Marcel Steiner Kolumne: Das Maximum aus dem Martini geholt

Nach dem Rennen von Massongex lief es etwas hektisch im Team Steiner Motorsport. Erst musste der Motorschaden analysiert und verkraftet werden. Danach galt es, die Teile rasch zu beschaffen und abzuwägen, mit welchem Auto ich beim Bergrennen von Anzère fahren solle. Zwar wären die neuen Kolben am Donnerstag vor dem Rennen fertig gewesen, doch die Passung stimmte nicht ganz und es wäre nochmals sehr hektisch geworden bis zum Start… So hielten wir am Plan fest mit dem „Ersatzwagen“, dem altbewährten Martini MK 77 BMW, in Anzère zu fahren. Da ich noch bis Freitag vor dem Rennen in der Garage zu arbeiten hatte, reisten mein Vater Heinz und Peter Sägesser bereits am Donnerstag an, um alles vorzubereiten. Vielen Dank den beiden! So konnte ich mich auf die Streckenbesichtigung und danach voll auf das Fahren konzentrieren.

Nach dem nächtlichen Regen war die Strecke am Morgen bereits komplett trocken. Ich freute mich, den 1. Trainingslauf mit dem Martini zu starten und war gespannt, was ich mit diesem Auto rausholen konnte. Ich musste mich in kürzester Zeit umgewöhnen und es fehlte etwas Power im Vergleich zum LobArt. Trotz der alten Bereifung hatte ich großen Fahrspass und fühlte mich gleich wieder „zu Hause“. Mit einer Zeit von 1.36.733 war ich bereits rund eine Sekunde schneller als beim letzten Einsatz 2010 im schnellsten Rennlauf. Eric Berguerand (Lola-F3000, 1.32.834) stellte die überlegene Bestzeit auf, ansonsten schaffte es kein Fahrer unter 1.40.

Ohne eine Veränderung am Auto aber mit etwas mehr Angewöhnung steigerte ich mich im 2. Training um 2.1 Sekunden auf 1.34.651. Eric gelang dies im gleichen Masse auf 1.30.535. Hinter uns klassierten sich Philip Egli (Dallara- F3, 1.36.410), Robin Faustini (Reynard- F3000, 1.37.284) und Marcel Maurer (Formel Renault, 1.38.091).Da ich in beiden Trainingsläufen in der schnellsten Passage im 5. Gang jeweils am Drehzahlbegrenzer fuhr, verlängerte ich die Getriebeübersetzung. Als alles wieder bereit war für den 3. Probelauf, erreichte uns die Nachricht, dass der Zeitplan etwas aus dem Ruder liefe und wir am Sonntagmorgen unseren Lauf nachholen könnten.

Nachts regnete es erneut, doch die Piste war am Sonntagmorgen trocken. Mit anderen Reifen und höherem Top Speed konnte ich 1.33.745 realisieren. Berguerand verzichtete auf dieses „Warm-Up“, Maurer, Faustini, Egli und Amweg (Lola- F3000) fuhren alle 1.37. Die Pause zum 1. Rennlauf war nur kurz. Um den Martini rennbereit zu stellen mussten alle Handgriffe sitzen. Das war für mein Team aber kein Problem! Mit neuen Reifen rückte ich zum 1. Rennlauf aus. Der Grip war nicht so viel besser wie erhofft, dennoch wollte ich nun wissen, was der Martini hergibt. Im Streckenteil „Le Flans“ war ich wohl etwas zu motiviert: Am Kurvenausgang stand ich im 5. Gang leicht quer und streifte mit der Heckverschalung und der Endplatte des Heckflügels die Leitplanke. Im Ziel leuchtete nach vollem Einsatz 1.32.516. Dieser Einsatz war auch nötig, denn Eric Berguerand fuhr erwartungsgemäss Bestzeit in 1.28.438, und Robin Faustini steigerte sich auf 1.33.357. Danach folgten Philip Egli, Thomas Amweg und Marcel Maurer mit 1.35-er Zeiten.

Erfahrungsgemäss ist der 2. Wertungslauf in Anzère immer etwas langsamer. Dies wirkte sich bei mir in 1.34.028 aus. Auch die restlichen Fahrer im Renn- und Sportwagenfeld wurden fast alle langsamer, ausser Berguerand, der mit neuen Reifen antrat und in 1.27.851 einen neuen Streckenrekord aufstellte. Durch die Reinigung einer Oelspur verzögerte sich der Start unseres 3. Rennlaufs bis nach 18 Uhr. Um diese Zeit war die Strasse wieder etwas kühler und das Oel auch top gereinigt, womit ich ersten beiden Kurven bis Posten 3 wieder sehr schnell passieren konnte. So bestätigte ich in 1.32.806 meine Zeit vom Morgen und sicherte mir den 2. Platz im Gesamtklassement mit dem über 20-jährigen Martini/BMW. Eric fuhr nochmals einen neuen Streckenrekord in 1.26.992 und gewann überlegen –Gratulation zu dieser tollen Leistung! Das Podest komplettierte wie schon im letzten Jahr Robin Faustini. Mit diesem Resultat konnte ich wieder die alleinige Führung in der Schweizer Bergmeisterschaft übernehmen. Zugegeben, es war eine tolle Erfahrung, in Anzère mit meinem Martini BMW die moderneren und leistungsstärkeren Fahrzeuge hinter mir zu halten.

Nun hat jedoch die Reparatur des Mugen Motors Priorität! Der Motor soll bis Ende der Woche wieder zusammengebaut und funktionsfähig im LobArt-Chassis stecken. Wenn das gelingt, steht einem Einsatz beim Osnabrücker Bergrennen (4.-5. August) nichts mehr im Wege, bevor es in der Schweiz beim Rennen von St-Ursanne-Les Rangiers (18.-19. August) wieder um Punkte geht.

Bis gli…
Marcel