Europas Topfahrer fasziniert vom Glasbachrennen

Herrlicher Sonnenschein und sommerliche Temperaturen begleiteten das diesjährige 23. Internationale ADAC Glasbachrennen auf Deutschlands längster und Europas modernster Bergrennstrecke mitten im Thüringer Wald bei Bad Liebenstein. Mit einer spektakulären Zeit von 1:58:395 min unterbot der Italiener Christian Merli seinen eigenen Streckenrekord vom Vorjahr um einen Wimpernschlag und erreichte dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 245 km/h auf der mit 35 Kurven bestückten und 5,5 km langen Naturrennstrecke zwischen Bad Liebenstein und dem Rennsteig. Über 12.000 Fans begleiteten den einzigen Europabergmeisterschaftslauf in Deutschland über das gesamte Wochenende. Bei zunächst unsicheren Wetterprognosen für das Rennwochenende mussten sich die 151 Fahrer aus 12 Nationen auf ein Wetterlotteriespiel einstellen, so schlimm kam es aber nicht. Nur ein kleiner Schauer im Verlauf des zweiten Durchgangs erwischte das Renngelände. Danke der Wertung zwei aus drei, hatte die Nässe kaum Folgen und am Ende ging Christian Merli mit einer unglaublichen Durchschnittsgeschwindigkeit von 167 km/h als Sieger hervor. Es war ein sehr spannendes Wochenende für den Italiener, denn seine Konkurrenten Sebastien Petit (FRA) und Christoph Lampert (AUT) waren ihm dicht auf den Fersen. Am Ende siegte Christian Merli mit einem Vorsprung von 7,288 sec in der Gesamtwertung vor seinen Konkurrenten. Bei den Meisterschaftsläufen zur Deutschen Bergmeisterschaft setzte sich Thomas Conrad gegen die internationale Konkurrenz durch. Erstmals waren auch 15 Fahrer aus Luxemburg zum Glasbachrennen am Start. Guy Demuth konnte mit einer Zeit von 2:06.949 min nicht nur gegen seinen Luxemburger Konkurrenten durchsetzen, sondern erlangte auch im Gesamtklassement einen hervorragenden 4.Platz.

Rund 360 Helfer in der Organisation sorgten über das gesamte Wochenende bei Fahrern, Zuschauern und Medien für ein rundum gelungenes Wohlfühlwochenende. Die große Gastfreundschaft im Örtchen Steinbach ist wohl auch einer Schlüssel zum Erfolg diese Events. Die große Akzeptanz der Rennveranstaltung in und um Steinbach, lässt sich gut an der Anzahl der mit Stolz getragenen „Glasbach-T-Shirts“ fest machen. Bei den gemütlichen Rennparty-Abenden auf dem kleinen Steinbacher Markplatz war man steht’s von T-Shirtträgerinnen und Trägern mit dem Glasbachlogo umringt. So manche Neuigkeiten und Verbesserungen auf dem Veranstaltungsareal wären noch Erwähnenswert, doch kommen wir nun zum sportlichen Report.

Das Christian Merli mit seinem Osella FA 30 Zytek LMR als einziger die 2-Minuten-Schallmauer knacken und kein weiterer Fahrer den Südtiroler ernsthalft gefährden kann, war spätestens nach dem Training klar. Die schwierigen 5,5 Kilometer auf den Sattel des Rennsteig ließen sich in allen Klassen und Gruppen die Zeitabstände deutlicher herausbilden als sonst wo. In der Gesamtwertung entbrannte so ein Kampf um Rang zwei, der nach den drei Trainingsläufen Patrik Zajelsnik im Norma M20 FC Mugen inne hatte. Doch am Sonntagmorgen fand der Sturmlauf des Freiburgers bereits bei Posten 12 ein abruptes Ende. Das Heck seines E2-SC Sportwagens bekam der Deutsch-Slowene nicht mehr unter Kontrolle und krachte mit dem Heck voraus in die Leitschienen. In der gleichen Sekunde geriet weiter oben auch der Belgier Jelle Deconinck, mit Motoraussetzern am Norma Honda-Turbo und einem Reifenstapelkontakt in Probleme und schied, nach Rang 5 im Training vorzeitig aus. Auch Sebastien Petit musste zuerst mit seinem Norma M20 FC auf dieser Strecke zu Recht kommen. Erst nachdem man leichte Probleme am Getriebe beseitigen konnte, ging es am Renntag deutlich schneller vorwärts und Rang zwei gelang. Christian Merlis neuer Schützling Christoph Lampert im Osella F30 Zytek LRM (Foto oben) verbesserte sich auf der für den Vorarlberger noch recht fremden Strecke erstaunlich schnell und begeisterte die Fans mit drei 04er Zeiten. Das bedeutet den ersten Podiumsrang in der Berg EM für Lampert überhaupt.

