Marcel Steiner Kolumne: Geniales Saisonende beim FIA Hill Climb Masters

Lange war ich mir nicht schlüssig, ob ich die 800 Kilometer lange Anreise nach Gubbio (IT) auf mich nehmen wollte. Doch dann erlebten mein Team und ich ein unbeschreibliches Wochenende in einem mittelalterlichen Städtchen bei herrlichem Herbstwetter und einem faszinierenden Rennen

Doch erst mal eins nach dem andern: Bereits am Mittwochabend nach Arbeitsschluss nahmen wir die Reise unter die Räder des Teambuses. Abgesehen von einer Reparaturpause am Anhänger kamen wir gut voran und erreichten Gubbio donnerstags um sechs. Nach einem kurzen Nickerchen machte ich mich auf zur Streckenbesichtigung. Dabei konnte ich massiv vom Training auf dem Simulator eine Woche zuvor bei Racing Fuel Academy profitieren; vielen Dank, Wani! Der Streckenverlauf und die Ideallinie hatte ich schon ziemlich raus. Freitagfrüh konnten wir unseren reservierten Platz im Fahrerlager direkt neben der technischen Abnahme im wunderschönen Städtchen beziehen. In Windeseile hatten wir ausgeladen und waren, in Kooperation mit Michel Zemp und Team, eingerichtet. Die Wagenabnahme nahmen die Organisatoren für einmal sehr genau – die komplette Fahrerausrüstung und alle sicherheitsrelevanten Teile am Auto (Sicherheitstank, Sicherheitsgurt, Überrollbügel, etc.) mussten angegeben werden und wurden kontrolliert.

Am Samstag war ich gespannt und motiviert, die Strecke endlich mit dem Rennwagen erkunden zu können. Schon die Startaufstellung am Vorstart war ein Erlebnis, zwischen vielen neuen Fahrzeugen und mir noch unbekannten Fahrern aus 21 Nationen. Endlich konnte ich an die Startlinie vorziehen. Ich absolvierte einen zügigen Besichtigungslauf auf der mir neuen Piste. Ich klassierte mich an 7. Position hinter sechs italienischen Fahrern (ein Norma und fünf Osella). Für den 2. Trainingslauf versuchte ich den LobArt etwas besser auf die Bodenwellen abzustimmen. Ich konnte mich um 3 Sekunden steigern, rutschte aber auf den 8. Rang zurück. Zu den italienischen Landsmännern gesellte sich noch Sebastien Petit (Frankreich/Norma-Mugen). Christian Merli (Italien/Osella FA30) realisierte die Trainingsbestzeit vor Simone Faggioli (Italien/Norma-Zytek). Auf den 3. Platz fehlten mir aber lediglich 2 Sekunden. Für den Renntag war also alles offen. Nach den Trainingseinheiten folgte gegen Abend die Fahrerparade in der Altstadt von Gubbio vor tausenden Zuschauern. Es war ein eindrückliches Gefühl, erst alleine und dann mit den anderen Schweizer Fahrern dort einzulaufen.

Am Sonntagmorgen standen nach der Streckenbesichtigung einige Abstimmungsarbeiten am LobArt an, die wir wegen der Festlichkeiten verschoben hatten. Gut vorbereitet ging es zum 1. Rennlauf. Der untere Teil der Strecke lag noch im Schatten und der Grip in den ersten Kurven war daher noch bescheiden. Ich konnte mich um gut eine Sekunde gegenüber der Trainingszeit steigern und hinter Christian Merli, Domenico Scola (Osella PA2000), Sebastien Petit, Domenico Cubeda und Michele Fattorini (beide Osella FA30) auf den 6. Rang vorrücken. Zwischen Platz 2 und 7 lagen nur zwei Sekunden und daher war der weitere Verlauf noch sehr offen. Mit leicht modifizierter Abstimmung und neuen Reifen griff ich im 2. Wertungslauf voll an, steigerte mich nochmals um 1.3 Sekunden und überholte die beiden Osellas von Cubeda und Fattorini. Simone Faggioli fabrizierte im 1. Rennlauf einen Dreher mit Leitplankenkontakt und fuhr anschliessend auf den 2. Platz, was für mich nun Zwischenrang 5 bedeutete. Da nur die schnellste Laufzeit gewertet wurde, war vor dem 3. Wertungslauf noch alles möglich, denn Rang 3 und 7 trennten nur 1.7 Sekunden. Die Schatten wurden allerdings bereits länger und die Sonne vermochte die Strecke nicht mehr so zu erwärmen. Ich verfehlte meine vorherige Laufzeit um 0.29 Sekunden, konnte aber meinen 5. Platz beim FIA Hill Climb Masters in Gubbio fixieren und die Schweiz als dritte Nation hinter drei Italienern und einem Franzosen positionieren. Oder anders gesagt hinter zwei Osellas und zwei Normas den LobArt platzieren. Drei weitere einheimische Fahrer und damit drei weitere Osella FA30 ließ ich hinter mir. Mit diesem bemerkenswerten Resultat durfte ich in Gubbio eine weitere erfolgreiche Rennsaison abschließen.

Für ein Resümee bin ich noch zu nah dran, doch eines möchte ich vorausschicken: Mein Team und ich erlebten 2018 viele Höhen (Streckenrekorde, Gesamtsiege) gute Resultate im In- und Ausland und auch einige wenige Tiefen (Motorschaden). Meinem Team danke ich von Herzen, denn sie unterstützen mich immer mit vollen Kräften und tragen mich durch Erfolg und Zwischentiefs. Ein großes Dankeschön auch an meine treuen Sponsoren, die mir die Ausübung meiner Leidenschaft überhaupt ermöglichen! „Merci viu mau“ auch denjenigen Leuten und Freunden, die im Hintergrund mitwirken.

Das Steiner Motorsport Team geht nun in die Winterpause. Es gibt einiges aufzuarbeiten, unseren Webauftritt neu zu gestalten, eine Finanzierungsrunde einzuleiten und mit Hochdruck den Rennwagen zu optimieren. Wir versuchen, unsere Performance für die Saison 2019 noch weiter zu verbessern, damit wir auch im nächsten Jahr an der internationalen Spitze des Bergrennsports anknüpfen können. Merci viu mau!

Und nicht vergessen: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.

Häbet Sorg und e gäbige Winter…

Marcel

Über Thomas Bubel 266 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.