Eine Deutsche Masters-Bilanz

Eines ist sicher, wer bei der dritten Auflage des von der FiA initiierten Hillclimb Masters in der mittelalterlichen Stadt Gubbio in Italien nicht dabei war, der hat definitiv etwas verpasst. Diejenigen die aber die weite Reise nach Umbrien auf sich genommen haben, werden dieses Wochenende für immer in ihr „Bergrennherz“ geschlossen haben und noch lange von unzähligen Gänsehautmomenten zehren können. Das lokale Comitato Eugubino Corse Automobilistiche und der italienische Motorsportverband ACI hatten, in Zusammenarbeit mit der FIA das wundervolle Masters-Konzept prächtig weiterentwickelt. Unter den über 20 Nationen, die ihre besten Bergrennfahrer nach Mittelitalien schickten befand sich auch das deutsche Team, mit den Piloten Hans-Peter Eller, Armin Ebenhöh, Egidio Pisano und Manfred Schulte im Nationen Cup, Markus Fink (U25-Wertung) sowie Alexander Hin und Jörg Weidinger (mit Wild Cards).

Zu Diskussionen kam es bereits am Freitag bei der Technischen Abnahme im Fahrerlager, vor herrlicher Kulisse. Streitpunkt war hier der Tribut Plasa BMW, den Jörg Weidinger in Gedenken an den großen Georg Plasa, wie in Goodwood im Wettbewerb pilotieren sollte. Uneins war man sich über die Einstufung des damals für die Gruppe E1 aufgebauten BMW 320 Judd V8. Schlussendlich bestätigten die FIA-Kommissare aber die zuvor gewählte Einstufung in die Gruppe E2-SH, der Silhouetten-Fahrzeuge. Bei einer Zulassung in der Gruppe E1, wäre Weidinger urplötzlich einer der Topfavoriten auf eine Medaille und der Aufschrei unter den arrivierten E1-Piloten sicher groß gewesen. Dem wollte man von Seiten der FiA wohl aus dem Weg gehen. Wie dem auch sei, der Plasa-BMW rollte im ersten Rennlauf am Sonntagmorgen kurz vor dem Ziel mit Getriebeproblemen aus und konnte vom KW-Team für die weiteren Läufe nicht wieder flott gemachte werden. Wenig später wurden die Kehren vor dem Ziel unterhalb des Klosters Madonna della Cima zum „Deutschen Eck“. Alexander Hin verlor das Heck seines Reynard Judd F3000 und rutschte in die Leitplanken. Nach seinem hervorragenden 13. Gesamtrang im Training hatte der Schwarzwälder wohl einen Ticken zu viel gewollt. Hins Team um „Chefmechaniker“ Uwe Lang, konnte den Boliden für die Läufe zwei und drei wieder instand setzten und verhalf dem Hausbau-Unternehmer zu einem versöhnlichen Rang 21, in diesem Feld der Extraklasse.

Die weiteren Deutschen Starter spielten bei der Vergabe der Medaillen, wie befürchtet keine Rolle und auch in ihren Gruppen blieb nicht mehr als die Statistenrolle übrig, gegen die Hubraum- und PS-Riesen aus allen Teilen Europas. Dennoch schlug man sich tapfer. Zweitschnellster der DMSB-Fraktion wurde Hans-Peter Eller im 2l-VW Corrado auf Gesamtrang 80 (10. Gruppe E1), nur zwei Ränge dahinter folgte der Deutsche Bergmeister Armin Ebenhöh im 1400er VW Scirocco (guter 9. Gruppe Open TCGT). Rang 92 ging an den Italo-Schwaben Egidio Pisano auf VW Golf STW (12. Gruppe E1). Mit nun internationaler Erfahrung im Gepäck, belegte Junior Markus Fink im Citroen C2 VTS Platz 139 von von 167 Startern. In der U25-Wertung bedeutete dies Platz 5 und in der Gruppe Open TCGT positionierte sich der Franke auf Rang 40. Erneut von Motorproblemen am Citroen AX Kit Car geplagt, packte Manfred Schulte bereits nach dem Training sein sieben Sachen und reiste endtäuscht ab, was zudem kein gutes Omen für die Nations-Cup-Mannschaft am Renntag war.

Die einzige Chance auf eine Medaille bestand für die deutsche Mannschaft in der Nationenwertung, die über die geringste Zeitdifferenz entschieden wird. Nach dem Ausfall von Manfred Schulte schrumpfte das Team auf drei Aktive. Ein Streichresultat war nun nicht mehr möglich. Zwar schaffte Hans-Peter Eller die fünftbesten Differenz von 0,09 Sekunden, doch am Ende lande das Team der Bundesrepublik, mit dem Kapitän Christoph Schackmann auf dem 18. und vorletzten Platz. Somit blieb nur der olympische Gedanke, für mehr hat es nicht gereicht. Aber „dabei sein ist alles“, was bei diesem wundervoll in Szene gesetzten Treffen der internationalen Bergrenn-Familie auf jeden Fall aller Mühen wert war.

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.