Kommen wir zu einzelnen Gruppen und Klassen: Die Gruppe G, die zu Beginn jedes Durchgangs als erstes an der Reihe ist, gewann Richard Bäther. Der Berliner Porsche-Pilot strandete aber im Ziel des zweiten Laufs mit einem Reifenschaden, und profitierte von der Wertung zwei aus drei. Ebenfalls mit einem Malheur als Hypothek gewann Rüdiger Zahn die Gruppe N/CTC bis 1400 ccm. Am Citroen des Rheinhessens versagte im Training das Fahrwerk. Die demolierte Front des AX GTi in Folge des Einschlags wurde am Abend gerichtet. In der Gruppe F bis 1600 ccm entwickelt sich der erst 21 Jährige Franke Markus Fink im Citroen C2 VTS mit dem Weiss-Motor zum Dauersieger, diesmal vor Andreas Gmeinder (VW Passant). Bis 2-Liter Hubraum muss sich mittlerweile Kai Neu im Ford Focus ST mit der gesamten Familie Orth herumschlagen. Gegen das Familienoberhaupt Ralf Orth hatte der Homburger diese Saison bereits den Kürzeren gezogen. Jetzt machte ihm Patrick Orth, der noch immer auf den neuen Motor für seinen E1-BMW wartet, das Leben schwer. Bei diesem Figth wurden erstaunliche Zeiten gefahren und Orth siegte zum guten Schluss.

Mit sechs Fahrzeugen waren die NSU´ler an den Glasbach gekommen und eröffneten die Gruppe E1. Steffen Hofmann siegte im weißen Davidovic-NSU vor Jörg Höber und Thomas Krystofiak. Bis 1150 ccm siegte der Rhöner Dominik Schlott im VW Schneider Polo 16V vor Hugo Moser. Der Überraschungssieger im Feld des KW Berg-Cup hieß im südlichen Thüringen Nils Abb (Foto Mitte) aus der Klasse bis 1400 ccm. Der Unterfranke bezwang im 8V-Polo seinen 16V-Kollege Armin Ebenhöh (VW Scirocco) und mit weiterem Abstand Thomas Pröschel im VW Corrado. Zum Erstaunen brachte Franz Weissdorn die Berg-Cup Szene, als der Niederbayer mit seinem zuvor ausrangierten VW Polo auftauchte. Sein neu aufgebauter VW Scirocco 16V ging unter Woche nach einem kurzfristigen Kaufgebot für gutes Geld in die Schweiz. In der 1600er Klasse vergnügte sich Stefan Faulhaber im Opel Kadett 16V, nach technischen Problemen am Spiess Golf von Helmut Maier am Sonntag alleine. In der 2-Liter-Klasse profitierte mit Dirk Preisser ein weiterer Pilot von „Zwei aus Drei-Wertung“, sonst wäre der sichere Klassensieg futsch gewesen. Der Schwabe rutsche in Lauf zwei auf noch teilweise feuchter Strecke in den Graben. Norbert Wimmer (BMW 2002 8V) belegte hier einen hervorragenden zweiten Platz vor Hansi Eller im noch in der Entwicklung steckenden VW Corrado 16V aus dem Hause Minichberger. Bis 3-Liter Hubraum verzichtet DM-Leader Günter Göser auf die Teilnahme und überließ dem jungen Marcel Gapp im BWM M3 das Feld, der seine Chance mit einem Sieg nutzte, vor dem Norddeutschen Audi-Piloten Michael Weber. Norbert Handa im Lancia Delta Evo III hatte wenig Mühe die 3-Liter-Klasse zu beherrschen. Porsche-Debütant Jochen Stoll wurde mit dem 997 GT3 Cup zweiter vor dem Luxemburger Glasbach-Neuling Chalres Valentiny im Subaru Impreza WRX.

