Gelungener Start in ein neues Zeitalter in Homburg

Einen Weltstar des Motorsports aus nächster Nähe erleben, dass kann man bei einem Bergrennen höchst selten. Der Homburger Automobilclub mit seinem Homburger ADAC Bergrennen und dem prominenten Clubmitglied Timo Bernhard bildet da ein Alleinstellungsmerkmal im internationalen Bergrennsport. Für den aktuellen Weltmeister und zweimalige Gewinner der 24 Stunden von Le Mans ist es eine Freude und Selbstverständlichkeit bei seinem Heimatrennen das Zugpferd zu spielen, wenn es sein gut gefüllter Terminkalender erlaubt. Der Porsche-Werksfahrer und Teambesitzer nahm sich zwischen den Trainings- und Rennläufen ausgiebig Zeit für die Rennbesucher und man sah den Westpfälzer oft beim Autogrammeschreiben. Stets stand Timo bereit für ein gemeinsames Foto und hatte für jeden ein nettes Wort übrig.

Die Rennsportfans strömten in diesem Jahr in Massen an die Käshofer Straße, zur ältesten Motorsportveranstaltung des Saarlandes. Dies lag wohl in erster Linie an der Rennteilnahme des WEC-Weltmeisters, aber auch am neuen Marketingkonzept des Homburger AC, welches vom Team 75 Bernhard begleitet wurde. Das hochsommerliche Wetter war eine Komponente für ein klasse Rennwochenende in der Saarpfalz. Motivierend war dies alles auch für das neue Organisationsteam mit seinem neuen Kopf Sascha Ressmann. Schon im Vorfeld hatte man einiges im Organisationsbereich geändert und modernisiert, jedoch moderat. Feuertaufe bestanden! Das war am Sonntagabend die Quintessenz aus einem Rennwochenende das in die Clubgeschichte eingehen wird. Sascha Ressmann kündigte bereits an, „viele Ideen und Gedanken liegen bereits in der Schublade. Unser Team wird sich bis zum Rennen 2019 weitere den Hintern aufreißen, Punkte überarbeiten und eingefahrene Abläufe überdenken und einfach mit der Zeit gehen.“

Zum erwarteten Fünfkampf um den Gesamtsieg, den die Starterliste versprach, kam es nach Absagen und frühen Ausfällen leider nicht. Zudem wurde der bis nach dem zweiten Rennlauf führende junge Schweizer Robin Faustini im Reynard Mugen V8 von den Sportkommissaren vorzeitig aus dem Rennen genommen, da sein Fahrzeug zwar dem Schweizer jedoch nicht dem nationalen DMSB-Reglement entsprach. Dies wurde erst bei einer technischen Nachkontrolle festgestellt. Der Aargauer war zwar lediglich als Gastfahrer angereist um seinen neuen Boliden und Rennbedingungen weiter zu entwickeln, seine aller ersten Gesamtsieg hätte Robin jedoch gerne mitgenommen. Für die Zukunft kann man nur auf das von der FiA angekündigte revolutionäre Performance-Reglement hoffen, das die europäische Bergrennszene vereinheitlichen soll. So kam der 34jährige Franzose Anthony Loeuilleux in seinem Tatuus Formula Master mit 2-Liter Honda-Triebwerk zu seinem ersten Gesamtsieg in Deutschland, nachdem er in den beiden Vorjahren am Karlsberg jeweils unglücklich ausgeschieden war. Mit den aktuell beiden besten Deutschen Bergrennfahrern Thomas Conrad (CRS Renault) und Frank Debruyne im CR-Dallara Opel F3 lieferte sich der frühere Mechaniker des Luxemburger Hauser-Teams anfangs einen engen Dreikampf um Hundertstelsekunden, bevor er im letzten Lauf, der bereits um 16 Uhr 30 beendet war, alles klar machte. Aus Deutscher Sicht wurde die Mindeststarterzahl in der Division 2 der Rennwagen nicht erreicht, sodass es nur halbe DM- respektive DMSB Berg-Cup-Punkte zu ernten gab. Die holten sich auf den Plätzen vier bis sechs Christian Triebstein, Mathieu Wolpert (beide Dallara Formel 3) und Georg Lang im Formel Renault 2.0.

In der Division 1 stellte sich die Frage nach dem Tourenwagen-Gesamtsieger nicht wirklich. Timo Bernhard war wie erwartet das Maß der Dinge und dass noch auf seiner Hausstrecke. „Es ist eines der wenigen Wochenenden im Jahr, wo ich versuche meinen Ehrgeiz zu zügeln, scherzte der Rennprofi, der auch in seiner Freizeit vom Renn- und Rallyesport-Virus befallen ist. Mit einem Porsche 911 GT3 Cup, einem letztjährigen Carrera-Cup Fahrzeug, aus seinem gut bestückten Teamfundus fuhr er in der Tageswertung bis auf Platz sieben nach vorne. Zu einem Start im ADAC GT-Masters GT3-Porsche ließ sich Timo nicht überreden – seine Clubkameraden hoffen hier auf 2019. Anerkennung erntet der Tiroler Thomas Strasser im Minichberger VW Scirocco 16V vom HAC-Aushängeschild. Strasser kam Bernhard noch am Nächsten. In der E1-Klasse bis 2000 ccm rang er, bei seinem ersten Start auf der nach Glasbach wohl anspruchsvollsten Bergrennstrecke Deutschlands Dirk Preißer nieder. Der DM-Leader im Opel Kadett C 16V, der mindestens seit 10 Jahren die Käshofer Straße kennt, musste Strasser den Vortritt lassen. Ein gelungenes Comeback gelang in dieser Klasse Patrick Orth, der erstmals seinen neuen Gerent-Motor im bewährten BMW 320i E30 ausführen durfte und sogleich aufs „Klassen-Stockerl“ steigen durfte.

Die Gruppe G der Serien-Tourenwagen  präsentierte sich so zahlreich und gut besetzt wie schon lange nicht mehr bei einem DM-Lauf. Rallye-Ass Rainer Noller kehrte nach 23 Jahren wieder an den Ort seiner motorsportlichen Anfänge zurück und bewegte erstmals einen neuen Porsche 997 4S, mit dem auch Rallyeeinsätze plant sind. Dass der Schwabe sich auch am Berg gleich wieder heimisch fühlte, bezeugt sein absoluter neuer Gruppe-G Rekord in 1:23,444 min, aus dem ersten Rennlauf.

Die Deutsche Bergmeisterschaft legt nach dem fahrplanmäßigen Halt in Homburg eine kleine Sommerpause ein, bevor des Ende Juli und Anfang August mit einer „englischen Woche“, beim Hauenstein-Bergrennen in der Rhön und dem Osnabrücker Bergrennen, bereits in die Endphase der Meisterschaften geht.

Über Thomas Bubel 241 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.