Die Meister sind gekürt – Kurioses Berg DM-Finale

Der Motorsport Club Erftal ist endgültig in der Gemeinschaft der Berg DM-Veranstalter angekommen. Mit dem erstmals in kompletter Eigenregie auf die Beine gestellte Bergrennen Eichenbühl landeten die viel fleißigen Helfer rund um Rennleiter Steffen Hofer gleich einen Volltreffer. Mit rund 180 angenommenen Nennungen, machte man es sich für den Anfang nicht leicht, aber die Trainings.- und Rennläufe brachte man dennoch pünktlich durch. Die gemeinhin spürbare Anspannung in der Organisationsleitung verflog schnell auf Nimmerwiedersehen und das „Wetterglück des Tüchtigen“ gesellte sich hinzu. In den sozialen Medien und auch im analogen Leben erntete das junge Erftaler Team viel Lob zu Zuspruch. So kann es in die Zukunft gehen und eine weitere Kuh ist wieder mal vom Eis geholt.

Ein an Spannung kaum zu überbietendes Rennwochenende, schloss den Kreis der diesjährigen Deutschen Automobil Bergmeisterschaft und der beiden DMSB Berg-Cups, die Ende April beim Bergpreis Schottenring begann. Vielen wird es nicht einmal aufgefallen sein, dass es der Berg-Team-Cup in diesem Jahr nicht zur Disposition stand. Es hatten sich im Frühjahr nicht genügend Teams zusammengefunden und angemeldet, was natürlich sehr schade ist und nach einer besseren Vermarktungsstrategie von Seiten des DMSB Fachausschuss Berg ruft. Beim 51. AvD Bergrennen Eichenbühl war die Frage nach dem Gesamtsieger eigentlich schnell und deutlich beantwortet, doch auf den letzten Metern der Saison 2018 gab es nicht nur spannende, sondern auch tragische Momente vor allem im Kampf um die DM-Krone.

Gruppe E1-Pilot Dirk Preißer reiste als Leader in der Bergmeisterschaft an und galt vor dem Wochenende in Unterfranken als klarer Favorit auf den DM-Titel, alle Trümpfe hatte er selbst in der Hand. Doch am Sonntagabend fand sich der Schwabe in der Rolle des tragischen Helden, noch nicht einmal auf dem Meisterschaftspodest wieder. Das Unheil nahm bereits im letzten Trainingsdurchgang seinen Lauf, wo es bereits zwei wertvolle Zusatzpunkte zu holen gab. Mit einem dünnen Nervenkostüm landete Preißer mit seinem Opel Kadett C 16V im unteren, selektiven Streckenteil in der Böschung, um danach kurzer Hand mit dem weidwunden Tourenwagen zur Notreparatur in die 125 km entfernte heimische Werkstatt aufzubrechen. Nach einer langen Nacht tauchten die Preißers am Morgen des Renntags wieder im Fahrerlager auf. Ein zweiter Platz in der Klasse bis 2.000 ccm Hubraum, hinter dem nicht punktberechtigten Tiroler Thomas Strasser war somit absolute Pflicht. Doch ein weiteres Mal hatte der Stahlbauunternehmer kein Glück. Beim alles entscheidenden dritten Rennlauf musste Dirk Preißer nach einem Unfall von Fahrerkollege Alexander Pleier mit rot in Zielnähe gestoppt werden und seinen Lauf wiederholen. Kämpfend mit abbauenden und überhitzten Reifen musste er Hans-Peter Eller im VW Corrado 16V hauchdünn den Vortritt lassen, was den Absturz auf den vierten Rang in der Berg DM-Endtabelle bedeutete, lediglich zwei Punkte hinter dem neuen Deutschen Bergmeister Armin Ebenhöh. Der VW Scirocco-Pilot aus der E1-Klasse bis 1400 ccm hatte zuvor Pflichtbewusst seinen Klassensieg eingefahren und gratulierte als fairer Sportsmann dem unglücklichen Dirk Preißer zu seiner dennoch eindrucksvollen Saisonleistung.

