Emotionen pur nach Conrads erstem Gesamtsieg

Das Wolsfelder Bergrennen kann man durchaus mit dem Fußball DFB-Pokal vergleichen – es gelten eigene Gesetze, denn die Charakteristik der Bergrennstrecke von Wolsfeld ist einzigartig im Kalender der Deutschen Bergmeisterschaft, des KW Berg-Cup und der gastierenden Luxemburger Bergmeisterschaft. Nach der breiten und extrem schnellen Luxemburger Piste von Eschdorf wechselte man zum Pfingstwochenende die wenigen Kilometer herüber ins beschauliche Wolsfeld vor den Toren der Bierstadt Bitburg. Die charismatische Bergrennstrecke in der Südeifel mit seinen schmalen, engen, welligen und winkligen Abschnitten erinnert eher an eine Rallyepiste, und viel PS unter Motorhaube sind hier eher hinderlich. Man wundert sich dass hier die WM-Helden der Rallye Deutschland noch nicht aufgetaucht sind. Das Wetter zur 56. Ausgabe des Bergklassikers spiele im Großen und Ganzen gut mit, nur am Trainingstag dem Pfingstsonntag beließ man es bei einsetzendem Regen, kurz nach dem Ende des zweiten Laufs dabei.

Frank Debruyne vom pfälzischen CR-Racingteam reiste als Leader im DMSB Berg-Cup für Rennwagen und als Vierter in der Deutschen Bergmeisterschaft in die südliche Eifel. Im Gepäck hatte er wie immer seinen AST-Dallara F303 Formel 3. Der Badische Formel 3-Spezialist war von den „Buchmachern“ zum Favoriten auf den Gesamtsieg erkoren worden, doch im Laufe des Trainings meldete auch Sportwagenpilot Thomas Conrad seine Ansprüche an. Die beiden Rivalen hielten sich dennoch vornehm zurück und zogen nicht alle Asse aus dem Ärmel. Am Renntag sollte die Hatz erst richtig beginnen. Nach einem Motorschaden in Eschdorf wurde Conrads 2-Liter Eigenbau-Sportwagen vom Typ CRS MTK 55/7 mit Renault-Triebwerk erst in letzter Minute fertig und das Team aus Schwaben war gespannt ob alles halten würde. Dies bewahrheitete sich und schnell war klar – es geht noch mehr! Mit einer tollen Performance fuhr Thomas Conrad am Pfingstmontag zum ersten Tagessieg seiner Karriere. In allen drei Durchgängen setzte Conrad knapp die Bestzeit vor Frank Debruyne, der in der Summenwertung nach drei Durchläufen nur 0,7 Sekunden Rückstand hatte und wie im Vorjahr hauchdünn seinen ersten Gesamtsieg verpasste. „Ich gönne natürlich Thomas den Sieg, aber hätte selbstverständlich lieber selbst das goldene Bit-Fass für den Gesamtsieg mit nach Hause genommen“, resümierte ehrlich heraus Frank Debruyne fair bei der Siegerehrung. Sichtlich gerührt nahm Thomas Conrad sein erstes Fässchen, das es traditionell in Wolsfeld für den Gesamtsieger gibt entgegen. Nebenbei gewannen Conrad und Debruyne die 2-Liter-Klassen bei den Sport- und Formelwagen souverän, und kassierte dafür anständig Punkte in der Bergmeisterschaft. Sehr zufrieden mit dem erreichten dritten Podiumsrang zeigte sich der junge Georg Lang, der seinen Tatuus Formel Renault nach einem Crash beim DM-Finale 2017 über den Winter neu aufbauen musste und die Gelegenheit nutzte um eine Evolutionsstufe zu zünden. Wegen Lieferschwierigkeiten des neu vorgeschriebenen FiA-Tanks, stand die Teilnahme des Sohns des vierfachen Bergmeisters Uwe Lang, auf dem Spiel. Mit einem reglementskonformen aber von Thomas Löscher geliehenen Treibstoffbehälter konnte der Schweinfurter dann doch noch an die Startlinie rollen und seinen dritten Gesamtrang aus dem Vorjahr bestätigen.

