Faggioli siegt in Slowenien – Merli erstmals Europameister

Die Würfel in der Europa-Bergmeisterschaft sind bereits vor dem Finale, das in nicht ganz zwei Wochen im kroatischen Buzet abgehalten wird, gefallen. Die Europameister des Jahres 2018 heißen in der Kategorie II der Rennsportwagen Christian Merli und in der Kategorie I der Produktionstourenwagen und GT Lucas Vojacek. Beide gewannen am vergangenen Wochenende, beim vorletzten EM-Lauf der Saison in Ilirska Bistica in Slowenien ihre Gruppen souverän und können nicht mehr eingeholt werden. Der Italiener und der Tscheche stehen erstmals auf dem europäischen Olymp des Bergrennsports, nach jeweils zahlreichen Anläufen.

Das Bergrennen im Südwesten Sloweniens lief am Trainingstag nicht ganz rund. Sintflutartige Regenfälle waren der Grund für zahlreiche Unterbrechungen und auch das Fahrerlager stand teilweise knöcheltief unter Wasser. Viele Akteure bezeichneten ihren Trainingslauf als „Eiertanz“, dem entsprechend landeten einige davon unsanft neben der Strecke. Unter den Gestrandeten befand sich auch der Bayer Valentin Schneider, der mit seinem 1600er VW Golf 16V mit arg deformierter Frontpartie aufladen musste und sich nun über eine Winterbeschäftigung keine Gedanken mehr machen muss. Aussagekräftige Zeiten brachten die wenigsten Teilnehmer zusammen und ein „Einschießen“ war selbst für die Favoriten auf den Gesamtsieg nicht möglich.

Der Renntag versprach eine Wetterbesserung und ein Sonne-Wolken-Gemisch bescherte den verbliebenen 181 Startern, über lange Zeit recht ansprechende Bedingungen. Wohl nicht mit der letzten Entschlossenheit ging in der Tageswertung Osella-Pilot Christian Merli ans Werk. In Hinterkopf hatte der Mann aus der Nähe von Trento sicherlich in erster Linie die Absicherung des EM-Titels. Mehr als 2,5 Sekunden lagen er nach zwei Wertungsläufen hin dem Gesamtsieger des Wochenendes Simone Faggioli im Norma M20 FC zurück. Aus deutscher Sicht erfreulich ist auf alle Fälle der dritte Gesamtrang des Freiburgers Patrik Zajelsnik, in seiner alten Heimat. Bei besseren Wetterkonditionen in den Trainingsläufen wäre der Kampf um letzten Podiumsplatz sicherlich enger ausgefochten worden. Sebastien Petit, der zuletzt im Jahr 2009 hier antrat, brachte keinen gescheiten Probelauf zusammen und so war für den angehenden neuen französischen Meister, nicht mehr drin.

Ebenfalls nicht mehr heraus zu holen, gab es für den Favoriten des Tourenwagenlagers, Karl Schagerl aus Österreich. Nach dem ersten Durchgang rangierte der Prugstaller in seinem VW Golf TFSI-R auf einem sensationellen sechsten Rang in der Gesamtwertung, mit einer neuen Rekordzeit für Tourenwagen, mit diesem Schikanenaufbau. Auf Grund der Wetterprognose zog die Rennleitung in Lauf zwei die EM-Gruppen vor und die E1-Piloten mussten sich, bei aufziehenden Regenwolken gedulden. Hier hatte Schagerl Pech und musste nach einem Dreher von Benjamin Duller, noch einmal zum Neustart zurück geschickt werden. Bei dann einsetzendem Regen und auf Sliks hatte der Staatsmeister schlechte Karten. „Dazu ging mir in der zweiten Schikane noch der Motos aus und ließ sich erst nach ein paar Sekunden wieder starten“, so Schagerl. Der einheimische Milan Bubnic im Lancia Delta HF gewann so die Tourenwagen-Gesamtwertung auf Rang 13.

Neben dem unglücklichen Valentin Schneider und dem Wahldeutschen Patrik Zajelsnik, waren aus Deutscher Sicht zwei weitere Piloten am Ablauf. Der in Linz studierende Pascal Ehrmann, der in diesem ja auch mit der österreichischen Lizenz ausgestattet ist, landete mit seinem Peugeot 207 RC auf Platz 110 und der Rosenheimer Christian Bodner (BMW 320 is) belegte in der Gesamtwertung den 83. Rang.

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.