Hovemann siegt am Schottener Hoherodskopf

Auf ein Neues! Hieß es im Alleingang für die Tourenwagen-Pilotinnen und Piloten, beim 16. ADAC Bergpreis Schottenring, zum Start in die Saison 2019. Bevor am kommenden Wochenende beim international stark besetzten Luxemburger Hill Race in Eschdorf, die Aktiven in ihren Rennsport- und Formelwagen dazu stoßen, gab es für den schnellsten Tourenwagenfahrer einen seltenen Gesamtsieg zu gewinnen. Am Fuße des über 700 Meter hohen und weithin sichtbaren Hoherodskopf und entlang der traditionsreichen Bergstecke hinter den Poppenstruth, hatte der Frühling eine Pause eingelegt und gerade das Training am Samstag war von Graden nahe dem Gefrierpunkt und anhaltendem Regen geprägt. Eine ungemütliche Sache für alle Beteiligten. Hier sollte man vor allem den Streckenposten und Sportwarten für ihre Arbeit danken und das ausharren von früh bis spät an der Strecke. Die Rennläufe am Sonntag waren dann für alle bei erträglicheren Bedingungen entspannter zu meistern.

Nach dem erwarteten Duell zwischen Holger Hovemann und Herbert Stolz, steht für mindestens ein Jahr fest, Schotten und der Vogelsberg sind vorerst kein Porscheland mehr. Mit viel Engagement und Fleiß, sowie einige Rückschlägen die Hovemann und seine Team verkraften mussten, stand der Opel Kadett C GT/R V8 (Foto oben) in Rudingshain an der Startlinie. Die Technik des Boliden, die noch nicht auf dem 100%igen Stand ist, machte alles mit und verhalf seinem Piloten zu vier von vier Laufbestzeiten. Herbert Stolz im dp Porsche 935 II legte zwar immer wieder nach und bis zum Schluss waren Fehler für beide Akteure tabu, doch am Ende trennten die beiden 2,3 Sekunden. Nach 2015, damals im Juni, heißt der Gesamtsieger in Schotten zum zweiten Mal Holger Hovemann. Die Porsche-Piloten Herbert Pregartner und Herbert Stolz gewannen in der Zwischenzeit. Wie beim Rennen in 2017, gelang dem Odenwälder Ralf Kroll im Silver Car S2 souverän der Sprung auf´s Podium. Das Norddeutsche Vater-Sohn-Team Michael und Hauke Weber waren an beiden Tagen zweifellos die Überraschung. Scheinbar wurden die Hausaufgaben über Winter hervorragend erledigt und die Beiden in ihren mintgrünen Audi 80 Quattro (Foto Mitte), zeigten eine beeindruckende Performance auf den Gesamträngen vier und sechs. Beide haben sich wohl insgeheim mehr Regen am Sonntag gewünscht, so wie auch Regenspezialist Ralph Paulick (VW Golf), der im Training aufhorchen ließ und am Renntag auf fast trockener Piste, sich der PS-Übermacht von Patrick Orth (BMW 320), Günter Göser (Opel Kadett 16V), Marcel Gapp (BMW M3) und Porsche-Mann Jochen Stoll beugen musste.

Schauen wir auf interessante Vorkommnisse in den jeweiligen Klassen: In der zusammengelegten Gruppe F bis 1400 und 1600 ccm Hubraum, gelang Ulrich Zeitz vom Homburger Automobilclub der lang ersehnte Klassensieg im Citroen C2 GT, vor seinem jungen Markenkollegen und FiA Hillclimb Masters-Teilnehmer Markus Fink, der im ersten Rennlauf einen riesen „Bock schoss“, sich danach versuchte an Zeits heranzuarbeiten, aber es nicht mehr schaffte. Eine Klasse höher bis 2000 ccm ging der Sieg mit Kai Neu, ebenfalls an einen Vertreter des Homburger AC. Neu lüftete erst am Freitag bei der technischen Abnahme sein gut gehütetes Geheimnis. Zum verblüffen seiner Gegner stand da nicht der gewohnte Ford Focus ST 170, sondern ein in vielen Winterstunden neu aufgebauter Ford Escort RS 2000 in Kitcar-Version. Und auch mit seinem neuen Einsatzgerät setzte der Saarländer seine Siegesserie fort, vor Berg-Cup Vorstand Markus Goldbach im Wiebe Megane und Polo G60-Pilot Martin Kraus, ebenfalls vom Homburger AC.

In ein weiteres Rennsportjahr fuhren in Schotten auch die KW Berg-Cup´ler, mitsamt der NSU-Riege. Im neu aufgebauten ex-Jochen Schittenhelm NSU TT RPM, setzte sich auf Anhieb Steffen Hofmann an die Spitze mit rund vier Sekunden Vorsprung, die der Franke pro Lauf Uwe Schindler aufbrummte. Karsten Steinert wurde dritter, wiederum deutlich von Christoph Schwarz, wiederum vom Homburger AC. Schnell erzählt sind Geschehnisse in den kleinen Hubraumklassen des KW Berg-Cup. Hier fehlt es aktuell etwas an Ausgewogenheit. Die große Leistungsdichte aus der Vergangenheit ist derzeit nicht gegeben. Ohne ersthafte Gegenwehr siegten bis 1150 ccm Hubraum Dominik Schlott im VW Polo 16V von und mit Teampartner Jürgen Schneider. Altmeister Franz Weißdorn im VW Polo 16V beherrschte die Klasse bis 1400 ccm nach Belieben und Stefan Faulhaber im 1600er Minichberger Kadett C dominierte über USA-Heimkehrer und Exil-Finne Mikko Kataja im Pikes Peak-Erprobten Toyota Starlet. Extrem flott war am Samstag in dieser Klasse Erwin Buck im Spiess-Scirocco bei der Sache. Doch am Renntag verbockte der Schwabe alles mit Überdrehzahl beim Herunterschalten und stellte vorsichtshalber lieber das Fahrzeug ab.  In der Klasse E1 bis 2-Liter soll das Comeback des jungen Marcel Hellberg (P5), zum Sieg von Partick Orth, nicht unerwähnt bleiben. Bei seinem Einstand im VW Brügge Golf (Foto unten) von Teampartner Frank Brügge setzte der Ostwestfahle in der 8V-Wertung gleich einmal Routinier Christian Auer im BMW 2002 8V unter Zugzwang und konnte Roland Christall im Opel Ascona mit Frank-Motor sogar schlagen.

Wegen der 14tägigen Staatstrauer in Luxemburg und der Beisetzung von Großherzog Jean am kommenden Samstag, sind die Organisatoren des Hill Race Eschdorf gezwungen, den Zeitplan erheblich zu verschlanken. Am ersten Mai-Wochenende fallen im Großherzogtum eine Unmenge an Veranstaltungen, wie Konzerte, Sportwettkämpfe und Feste ganz aus oder mussten auf spätere Termine verschoben werden. Hier ist es der Union des Pilotes in Zusammenarbeit mit der ACL-Sportkommission gelungen die Rennveranstaltung am Eschdorfer Berg zu retten. Doch ein reguläres Training am Samstag wurde von 18 Uhr untersagt. Somit muss der Veranstalter, dem die Zuschauereinnahmen des Trainingstags wegfallen, auf die Solidarität der eingeschrieben Aktiven und Fans hoffen. Weitere Informationen zu diesem Thema sind angekündigt.

Über Thomas Bubel 321 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.