Steiner darf wohl schon am Gurnigel feiern

Bald ist die 3,7 km lange Strecke zwischen Dürrbach und Gurnigelbad in der Schweiz wieder fest in der Hand der Motorsportler. In einer Woche steht die 49. Auflage des traditionellen Bergrennens am Gurnigel auf dem Programm. Wie erwartet war das Interesse der Aktiven an diesem publikums­wirksamen Anlass vor den Toren Berns sehr groß, umfasst doch die Startliste auch in diesem Jahr beinahe 270 Namen.

Während die Saison für Lokalmatador Marcel Steiner durchwegs erfolgreich verlief, war dies bei seinen wichtigsten Gegnern keineswegs der Fall. Insbesondere Eric Berguerand, als härtester Widersacher, hatte mehrfach mit technischen Problemen an seinem selbst optimierten Lola-Einsitzer der ehemaligen Formel 3000 (Foto oben) zu kämpfen und ist daher im Titelrennen weg vom Fenster. Steiner hingegen benötigt am Gurnigel bloß noch ein paar wenige Punkte, um sich nach 2017 erneut als Schweizer Bergmeister bei den Rennsportwagen feiern lassen zu können. Sein LobArt-Mugen V8 ist mittlerweile ein sicherer Wert, auch wenn der Oberdiessbacher gewisse Rekorde, die er vor einigen Jahren mit einem Osella FA30 aufgestellt hat (z.B. auch am Gurnigel mit 1’41,39‘‘) mit dem italienischen Unikat bisher nicht unterbieten konnte. Wenn es Berguerand am Gurnigel wie im Vorjahr rund läuft, wird Steiner alle Reserven mobilisieren müssen, und auf das Duell der beiden darf man sich schon jetzt freuen. Berechtigte Ambitionen, nach 2017 erneut den Sprung auf das Podest zu schaffen, hat auch der Vorarlberger Christoph Lampert.

Für den Oberländer Marcel Maurer, der momentan hinter Steiner in der Berg-SM an zweiter Stelle liegt, dürfte es bei den zwei verbleibenden Läufen schwierig werden, diese Position zu verteidigen, ist doch der F3000-Reynard des jungen Aargauers Robin Faustini weit stärker motorisiert als Maurers von einem Formel Renault abgeleiteter Tatuus. Und auch der Wilderswiler Christian Balmer besitzt materialmässig die besseren Karten.

Die Entscheidung bei den Tourenwagen wird wohl noch nicht im Bernbiet, sondern erst eine Woche später beim SM-Finale in Les Paccots fallen, haben doch alle drei Titelanwärter bisher fünf Volltreffer in sechs Rennen aufzuweisen. Ronnie Bratschi gibt aktuell auf seinem über 700 PS starken Mitsubishi (Foto unten) in der Gruppe E1 europaweit den Ton an, und wenn es ihm gelingen sollte, auch am Gurnigel einen neuen Kategorienrekord aufzustellen, könnten die zwei Zusatzpunkte in der Endabrechnung entscheidend sein im Fernduell gegen seine Rivalen Frédéric Neff (InterSwiss-Porsche) und Andy Feigenwinter (Lotus Exige SuperSerie). Bei der 2017 neu ins Leben gerufenen Junior-Bergmeisterschaft mit identischen Toyota GT86 ist hingegen der dreifache Saisonsieger Thomas Schmid haushoher Favorit.

Spitzenplätze in einem Championat sind nicht die einzige Motivation, um es auf der anspruchsvollen Piste gehörig fliegen zu lassen. Deshalb sind am Samstag und Sonntag in den verschiedenen Kategorien und Klassen auf jeden Fall packende Fights angesagt. Lassen Sie sich die Großkampftage am Berg nicht entgehen! Details zum Zeitplan, zur Startliste und noch vieles mehr erfährt man auf der Webseite www.gurnigelrennen.ch, und natürlich erteilt auch unser Sekretariat entsprechende Auskünfte.

Über Thomas Bubel 240 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.