Hill Race Eschdorf aus deutscher Sicht

Das mit internationalen Spitzenfahrern wieder einmal bestens gespickte European Hill Race Eschdorf in den Luxemburger Ardennen, zeigte wie schon mit dem FiA Hillclimb Masters in Italien im letzten Oktober, dass der Deutsche Bergrennsport im europäischen Vergleich nur eine untergeordnete Rolle spielt und mit der absoluten Spitze bei den Rennsportfahrzeugen, wie auch den Tourenwagen nicht mithalten kann. Zudem sagten weitere Top-Piloten ihre Teilnahme in Eschdorf kurzfristig ab, somit schaffte es Christian Triebstein als bester Deutscher am Ende unter die Top-Ten der Gesamtwertung. Über die Stagnation der letzten Jahre im Deutschen Bergrennsport und Faktoren wie Reglement, Lizenzen, Katalysator oder Nachwuchsförderung, die sich mehr und mehr negativ bemerkbar machen, konnte dies jedoch nicht hinwegtäuschen.

Als vom Veranstalter Union des Pilotes im Vorfeld bekannt gegeben werden musste, dass wegen der Staatstrauer im Großherzogtum das Training am Samstag erst nach 18 Uhr gestartet werden darf, war klar, dass man hier auf Zuschauereinnahmen wohl oder übel verzichten muss. Das vorhergesagte nass-kalte Schauerwetter mit Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, schreckte wohl weitere Teilnehmer ab, auf die der Veranstalter nicht zählen konnte. Das 190er Fahrerfeld schrumpfte so auf 141, was im nach hinein gesehen dazu beitrug, dass am trockenen aber kalten Sonntag, ein Trainingslauf und drei (!) komplette Rennläufe vom luxemburgisch-deutschen Rennleiter-Duo Alain Pier und Heiko Petzhold durchgezogen werden konnte. Ein Glück, das am Sonntag doch mehr Fans zur Strecke pilgerten, als die Verantwortlichen des Clubs befürchten. Dennoch müssen die UdP´ler jeden Euro zweimal umdrehen um für das nächste Rennen in 2020 gerüstet zu sein.

Bei extremen Bedingungen überschatteten einige Ausrutscher den stark verkürzten Trainingsabend am Samstag. Einer der Unglücklichen war der Alzeyer Gerd Kauff bei seinem Comeback im Team von Sascha Herz. Im Zielbereich kam der frühere Formel 3-Pilot mit dem Dallara Nissan World Series 3-Liter Rennwagen von der Strecke ab. Mit Rippenverletzungen musste Kauff dann die Nacht im Krankenhaus verbringen, ist aber zwischenzeitlich wieder wohlauf. Nichts desto trotz denkt der Messebau-Unternehmer schon wieder an die nächsten Bergrennen. Für den arg mittgenommenen Dallara-Rennwagen müssen jedoch erst einmal Ersatzteile organisiert werden und wahrscheinlich auch ein neues Moncoque. Motor und Heckpartie sind intakt. Trotz allem, kann sich das Resultat im Bereich der Formel-Rennwagen aus deutscher Sicht gut sehen lassen. In der Klasse E2-SS der Formel-Rennwagen bis 2000 ccm Hubraum mischten die DM-Piloten auch ohne Frank Debruyne gut mit. Der rezente Dallara F303 des Badeners wurde am Eschdorf-Wochenende vom neuen Besitzer, einem Iren abgeholt, sodass auch Debruyne auf die Reise nach Luxemburg verzichten musste. Der neue, modernere Formel 3-Rennwagen ist aktuell noch nicht einsatzfähig.

Für Spannung bis zuletzt sorgte der Wertungsmodus. Nur der jeweils Beste von drei Wertungsdurchgängen gab den Ausschlag für das Resultat. In besagter Formel-Klasse siegte zwar wie erwartet der letztjährige Homburg-Gesamtsieger, der Franzose Anthony Loeuilleux im Tatuus Master, doch Christian Triebstein (Dallara Opel F302) hielt den Anschluss. Bei den besten Bedingungen des Tages im letzten Lauf, musste sich Triebstein aber mit einem defekten Auspuff herumschlagen und auf eine Attacke verzichten. Gleichzeitig drehte sich Loeuilleux in der Zielkurve ohne anzuschlagen. Mit Rang drei, noch vor dem jungen Franzosen Kevin Petit (Bruder des Gesamtzweiten Sebastien Petit) in einem von insgesamt vier Tatuus Master Honda, konnte Georg Lang mit seinem MSW VW-Audi HS 001 sehr zufrieden sein und auch Matthieu Wolpert (Dallara F303) ließ auf Rang fünf noch neun internationale Konkurrenten hinter sich. Einen überaus soliden Einstand am Berg, im ex-Waldy Dallara F306 Spiess gab der Lipper Patrick Rahn auf Rang sieben. Den Etablierten könnte hier mittelfristig weitere Konkurrenz ins Haus stehen. Gleiches gilt für Andreas Voss, erstmals im Tatuus Master mit Lionel Regal Design auf Rang 9. Im angemieteten Formel Renault fuhr Robert Meiers auf die neunte Position. Mehr als Funktionstest betrachtet der Heiligenstädter Sascha Herz seine erste offizielle Ausfahrt mit dem neu aufgebauten Dallara F316 Opel-Spiess auf Rang 12.