Im DMSB Berg-Cup für Tourenwagen kassierte Lokalmatador Patrick Orth im von Stefan Faulhaber zur Verfügung gestellten 1,6 Liter Opel Kadett C 16V volle Punkte. Minimal schnellen waren da nur der Österreicher Thomas Strasser im 2 Liter VW Scirocco 16V als überraschender Tourenwagen-Gesamtsieger und der Schweizer Bruno Ianniello im spektakulären Lancia Delta S4, die beide mangels DMSB-Lizenz nicht punktberechtigt sind. Routinier Norbert Handa im Lancia Delta Integrale Evo belegte in seiner wohl letzten Rennsaison Rang vier und führt weiter die Tabelle im DMSB Berg-Cup „TW“ an. In den zahlreichen Hubraumklassen kristallisieren sich langsam die Favoriten im Rennen um den Titel des Deutschen Bergmeisters 2018 heraus. In der Gruppe A / F / CTC verlor in der Klasse bis 1600 ccm Markus Fink im Citroen C2 in sicherer Führung liegend nach seinem technischen Ausfall, an Boden. Gastfahrer Thomas Krüger im Honda Civic staubte den „11-Meter“ ab. Boden gut machen konnte dagegen der Saarländer Kai Neu mit seinem Sieg in der 2-Liter-Klasse im Ford Focus ST. Eschdorf-Sieger und BMW-Pilot Ralf Orth, Papa von Patrick, schaffte an seinem Hausberg nur Rang vier hinter Markus Goldbach und dem amtierenden nationalen Bergmeister Björn Wiebe (beide Renault Megane), der dieses Jahr nur sporadisch zu den Bergrennen kommen wird. Über 2000 ccm feierte ex-Europameister Roland Wanek seine zweiten Klassensieg der Saison.

Kommen wir zu den restlichen E1-Spezialtourenwagen-Klassen: Zweiventiler-Sieg durch Tobias Stegmann im 1150 ccm VW Polo 8V vor Schwiegervater Bernd Deutsch und 16V´ler Jürgen Schneider. Bis 1400 ccm gewann Hans-Peter Eller im VW Scirocco deutlich vor dem Bergmeister von 2016 Armin Ebenhöh im VW Polo 16V und Frank Lohmann im 8V-Polo. Ebenfalls seinen zweiten Saisonsieg gelang Günter Göser auf Opel Kadett C 16V in der großen Hubraumklasse über 2000 ccm. Damit setzt sich der Allgäuer erst einmal an die Spitze der Berg DM-Wertung.

Kurz noch zum NSU-Bergpokal, dessen Teilnehmer nicht im DMSB Berg-Cup gewertet werden. Auffallend ist hier die erneute Steigerung von Rückkehrer Frank Genbrock, der sich nach 14 Jahren Pause immer besser im kleinen NSU TT von Team-Partner Jörg Höber zu Recht findet. Der ehemalige KW Berg-Cup Gesamtsieger stapelt noch tief, aber Jörg Davidovic der schlussendlich die Gruppe gewann, spürte bereits den Atem des Ruhrpott´lers im Nacken. Uwe Schindler auf Platz drei, konnte im ersten Rennlauf noch mit den Beiden an der Spitze mithalten, rutschte aber später zeitlich ab.“Best of the Rest“ war auf Rang vier, der junge Cup-Neuling Andreas Reich, Sohnemann des NSU-Motoren-Pabst Edgar Reich.

Schnellster Luxemburger des Wochenendes war Daniel Donkels im Tatuus Formel Renault 2.0 auf Gesamtrang 13. Formel-Kollege Leon Linden, der am 26. Mai seinen 80. Geburtstag feiern kann, beherrschte seinen Dallara F304 Formel 3 wie eh und je und fuhr im 136 Fahrer starken Teilnehmerfeld auf Gesamtrang 26. Im Tourenwagenbereich der Luxemburger Bergmeisterschaft siegte Charles Valentiny im Subaru Impreza WRX, um ein Haar über Canio Marchione im ex-Rottenberger BMW 320 STW. Der Italo-Luxemburger ist mit der Performance des völlig überarbeiteten ehemaligen Deutschen Meisterautos noch nicht ganz zufrieden und befindet sich noch in der Abstimmungsphase. Nico Schilling im kompakten Subaru Impreza WRX vervollständigte dieses Podium.

Weiter dreht sich das Karussell in der Berg DM, im KW Berg-Cup und erstmals in der Luxemburger Meisterschaft am 09./10. Juni beim Berg-EM-Lauf in Bad Liebenstein am Glasbach in Thüringen, wo die geballte internationale Konkurrenz auf die hiesigen Bergspezialisten wartet. Schlag auf Schlag geht es dann nur eine Woche später an den Iberg nach Heiligenstadt, vom Süden in den Norden des Freistaat Thüringens, dann aber ohne unsere Luxemburger Freunde.

Weitere Infos:
www.emsc-bitburg.de

Über Thomas Bubel 252 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.