut gut tun, aber der Grafschafter wird wohl aus Zeitgründen seiner Sportart treu bleiben. Ein weiterer Bericht aus Wolsfeld folgt!

Über Thomas Bubel 333 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.