Merli gewinnt auch in Portugal – Petit mit Highspeed-Crash

Nach den Bergrennen Col St. Pierre (Frankreich) und Rechberg (Österreich) gewinnt Christian Merli auch den dritten Lauf der diesjährigen Berg-Europameisterschaft in Portugal. Beim 40. Internationalen Rampa da Falperra vor den Toren der Stadt Braga, nordöstlich von Porto, bricht der Osella-Werksfahrer auch zum dritten Mal in dieser Saison den Streckenrekord. Bereits die Bestmarke aus dem Vorjahr war vom Fahrer der Scuderia Vimotorsport auf den 5.200 Meter langen Highspeed-Strecke in 1:47,890 min aufgestellt worden. Diesmal war Merli noch einmal  nahezu eine Sekunde schneller in 1:46,944 min. An manchen Stellen der Strecke erreichte Merli, wie auch ein Großteil der Topfahrer eine Spitzengeschwindigkeit von über 250 km/h. Seinem ärgsten Widersacher und Landsmann Simon Faggioli im Norma M20 FC fehlten am Ende, das unerwartet kommen sollte,  wieder einmal 3,3 Sekunden. Ein Ausrufezeichen setzte der Vorarlberger Christoph Lampert, auf der für ihn gänzlich unbekannten Strecke. Ohne echten Druck von Sebastien Petit oder Guy Demuth zu verspüren, dafür aber erneut mit Unterstützung des Blue City-Teams von Christian Merli, gelang Lampert ein unglaublicher dritter Gesamtrang.

„Sehr gut. Wir freuen uns über unser Ergebnis und auch über Rang 3 von Lampert“, kommentierte Merli. „Versuchen wir so weiterzumachen. Wir haben eine Reihe kleiner Änderungen und Aktualisierungen an meinem Osella FA 30 vorgenommen, mit denen wir Rekorde und Siege fahren konnten. Gleich Morgen nehmen wir die Arbeit an den beiden Sportarten wieder auf und ziehen dann nördlich von Oviedo nach Spanien, um an der 4. Runde der Berg EM, der Subida al Fito „, teilzunehmen“.

Wie schon in Eschdorf war der Franzose Sebastien Petit im Norma M20 FC nicht in Bestform, was mit dem im letzten Lauf passierten Unfall, aber nichts zu tun hatte. Auf einer der Hochgeschwindigkeitspassagen geriet Petits Norma im dritten Lauf plötzlich außer Kontrolle und krachte beidseitig mehrfach in die Leitplanken, die in Portugal nur einfach ausgebaut sind. Wie durch ein Wunder stieg der Französische Meister völlig unverletzt aus dem Wrack aus. Mehrfach war anschließend die Rede von einem Bruch des Heckflügels, was die unheilvolle Situation auslöste. Die darauf folgenden Piloten verzichteten danach auf eine Startwiederholung, wohl auch wegen den zahlreichen Schäden an den Leitplanken. Einen Durchgang zuvor war nicht nur Lampert schneller gewesen als Petit, sondern auch der Luxemburger Guy Demuth im Norma Zytek V8. Petit wurde dennoch als vierter der Gesamtwertung geführt, hauchdünn vor Guy Demuth. Nach diesem Horror-Unfall, bei dem Petit nur noch Passagier war, möchte er so schnell wie möglich wieder hinters Steuer um am kommenden Wochenende beim spanischen Berg-EM Lauf in Fito dabei sein zu können. Befinden sich Mechaniker des Teams Petit Autosport bereits auf dem Weg nach Lyon, um den Norma Honda 2-Liter Sportwagen des Teams zu holen.

Auf Einladung eines lokalen Sponsors nahm, wie schon in 2018, der Schweizer Reto Meisel die strapaziöse Reise in den Norden Portugals auf sich. Der Mercedes SLK 340 Judd V8 bekam erneut, eigens für das Wochenende ein neues Design verpasst. Im Gegensatz zum Vorjahr lief der Bolide zum Schluss doch noch wie das bekannte Schweizer Uhrwerk und Reto gewann nicht nur die Gruppe E2-SH sondern belegte als schnellster Pilot „mit Dach“ den 11. Rang in der Tageswertung, deutlich vor dem Tschechen Vladimir Vitver (Audi TTR-DTM) und dem Spanier Jose Fombona Alonso im Lamborghini Huracan Supertrofeo. „Bei herrlichen Sonnenschein und einem abartigen Zuschaueraufmarsch stand der SLK 340 zum ersten Rennlauf bereit“, schreibt Reto auf seiner Facebook-Seite. „Wir wollten den Motor starten und was geschah nichts. Einmal mehr Probleme mit dem Starter. Viele werden jetzt denken ob wir denn nach all diesen Probleme nicht fähig sind eine simple Sache wie einen Anlasser in den Griff zu kriegen. und ich muss sagen ich verstehe jeden der schmunzelt. Aber es sind namhafte Ingenieure mit dem Thema seid langem beschäftigt und ebenfalls Ratlos. Doch die finale sehr komplexe Lösung des Problems ist nun in Sicht. Lange Rede kurzer Sinn. Nuno und ich wechselten in Rekordzeit Kranz und Anlasser und standen gerade mal rund 2 Minuten vor dem zweiten Rennlauf in den Startlöchern.Uns spielte auch noch in die Karten, dass nur die zwei schnellsten der drei Rennläufe gewertet wurden. Was dann geschah war ein Traum. Zwei mal neuer Streckenrekord und Tourenwagen Gesamtsieg“.

Über Thomas Bubel 346 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.