Marcel Steiner Kolumne: Fünfter Meistertitel am Gurnigel

Nach dem Erfolg von Oberhallau hoffte ich auf eine ruhige Vorbereitung auf das Gurnigelrennen. Beim Check des LobArt Mugen stellte ich jedoch einen Defekt am Öltank fest. Um diesen zu beheben mussten wir wie heuer schon öfters den Motor ausbauen. Danach stand einem erfolgreichen Wochenende beim Heimrennen nichts mehr im Wege. Am Freitag kurz vor dem Mittag nahmen wir die Anreise unter die Räder. Das Installieren unseres „Boxenplatzes“ und die Wagenabnahme waren schnell erledigt. So konnte ich mich der Streckenbesichtigung mit anderen Fahrern und der technischen Vorbereitung widmen.

Am Samstag stellte der Veranstalter einen strammen Zeitplan auf, der mein erstes Training kurz nach 10 Uhr vorsah. Durch diverse – durch übermotivierte Fahrer verursachte – Unterbrüche geriet der Zeitplan zwei Stunden in Rückstand, der bis zum Abend nicht mehr aufzuholen war. Kurz nach dem Mittag konnte ich starten. Die Anbremszone zur ersten Kurve sowie die Kurve selbst waren immer noch feucht vom Regen am Freitag und dadurch heikel zu befahren. Auf der restlichen Strecke kam ich gut zurecht und das Auto fühlte sich gut an. Im Ziel leuchtete 1:45,87, was fast der schnellsten Rennzeit vom Vorjahr entsprach. Einzig Eric Berguerand war mit seinem Lola-F3000 in 1:42,46 noch schneller. Hinter mir klassierte sich Christoph Lampert (Osella FA30, 1:46,60), der Rest des Feldes fuhr Zeiten über 1:50. Im zweiten Trainingslauf war es etwas wärmer und ich testete andere Reifen. Damit verbesserte ich mich auf 1:43,50 und verkürzte den Rückstand auf Eric (1:42,45) auf gut eine Sekunde. Christoph folgte mit 1:44,88. Zum dritten Probelauf konnte unser Feld erst nach 18 Uhr antreten. Unmittelbar vor den offenen Rennfahrzeugen war die Strecke mit Kühlwasser verunreinigt. Ich rückte wieder mit den Reifen aus dem ersten Training an. Wegen der beschmutzten Strecke erzielte ich in 1:45,96 meine schlechteste Trainingszeit. Lampert  war mit 1:45,38 leicht schneller und Berguerand trat erst gar nicht mehr an. Nach diesen Trainingsergebnissen war für Spannung am Renntag gesorgt.

Bei sonnigem Wetter waren am Sonntag zwei Rennläufe angesetzt. Die geplanten Zeiten konnten perfekt eingehalten werden! Kurz nach 10 Uhr startete ich mit neuen Reifen und voll motiviert zum ersten Rennlauf. Die erste Kurve war immer noch ein wenig feucht. Die Vorderreifen im ersten Wäldchen boten noch nicht den perfekten Gripp. Danach konnte ich richtig attackieren und meine Fahrt bis zum Ziel genießen. Auf der Anzeige leuchtete 1:41,46, was nur gerade sieben Hundertstel über meinem Streckenrekord 2012 mit dem Osella FA30 lag. Doch ich war mir ziemlich sicher, dass diese Zeit nicht für die Führung reichen würde. Kurz nach mir erreichte Christoph Lampert in 1:42,62 die Ziellinie und scheiterte an meiner Zeit. Doch Eric Berguerand setzte alles auf eine Karte, legte eine super Fahrt auf die 3.7 Kilometer lange Strecke und stellte in 1:39,81 einen neuen Streckenrekord auf! Damit übernahm er die Spitzenposition. Félicitations, Eric! Im zweiten Rennlauf ging es für mich darum, den zweiten Platz zu festigen und somit den fünften Titel in der Schweizermeisterschaft zu sichern. Der Start gelang mir sehr gut, die erste Kurve war nun fast trocken. Bei Posten 6 über dem Schachtdeckel versetzte der LobArt ziemlich und kam der Leitplanke bedrohlich nahe. Mein Einsatz wurde in 1:41,81 nur bedingt belohnt. Berguerand (1:40,01) sicherte sich den Sieg und Lampert (1:42,38) komplettierte das Podest, in gleicher Reihenfolge wie letztes Jahr. Mit diesem zweiten Platz konnte ich mir bereits vor dem letzten Wertungsrennen und trotz Motorschaden in Massongex den Titel in der Schweizer Bergmeisterschaft 2018 sichern. Es war ein fantastisches Gefühl, diesen Erfolg am Hausberg vor einer grandiosen Zuschauerkulisse einzufahren. Zurück im Fahrerlager feierte ich den Titel mit meinem „sackstarken“ Team, Betreuern, Familie, Fahrerkollegen und Freunden bei einem kleinen Apéro. Ein großer Dank an alle, die an mich geglaubt und mich in irgendeiner Weise tatkräftig unterstützt haben. Ohne Euch hätte ich mein Jahresziel nicht geschafft! Danke auch an die treuen Ausrüster und Sponsoren und natürlich die Leserinnen und Leser des Rennberichts, die jeweils mit fiebern und mich virtuell begleiten.

Bei all dem Jubel trüben doch erneute technische Probleme am LobArt meine Freude. Also habe ich mich entschieden, auf das Rennen von Chatel-St.Denis – Les Paccots zu verzichten. Ich hoffe, dass wir bis zum 21. September 2018 für das FIA-Hillclimb Cup Rennen von St. Agatha (A) wieder bereit sind. Da wollen wir nochmals um ein Topresultat kämpfen! Momentan steht auch noch offen, ob ich im Oktober am FIA Hill Climb Masters in Gubbio (IT) antreten werde.

Bis bald…
Marcel

Über Thomas Bubel 240 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.