Vierter Eschdorf-Sieg für Familie Steiner

„2:2, da muss ich ja nächstes Jahr wieder antreten!“. Dem 70-jährigen Heinz Steiner war am Sonntag nach einem langen, intensiven Renntag, der in aller Frühe mit einem Trainingslauf begonnen und drei Rennläufen bei bitterer Kälte, jedoch im Gegensatz zum wegen der Staatstrauer auf einen erst ab 18.00 Uhr erlaubten und dann wegen anhaltender Schneeschauer, der den 1,850 km langen Kurs in eine Rutschbahn verwandelt hatte, vorzeitig abgebrochenen Trainingslauf reduzierten Samstag ohne Niederschläge weitergegangen war, zum Spaßen aufgelegt. Sein Sohn Marcel hatte soeben, zum zweiten Mal nach 2013, den Schlusssieg auf jener Strecke erobert, auf der der Herr Papa 1995 und 1996 geglänzt hatte, als er noch im Martini-BMW Mk69 Formel 2 aktiv gewesen war. „Künftig werden wir immer erst am Freitagabend nach Eschdorf anreisen…“, fügte der vierfache Schweizer Bergmeister hinzu, „so wie wir es bereits bei meinem ersten Sieg hier vor 6 Jahren gemacht hatten!“ Ab dem ersten Rennlauf konnte der 44-jährige Garagist sich im LobArt-Mugen Honda V8 an die Spitze setzen, legte erst eine Zeit von 51,020 s. vor, dann 50,039, um schließlich als einziger Fahrer an diesem eiskalten Tag die 50er-Schallmauer zu durchbrechen in 49,833 sec., ohne jemals von jenem Fahrer bedrängt zu werden, der im Vorjahr an gleicher Stelle dominiert hatte.

Der französische Doppelmeister Sébastien Petit blieb effektiv im Norma-Mugen V8 am Ende vier Zehntel über der schnellsten Zeit seines eidgenössischen Rivalen…und genau zwei Sekunden über seinem eigenen Streckenrekord aus dem Vorjahr. Überraschender 3. Platz derweil für den Luxemburger Guy Demuth, der seinen Norma-Judd im zweiten Lauf am Osella-Judd FA 30 des Schweizers Joël Volluz vorbeischieben konnte, der es im Anschluss nicht mehr schaffen sollte, den Podestplatz zurückzuerobern. Dahinter folgen die beiden 2 Liter-Sieger Anthony Loeuilleux (Tatuus-Honda Master bei den Formelwagen) und Kevin Durot (Norma-Honda) bei den Sportwagen, die beide nur durch 52 Tausendstel getrennt waren. Nur 9 Hundertstel hinter Durot läuft der Luxemburger Bergmeister 2014 Tommy Rollinger im Osella-Zytek FA 30 als Siebter ein, während dahinter der beste U25-Junior Robin Faustini (CH, Reynard-Mugen Nippon) zwei Zehntel Vorsprung auf den nun siebenfachen Eschdorf-F3-Sieger Ludovic Cholley ins Ziel rettet, eine F3-Klasse wo Samy Guth und sein Dallara-VW nur knapp mit 3 Zehntelsekunden Vorsprung einen Durchmarsch der Dallara-Mercedes der Cholley-Familie verhindert, wobei Vater Patrick nur 12 winzige Tausendstel schneller als sein jüngster Sohn Arnaud die Ziellinie kreuzt.

Bei den „Autos mit Dach“ war der Kampf um den Gesamtsieg derweil spannender als bei den Rennsportfahrzeugen. Nachdem der Schweizer Vize-Bergmeister Ronnie Bratschi und sein hochgezüchteter Mitsubishi Lancer EGMO im ersten Lauf einen halbsekündigen Vorsprung herausfuhr, pirschte sich der siebenfache französische Bergmeister Nicolas Werver anschließend bis auf ein Hundertstel heran, bevor der letzte Rennlauf die definitive Entscheidung bringen musste. Hier legte zuerst der Elsässer im Porsche GT2 die Messlatte neu, indem er sich um eine Sekunde verbesserte, doch der Schweizer kontert mit dem finalen Dolchstoß. Guter 3. Platz für den zweifachen Schweizer Meister Fréderic Neff im Porsche 996 GT3-R, während die Plätze 4 bis 8 nur durch ganze 169 Tausendstel (!) getrennt sind, wobei CM-Sieger Ralf Kroll im Silver Car-Suzuki den Franzosen Philippe Schmitter im Renault RS.01 um 22 Tausendstel, dieser wiederum Loïc Hebinger (Speedcar-Suzuki GTR) um 48 Tausendstel zurückweist, gefolgt vom nur 3 (!) Tausendstel langsameren dreifachen Luxemburger Bergmeister Canio Marchione, im BMW 320 STW Sieger der imposanten 2 Liter-Spezialtourenwagen-Klasse (E1) mit 34 Startern, dem der Belgier Adrien Marchal im Silver Car-Suzuki mit nur 96/1000 Rückstand auf den Fersen ist. Auch dahinter geht’s eng zu mit nur 0,031 Sekunden zwischen dem 9. Holger Hovemann (D) im Opel Kadett V8 und Thomas Kessler (CH) im Mitsubishi Lancer, oder noch 13/1000 zwischen den beiden Erstplatzierten der 3 Liter-Klasse der Gruppe E1 Günter Göser (Opel Kadett) und Marcel Gapp (BMW M3 e36).

Kurzum, Spannung war aufgrund der extremen Leistungsdichte garantiert, dies trotz des Fernbleibens wegen der Witterungsverhältnisse, des wegen der Staatstrauer reduzierten Rennprogramms, technischer Defekte am vorausgegangenen Rennwochenende sowie bei dem einen oder anderen wohl auch aus Mangel an Respekt vor Veranstalter und Publikum von rund 40 angemeldeten Fahrern, darunter vor allem Eric Berguerand (CH), Cyrille Frantz (F), den Gebrüdern Zajelsnik (SLO) und dem Österreicher Herbert Stolz. Allerdings erlaubte das so auf immerhin noch 150 Fahrzeuge geschrumpfte Feld es der Rennleitung zur Freude des Publikums, ihr hochgestecktes Ziel zu verwirklichen, am Sonntag einen Trainings- und drei Rennläufe durchzuziehen, ein wahrer Husarenakt, den die Mehrzahl der anwesenden Fahrer denn auch lobend zu würdigen wussten.

von Patrick Weber

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.