Rechenspiele beim Finale in Unterfranken

Relativ früh steigt in diesem Jahr das Finale der Deutschen Bergmeisterschaft und der beiden DMSB Berg-Cups in Eichenbühl bei Miltenberg. Bereits nach dem Wochenende des 8./9. September ist Schluss mit den Bergrennen in Deutschland für dieses Jahr. Die Aktiven des KW Berg-Cup dürfen zwei Wochen später noch eine „Sonderschicht“ beim oberösterreichischen Bergrennen in St. Agatha einlegen und spätestens an der Donauschlinge ihre Meister und Jahressieger küren. Aber, für das Jahr 2019 bestehen für alle Beteiligten der Bergszene berechtigte Hoffnungen auf ein Wiederaufleben des traditionellen DM-Finales in Mickhausen bei Augsburg.  Ein Termin wurde bereits von Seiten des ASC Bobingen für Anfang Oktober 2019 beim DMSB angemeldet. Hierzu und dem vorläufigen Berg-DM Kalender 2019, wird man sicherlich in Eichenbühl im Rahmen eines Treffens aller DM-Veranstalter am Samstagabend nach den Trainingsläufen mehr erfahren. Auf eine hoffentlich gut besetzte Mannschaft, unter den Farben Deutschlands, hoffen die Fans hierzulande für das FiA Hillclimb Masters, das vom 12. bis 14. Oktober im italienischen Gubbio stattfindet und den würdigen Abschluss der europäischen Bergrennsaison bildet.

Die Qualifikanten für das Masters und nicht zuletzt die neuen Deutschen Meister im Bergrennsport werden also in diesem Jahr beim 51. Bergrennen in Unterfranken, das ab diesem Jahr offiziell Bergrennen Eichenbühl heißt, ermittelt. Der MSC Erftal hat in den vergangenen Wochen und Monaten die Veranstaltung endgültig vom GAMSC Würzburg übernommen und wird mit frischem Wind, neuen Ideen und erstmals in kompletter Eigenregie das Rennen auf den Umpfenbacher Berg durchführen. Der Ansturm auf die Startplätze war diesmal sehr groß, schon Wochen vor dem Nennschluss knackte man die 100er Marke in der Starterliste. Am Ende meldeten sich über 180 Fahrerinnen und Fahrer, darunter 40 Teilnehmer an der Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) bei Rennleiter Steffen Hofer und seinem Orga-Team an. Also, volles Haus und alle Hände voll zu tun für den MSC Erftal – ganz so wie man es sich gewünscht hatte.

Da sich keiner der Protagonisten in den drei DMSB-Bergprädikaten vorzeitig in der Tabelle hat absetzen können, müssen am zweiten Septemberwochenende wieder einmal die Rechenschieber in erster Linie in der Deutschen Automobil Bergmeisterschaft bemüht werden. In den Berg-Cups, einmal für Tourenwagen und einmal für Sport- und Formelrennwagen, ist die Lage unkomplizierter. Es bleibt aber auch hier spannend.

Um sich erstmals die nationale Meisterschaft am Berg zu sichern, sollte Dirk Preißer (Opel Kadett C 16V) tunlichst seine Klasse bis 2000 ccm der Gruppe E1 gewinnen, bzw. mehr als 18,6 Punkte holen. Ungemein hilfreich, ja ein Muss für den Schwaben wären auch die zwei Zusatzpunkte, die es für den schnellsten letzten Trainingslauf in der Klasse gibt. In der Tageswertung hingegen kann Preißer ruhig seinen größten Kontrahenten Tom Strasser (VW Minichberger Scirocco 16V) ziehen lassen, denn der Tiroler ist in der Berg DM mit seiner österreichischen Lizenz nicht Punktberechtigt. Bei einem Ausfall würde der Metallbauunternehmer sogar vom DM-Podium stürzen. Dirk Preißer hat es also selbst in der Hand und ist der Favorit auf den Titel des Deutschen Bergmeisters 2018. Mit einem Sieg in seiner Klasse würde der Allgäuer Günter Göser (Opel Kadett C 16V) vom aktuell fünften Tabellenplatz noch einmal ganz weit nach vorne schießen, denn er kann noch einmal voll Punkten  und muss kein Resultat mehr wegstreichen. Der Flexodrucker ist zusammen mit 1400er „Dominator“ Armin Ebenhöh (VW Scirocco 16V) einer von zwei Anwärtern auf die Vize-Meisterschaft. Ebenhöh kann mit einem erneuten Sieg seinen zweiten Platz aus Wolsfeld streichen und noch ein paar Pünktchen gut machen. In der bisherigen Saison alles gegeben hat der junge Franke Markus Fink aus der Gruppe F bis 1600 ccm. Auch er kann in seinem Citroen C2 VTS seinen Ausfall von Wolsfeld eliminieren und mit einem Sieg eventuell noch aufs DM-Podest fahren. Norbert Handa, der zweifache Bergmeister der Vergangenheit, wird seinen aktuell dritten Tabellenrang beim Finale räumen müssen, mit seinem Lancia Delta kann er nach Abzug des Streichresultes nur noch wenige Punkte sammeln und wird aller Voraussicht nach am Ende auf Rang fünf landen.

Alle Trümpfe in der Hand hat Norbert Handa hingegen im DMSB Berg-Cup der Tourenwagen, der ja in der Gesamtwertung der Division bepunktet wird. Selbst mit einem Ausfall oder dem vierten Platz stünde Handa mit Dirk Preißer, der schnellster Deutscher Tourenwagenfahrer im Gesamtklassement werden müsste, am Ende punktgleich an der Tabellenspitze. Ein dritter Platz in der Tourenwagen-Division oder besser, reicht also für den Altmeister zum Titelgewinn und zu einem krönenden Abschluss seiner über 30-jährigen Karriere am Berg. Punktemäßig weit abgeschlagen duellieren sich in Eichenbühl Patrick Orth (BMW Gerent 320 16V) und Herbert Stolz (dp Porsche 935 II) um Platz drei.

Obwohl in der derzeitigen Tabelle auf Rang zwei, hinter dem „Aufsteiger des Jahres“ Christian Triebstein (Dallara F302 Opel), besitzt Frank Debruyne vom pfälzischen CR Racingteam die klar beste Ausgangssituation im Kampf um den DMSB Berg-Cup der Sportwagen. Selbst mit einem fünften Platz in der Divisionswertung wäre der Pilot des schwarz-weißen AST-Dallara F303 Opel noch punktgleich mit Triebstein. Jedenfalls nimmt es der Badener locker und wird in Eichenbühl in den Dallara World Series by NISSAN-Rennwagen von Kumpel Sascha Herz umsteigen. Mit dem 3-Liter Boliden muss Debruyne also auf jeden Fall mindestens Rang vier erreichen, um sich nach DM und Bergpokal-Titeln auch den DMSB Berg-Cup zu sichern. Anders herum wäre mit einem Ausfall Debruynes der Nordhesse Christian Triebstein, gleich in seiner ersten vollen Saison in einem Formel 3-Rennwagen, der Gewinner des Rennwagen Berg-Cups 2018. Bleibt die Frage, wer sich Rang drei sichern kann? Mathieu Wolpert (78), Georg Lang (74) und Thomas Conard (71) sind noch in der Lage das Podium zu erreichen. Das Trio kann noch einmal voll Punkten, doch Mathieu Wolpert (Dallara F303 Opel), mit dem tollen Gefühl des ersten Gesamtsiegs am Hauenstein im Kopf, wird da wohl nichts mehr anbrennen lassen – oder doch?

Über Thomas Bubel 240 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.