Nur um 0,2 Punkte verpasste der Allgäuer Günter Göser (Bild Mitte) aus der „E1-Überliterklasse“ die Meisterschaft in seinem Opel Kadett C 16V 2,5l, der in Sachen Streichresultat in Eichenbühl noch einmal voll Punkten konnte. Mit einem Rückstand von lächerlichen 1,4 Punkten auf Ebenhöh dufte der erst 22jährige Markus Fink ebenfalls stolz auf seine Leistungen in dieser Saison sein. Mit seinem Citröen C2 VTS blieb er mit einem Ausfall ansonsten ungeschlagen in der Gruppe F bis 1600 ccm und plant jetzt die Teilnahme beim FiA Hillclimb Masters Mitte Oktober in Italien, wo der Franke in der U25-Wertung die Deutschen Hoffnungen trägt und er sicherlich auch im vier Fahrer starken Nationalteam in der Nationenwertung zum Einsatz kommt.

Den Erwartungen gerecht wurden in den beiden DMSB-Berg-Cups Tourenwagenvertreter Norbert Handa im Lancia Delta HF und Formel-Pilot Frank Debruyne. Norbert Handa beschloss seine 40jährigen Karriere im Motorsport mit dem nationalen DMSB-Titel und auch Frank Debruyne, der zum guten Schluss seinen Formel 3-Renner schonte und im zur Verfügung gestellten 3 Liter V6 Dallara Nissan World Series, mit Rang vier in der Rennwagendivision seiner Pflicht Genüge tat. Beide Bergspezialiten gewannen in der Vergangenheit auch bereit schon einmal die Deutsche Meisterschaft.

Turbulent ging es zum Abschluss auch im NSU Bergpokal zu. Die national ausgeschriebene Rennserie unter den Fittichen des KW Berg-Cup, beschloss im Erfttal ebenfalls die Runde, im Gegensatz zu den „regulären“ KW-Cup´ler, die einer Woche noch im oberösterreichischen St. Agatha ihre Meister endgültig herausfahren werden. Jörg Davidovic, der zusammen mit seinem Teampartner Steffen Hofmann erneut die Rennserie gewann, kämpfte am Trainingstag mit Aussetzern am weißen NSU TT mit der Startnummer 519. Da man vor Ort die Unstimmigkeiten am NSU Triebwerk nicht lokalisieren konnte, trat der Odenwälder zu den Rennläufen nicht mehr an. Mit der Trainingsbestzeit im Rücken fabrizierte der hoch aufgeschossene Karsten Steinert im ersten Rennlauf in der Zielkurve einen Überschlag und auch der zweite Favorit war aus dem Rennen. Am Ende gewann Uwe Schindler von Thomas Krystofiak und Andreas Reich. In der Jahresendwertung der NSU’ler siegte dennoch die Paarung Davidovic / Hofmann (697,02) vor dem nicht mehr anwesenden Team Jörg Höber / Frank Genbrock (579,60) und Uwe Schindler (530,23).

In der Tageswertung zeigte der Schwarzwälder Alexander Hin im neu angeschafften ex-Allais Reynard 97D Judd Formel 3000 keine Schwächen und kam so nach langer Zeit wieder einmal zu einem Gesamtsieg. Mit Sebastian Schmitt im geschichtsträchtigen Opel Vectra V8 DTM, belegte der mittlerweile seltene Gast am Berg den zweiten Platz, aber bereits über neun Sekunden zurück. Es folgte auf Rang drei Thomas Conrad im Eigenbau-Sportwagen namens CRS, vor Frank Debruyne und den beiden jungen Dallara F3-Fahrern Christian Triebstein (F3-Klassensieger) und Mathieu Wolpert.

Über Thomas Bubel 240 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.