Marcel Steiner Kolumne: Erster Streckenrekord mit dem LobArt

Es war eine strenge und kurze Woche nach Ecce Homo für mich und mein Team. Nach der schnellen tschechischen Strecke mussten wir das Set-Up am LobArt für das langsame Hemberg-Rennen modifizieren. Der Steiner Motorsport-Teambus inklusive Rennwagen und Material fuhr bereits am Donnerstag wieder Richtung Toggenburg, um unseren tollen Fahrerlagerplatz bei der Garage Theo Keller zu beziehen. Alle Einrichtarbeiten und die Wagenabnahme erledigten mein Vater Heinz und  Peter Sägesser, damit ich am Freitag noch bis Werkstattschluss arbeiten konnte. Danach reiste ich nach, um vor der Dunkelheit noch kurz die Strecke zu besichtigen. In Hemberg angekommen erfuhr ich, dass mein größter Rivale, Eric Berguerand, das Rennen kurzfristig abgesagt hatte.

Vor dem 1. Trainingslauf am Samstag besichtigte ich nochmals die Piste. Auf dem Weg zum Start stellte ich fest, dass die Straße an den schattigen Stellen vom nächtlichen Regen noch nicht ganz getrocknet war. In diesen Passagen war noch etwas Vorsicht geboten. Ansonsten fühlte sich die Fahrt ansprechend an und im Ziel stand die Anzeige bei 56.73. Kein anderer Teilnehmer schaffte die Strecke unter einer Minute und in diesem Moment wünsche ich mir mehr Konkurrenz. Es gab zwei Möglichkeiten – das Rennen eher gelassen nehmen oder versuchen, den Streckenrekord anzugreifen. Und wer mich kennt weiß: ich entschied mich für das Zweitere. Die knapp 8.000 Zuschauer und meine Gegner verdienten einen Wettkampf, bei dem ich mich maximal für den Rennsport einsetzte. Für den 2. Probelauf veränderte ich das Set-Up des LobArts nur sehr gering. Die Strecke bot aber massiv mehr Grip. Weil sich Peter Ammann vor mir gedreht hatte, wurde ich mit der roten Flagge angehalten und letztlich mit 2.38 Minuten gemessen. Zwischen dem 2. und 3. Training befreite ich zunächst mit dem Föhn die Reifen vom alten Gummi, entschied mich dann aber trotzdem für einen anderen Reifensatz. Die Unterstützung von Jörg Müller (21 Jahre Werksfahrer bei BMW) motivierte mich zusätzlich. Der LobArt fühlte sich gut an. Ich attackierte und realisierte eine Zeit von 54.99, also gleiches Niveau wie in 2017 im Rennen. Da ich die Reifen noch etwas schonen wollte, wechselte ich wieder auf die anderen zurück, die mich im 4. Versuch in 55.69 Sek. ins Ziel trugen. Kurz nach vier Uhr hatten wir unsere Trainingsläufe bereits absolviert und konnten so den Renntag vorbereiten.

In der Nacht auf Sonntag regnete es nochmals. Zwar begrüßte uns der Morgen mit Sonnenschein, aber wie tags zuvor war die Strecke teilweise noch feucht. Für das gesamte Feld stand noch ein Warm-up auf dem Programm, das ich mit 56.59 auf dem Niveau vom 1. Trainingslauf abschloss. Weil der Grip im Warm-up noch nicht so toll war traute ich der Strecke im 1. Rennlauf noch nicht die schnellsten Zeiten zu. So montierte ich zunächst die schnelleren Trainingsreifen, um allenfalls später mit neuen Sohlen auszurücken. Die vor mir gestarteten Tourenwagen fuhren aber bereits unter ihren Rekordzeiten. Hatte ich mich etwa verspekuliert? Der Start gelang mir optimal. In den ersten Kurven spürte ich viel Grip und konnte voll angreifen! Im oberen Teil unterliefen mir zwar zwei kleine Fehler, doch die Uhr blieb nach der Zieldurchfahrt bei 53.76 stehen. Das bedeutete: Streckenrekord um eine Zehntelsekunde unterboten und die Konkurrenz um vier Sekunden distanziert. Und ich konnte mir die neuen Reifen für das nächste Rennen aufsparen. Den zweiten (54.55) und dritten (54.79) Rennlauf ging ich etwas gelassener an.

Ich freue mich riesig über den ersten Gesamtsieg und über das Punktemaximum mit Zusatzpunkten für den Streckenreckord zum Start in die Schweizer Bergmeisterschaft 2018. Mit Spannung erwarte ich die Startlisten vom Bergrennen Reitnau (1. Juli) und Massongex (7./8. Juli) und hoffe, dass bis dahin alle Kontrahenten startklar sind und das Teilnehmerfeld etwas aufgestockt wird.

Bis bald…
Marcel

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.