Mit Karacho den Rennsteig hinauf – Luxemburger Bilanz

Erstmals wurde das Glasbachrennen in Bad Liebenstein für die Luxemburger Bergmeisterschaft gewertet, und zur Premiere waren viele Piloten aus dem Großherzogtum angereist, die sich allesamt mehr als zufrieden gaben. Am 8. September 1974, noch zu seligen DDR-Zeiten, wurde vor 6.000 begeisterten Zuschauern das 1. Glasbachrennen ausgetragen. Heute verkörpert die mit 35 Kurven bespickte Strecke vom Ortsteil Steinbach hinauf zum Glasbachstein die längste und modernste Bergrennstrecke Europas, die daher zurecht den EBM-Status (Europa Bergmeisterschaft) trägt und 2018 erstmals auch zur Luxemburger Bergmeisterschaft gewertet wurde. ACL-Sport hatte ein gutes Näschen bewiesen, um dieses Rennen in unseren Kalender einzufügen und schon zum 2. Mal durfte der ACL-Sportpräsident Marc Joseph ebenfalls das Ehrenamt als FIA-Observer (Präsident) für diese Veranstaltung bekleiden.

15 Luxemburger Piloten hatten sich zu dieser Premiere angemeldet und 13 reisten schlussendlich in den Thüringer Wald, um das überaus spektakuläre Rennen in Angriff zu nehmen. Sie sollten ihr Kommen nicht bedauern, denn zum einen glänzt dieses Bergrennen durch seine perfekte Organisation, dann sind die Menschen dieser Region überaus freundlich und schließlich verlangt die endlose Fahrt hinauf von Mensch und Maschine alles ab, und nur wer richtig gut im Bergrennsport ist, hat eine Chance einigermaßen fehlerfrei diesen kniffligen Parcours zu bewältigen. Allen voran glänzte der amtierende europäische Champion Christian Merli (Osella FA30 Zytek) bei diesem Rennen und holte sich unangefochten den Gesamtsieg. Gegen den Italiener war kein Kraut gewachsen und das mussten die Sébastien Petit, Jelle De Coninck, Patrick Zajelsnik (alle Norma M20FC) und Konsorten allesamt einsehen. Zum einen, weil sie an die Zeiten des Christian Merli nicht annähernd herankamen und zum anderen, weil sie sich überschätzten und ihre Sportwagen gegen die auf 5,5 km errichteten doppelten Leitplanken setzten.

Das wusste Guy Demuth zu vermeiden, und an seinem 49. Geburtstag brachte er das Kunststück fertig, nach dem guten EM-Rennen im portugiesischen Braga (Falperra) einen weiteren  grandiosen Parforceritt am Rennsteig hinzulegen. Mit Rang 4 und nach 2 Läufen insgesamt 14,8 Sekunden Rückstand hinter Merli wurde er für seinen Einsatz und sein Können am Lenkrad seines neuen Norma M20FC (Foto oben) belohnt. In Windeseile hat er sich an sein schwarzes „Ungeheuer“ gewöhnt und ihm wird in Zukunft noch viel mit seinem fahrbaren Untersatz zuzutrauen sein. Kein Wunder, dass abends die Korken beim Team Demuth knallten und sie gemeinsam mit ihren überaus liebenswerten Gastgebern, vor deren Haus sie ihre Zelte und den Lkw abgestellt hatten, feierten.

Aber auch bei Daniel Donkels (Tatuus Renault) und Tania Flammang im VW Fun Cup (Foto Mitte) durfte lautstark geprostet und gefeiert werden, denn beide boten besten Rennsport im Herzen des Thüringer Waldes unweit der Stadt Eisenach, wo die Wartburg über allem thront und der ganzen Region ihren Namen gegeben hat. Der Formelwagenpilot wurde als 24. gewertet und kann mit seiner Leistung als zweitbester Luxemburger mehr als zufrieden sein, während Tania Flammang weiter eifrig Punkte im Luxemburger Championnat sammelt und als Führende in der Formelkategorie die letzten vier Rennen der Saison in Angriff nehmen kann.

Was den Charme der Europabergmeisterschaft aber ausmacht, das sind die unzähligen überaus PS-starken Tourenwagen, wobei in Bad Liebenstein der seit Jahr und Tag dominierende Vladimir Vitver herausstach. Sein Audi TT-R ex-DTM bot nicht nur eine über Berg und Tal weithin schallende Soundkulisse, sondern der tschechische Fahrer peitschte sein Sportgerät mit einer derart brachialen Gewalt den Berg hoch, dass man nach jeder Passage irgendwie fassungslos diesem Monster hinterher schaute. Platz 10 im Generalklassement unterstreicht seine einsame Klasse und machte einen tatsächlich sprachlos. Was Canio Marchione aber nicht daran hinderte seinen BMW auf Gesamtrang 30 zu hieven und somit Charel Valentiny (Subaru Impreza WRX STI) in diesem erlesenen Feld nicht nur um 25 Plätze zu distanzieren, sondern auch 16 Sekunden dazwischen zu legen. Danach folgte aus Luxemburger Sicht der schweigsame Roland Braquet (Dallara F3), der mal wieder bei einem Bergrennen aufgetaucht war und dann die Schilling-Armada mit Nico und vor allem Sohnemann Cédric, der seinen Mitsubishi Lancer (Foto unten) nach langer Umbauphase und vielen Verbesserungen, darunter einer breiteren Spur und etlichen Kilo weniger auf der Waage, endlich unter Rennbedingungen ausführen durfte. Noch gibt es allerdings viel zu tun und vor allem auch das Fahrgefühl wieder zu gewinnen, ehe an vernünftige Zeiten zu denken ist.

Es ist schön, dass so viele Luxemburger den weiten Weg ins Thüringische auf sich genommen haben, und kein einziger hat diesen Trip bedauert, sondern alle zeigten sich unisono von der Veranstaltung begeistert.

von Roland Baumann

Über Thomas Bubel 277 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.