Kommen wir zu den GT-Fahrzeugen, die um die Berg-Europameisterschaft der Kategorie 1 fahren. Der junge Franzose Pierre Courroye im herrlichen McLaren MP4-12C führt in der Wertung zur EM-Halbzeit nach seinem erneuten Gruppensieg in Deutschland. Hier ist jetzt die Frage ob Courroye nun seine ursprüngliche Saisonplanung ändert und die EM-Krone ins Visier nimmt, sonst könnte noch der Slowake Jan Milon im McLaren 650S zum Zuge kommen. Mit Rang zwei in Steinbach sammelte Milon weiter fleißig EM-Zähler. Aus der Tschechischen Republik kommt auch der Sieger der Gruppe E2-SH mit Vladimir Vittver im ex-DTM Audi TT, deutlich vor dem Italiener Fulvio Giuliani im Lancia Delta Proto.

Wie in der Berg-EM üblich, unterscheiden sich die offenen Sportwagen nach Gruppe CN oder E2-SC-Reglement. In der Gruppe CN nicht am Start war EM-Leader Andrea Bormolini, der bereits die maximale Punktausbeute aus der ersten Halbsaison erreicht hatte und daher zuhause blieb. Dafür trumpfte der junge Belgier Corentin Starck im Osella PA 21 Honda 2 Liter mächtig auf und gewann. Der Nachwuchsmann musste am Samstag Geduld mitbringen und auf ein Ersatzteil warten, welches er nach dem „Shakedown“ vom Freitagabend benötige. Er konnte erst zum letzten Trainingslauf ins Geschehen eingreifen. Mit zu den Überraschungsleuten des Wochenendes gehörte ohne Zweifel auch der junge Hendrik Uenzen, bei seiner Rennpremiere im neu angeschafften Norma M20F Honda (Foto unten). Der Bursche aus dem Bayrischen Schwabenland verzichtet aufs „einrollen“ und fuhr trotz einem leichten Leitplankenkontakts sogleich auf Rang zwei der Gruppe, noch vor den arrivierten Berg DM- und Markenkollegen Dino Gebhard und Günter Miethke. In der Gruppe E2-SC meldeten dagegen Uwe Wolpert und Thomas Conrad. Letzterer war am Ende bester Deutscher der Gesamtwertung auf Rang 8. In der 2-Liter-Klasse musste sich der Schwabe aber den spanischen Ex-F1-Testfahrer Javier Villa im BRC BR51 und den Tschechen Petr Trnka (Ligier JS53 Honda LRM) klar beugen.

Bleibt noch ein Blick auf die Klasse der Formel-Rennwagen (E2-SS) bis 2000 ccm. Hier streckten sich die fünf Deutschen Formel 3 und Formel Renault-Piloten vergeblich nach dem Sieg, den Martin Vondrak im Tatuus Master Honda nach Tschechen entführte. Der Deutsche Meister Frank Debruyne verfehlte im CR-Dallara F303 den Sieg nach insgesamt 16,5 Rennkilometern um 0,8 Sekunden. Mathieu Wolpert, ebenfalls auf Dallara F303, konnte Rang drei vor Christian Triebstein (Dallara F302) knapp retten. Durch einen unachtsamen Moment im letzten Trainingslauf, verpasste Frank Debruyne die zwei DM-Zähler die es an dieser Stelle zu verdienen gibt an Christian Triebstein.

Die thüringische Heilbädertour in der Deutschen Bergmeisterschaft geht bereits am kommenden Wochenende in die zweite Runde mit dem 23. ADAC Ibergrennen in Heiligenstadt. Dann sind die deutschen Bergspezialisten unter sich und im positiven Sinne wieder mal auf dem Holzweg.

Weitere Infos:
http://www.vola-racing.com/msportspro/ralfhartung
www.glasbachrennen.de

Über Thomas Bubel 225 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.