Bei den Sportwagen der Gruppe E2-SC bis 2000 ccm Hubraum bescherte Alexander Hin der Marke PRC einen dritten Platz auf dem Podium. Mit dem formschönen FPR12-Honda musste sich der Schwarzwälder lediglich dem jungen Coup de France-Champion Kevin Durot und dem Belgier Pascal Perez (beide Norma M20 FC Honda) geschlagen geben. Dino Gebhard im Norma mit leistungsschwächerem CN-Triebwerk gelang Rang fünf. Den knappen Sieg bei den CM-Fahrzeugen sicherte sich sogar Ralf Kroll im Silver Car-Suzuki über den pfeilschnellen Franzosen Löic Hebinger im Speedcar Suzuki und dem jungen Adrian Marchal (Silver Car) aus Belgien. „Meine Vorderreifen haben erst ab der Mitte der Strecke den Gripp mehr aufgebaut, darum konnte ich im letzten Sektor Zeit gutmachen. Vom Gewicht war ich der schwerste, Löic hatte aber den schwächsten Motor von uns allen“, kommentierte Ralf Kroll.

Im Tourenwagenfeld konnte man die meisten Deutschen Vertreter ausmachen. Als sechster der Tourenwagen-Gesamtwertung kann Holger Hovemann mit seine Performance im Konzert der zahlreichen Berg-Monster als Erfolg werten. Das derzeit einzige Deutsche Bergmonster vom Typ Opel Kadett C GT/R V8, wurde von seinem Piloten in der Gruppe E1 über 3 Liter auf einem hervorragenden dritten Platz hinter den Überfliegern Ronnie Bratschi (F/Mitsubishi) und Porsche-Mann Nicolas Werver (F) eingeparkt. Unter Umständen wäre sogar mehr drin gewesen. “In jedem Lauf was anderes“, schimpfte Hovemann dennoch. „Im ersten Lauf waren es die falschen Reifen, ein Lauf später ist mir das Auto ausgebrochen und ich war kurz im Graben vor der langen Geraden und zum Schluss ist mir ein Halter der Motorhaube gebrochen“.

Schauen wir weiter in die Klassenwertungen. In der Gruppe N bis 1400 wird es in dieser Saison des Öfteren einen „Citroen AX GTi-Pokal“ geben. Rüdiger Zahn siegte knapp vor Boris Schmidt vom Homburger AC und seinem Neffen Daniel Zahn, der sein Debüt gab. In der Gruppe F 1400 schnappte sich Markus Fink auf den letzten Metern den Klassensieg vor Citroen-Markengefährten Gino Kruhs. In der F 2000 beendete Markus Goldbach (Renault Megane) die saisonübergreifende Siegesserie von Kai Neu, der die besten Bedingungen nicht nutzen konnte und im letzten Lauf am Abschleppseil die Ziellinie kreuzte. Der neu aufgebaute Ford Escort RS 2000 Kitcar braucht wohl noch etwas Feinjustage. Rang zwei vor Clubkamerad Martin Kraus (VW Polo G60) ging für Neu aber nicht verloren.

Im Rahmen des KW Berg-Cup hieß der weiteren Sieger bis 1150 ccm Walter Voigt im Weissdorn-Polo. Dominik Schlott musste am Sonntag passen. Wie in Schotten demonstrierte Franz Weissdorn auch in Eschdorf seine wieder erlangte Stärke in der Klasse E1 1400. Der Altmeister siegte im VW Polo 16V vor Hansi Eller (VW Scirocco 16V) im lediglich sechs Fahrzeuge umfassenden Klassenfeld. Bis 1600 ccm musste Erwin Buck im VW Scirooco, diesmal mit seinem 8V-Ersatzmotor bestückt, im Tagesverlauf seine Führungsposition an Stefan Faulhaber (Opel Kadett C 16V) abtreten. Andy Heindrichs auf Rang drei kann nach seinem Ausfall in Schotten aktuell noch nicht in den Kampf und den Klassensieg mit dem Opel Corsa 16V eingreifen. Eine Klasse für sich war in der E1-Klasse bis 2 Liter der Luxemburger Tourenwagenmeister Canio Marchione im ex-Rottenberger BMW 320 STW. Immer einen Schritt auf Marchione zurück, holte Patrick Orth im Gerent BMW 320is volle Punkte in der Berg-Cup Wertung, vor Ralph Paulick (VW Golf 16V) bei seinem allerersten Start in Eschdorf. Mächtig Spannung verbreiteten die Akteure in der Klasse bis 3-Liter. Der lange führende Marcel Gapp (BMW M3 E36) wurde im letzten Lauf noch von Günter Göser (Opel Kadett C 16V) abgefangen. Schotten-Sieger Michael Weber (Audi 80 Quattro) gelang Platz drei.

Bis zum nächsten Bergrennen der Deutschen Meisterschaft vergehen nun fünf Wochen. An Pfingsten heißt der Treffpunkt schon traditionell Wolsfeld im Bitburger Land. Einige KW Berg-Cup´ler werden zuvor am 18./19. Mai beim Bergrennen in St. Anton in Österreich antreten. Der Juni hält dann für Fans und Fahrer des Bergrennsports in Deutschland gleich drei Veranstaltungen in Wolsfeld, Glasbach und in Heiligenstadt bereit.

Resultate siehe www.berg-zeitnahme.net

Über Thomas Bubel 346 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.