Topfeld zum Eschdorf-Jubiläum mit 190 Fahrzeugen am Start

Anfang September 1988 gewann der Franzose Hervé Bayard im Martini-BMW Mk32 Formel 2 die Erstausgabe des Eschdorfer Bergrennens mit 20 Hundertsteln Vorsprung auf Jozef Zajelsnik im Ralt Rt20 BMW. Knapp 30 Jahre später organisiert die Union des Pilotes nun am Wochenende des 5./6. Mai zum 30. Mal ihr traditionelles «European Hill Race», Lauf zur Luxemburger und zur deutschen Bergmeisterschaft sowie zum «KW-Berg-Cup» und dem NSU-Bergpokal. Einmal mehr wird sich also in dem kleinen Ardennerdörfchen Eschdorf zwischen Wiltz und Ettelbrück im Norden Luxemburgs alles um den Motorsport, PS und hochdrehende Power drehen. Sehr zur Freude der voraussichtlich erneut zahlreichen Zuschauer, die nicht nur aus Luxemburg, sondern vor allem auch Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, ja sogar der Schweiz und England anreisen werden, genießt das European Hill Race doch bis weit über die Grenzen Luxemburgs einen ausgezeichneten Ruf bei den Rennsportfreaks und zählt somit ohne Übertreibung zu den zehn meistbesuchten Sportveranstaltungen des Großherzogtums.

Eines der qualitativ besten Startfelder, das Eschdorf je sah, mit knapp 190 Fahrer aus Deutschland, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Grossbritannien, Slowenien und natürlich Luxemburg hat sich zur Jubiläumsausgabe eingeschrieben, um in den Kampf der einzelnen Wertungen zum Gesamtsieg, zu Gruppen- und Hubraumklassensiegen, Damen-Pokal oder noch der Junioren-Wertung für U25-Fahrer zu ziehen. Drei Trainingsläufe sind am Samstag ab 9.15 Uhr vorgesehen, drei Rennläufe (so es keine zu großen Zeitverzögerungen wegen zu zahlreichen Ausrutschern geben möge) am Sonntag ab 8.30 Uhr. Zu bemerken auch, dass die komplette Strecke von 1,850 km seit zwei Jahren über neuen Belag verfügt.

Nach sieben Vize-Bergmeistertiteln 2004, 2006-2010, 2012, 2015 und 2016 konnte sich Sébastien Petit im Vorjahr endlich den französischen Bergmeistertitel sichern. Die Saison 2018 begann er mit einem wahren Highlight, als er am Col St Pierre (F) zum Auftakt der Berg-EM seit langen Jahren der erste Fahrer war, der die Phalanx der italienischen Bergtenöre schlagen konnte. In Eschdorf nun möchte Petit im Norma M20 FC mit 3 Liter-V8-Mugen-Honda-Motor nach seinen beiden dritten Plätzen 2014 und 2015 diesmal nach zwei Jahren Abwesenheit erstmals zum Sieg fahren. Der Eschdorf-Sieger 2013, vierfache Schweizer Bergmeister 2010, 2011, 2012 und 2017 sowie deutsche Bergmeister 2008 Marcel Steiner seinerseits konnte am österreichischen Rechberg beim zweiten EM-Lauf Platz 3 direkt vor Seb Petit belegen, sein LobArt-Mugen Honda scheint nun ausgereift, um ganz vorne mitzufahren. Ob wohl nach den Siegen von Vater Heinz in den Jahren 1995 und 1996 vielleicht nun dieses Jahr auch für Marcel zum zweiten Mal in Eschdorf die Siegesglocken läuten werden? Mit Platz 2 in den Jahren 2014, 2015 und 2017, P3 2007, 2012 und 2016, P4 2013, aber auch als Dritter der Gesamtwertung und zugleich Goldmedaillengewinner in der Kategorie der FIA-Rennsportfahrzeuge beim ersten FIA Masters im Oktober 2014 auf der gleichen Strecke möchte der vierfache Schweizer Bergmeister 2013-2016 Eric Berguerand im Lola-Cosworth FA99 F3000 endlich jenes oberste Podesttreppchen erklimmen, das er bislang so oft in Eschdorf knapp verpasste….kurzum, die Strecke liegt dem angriffslustigen Schweizer bestens, fehlt nur noch der langersehnte Siegerpokal.

Allerdings: nach zwei Jahren Rennpause kehrte im Vorjahr der vierfache belgische Bergmeister 2011-2014 Jelle De Coninck am Lenkrad seines nagelneuen Norma-Honda M20 FC Turbo zurück nach Eschdorf und konnte sich auf Anhieb als überraschender Gesamtsieger feiern lassen. Mit wahrscheinlich – mit Abstand – dem PS-stärksten Fahrzeug im Spitzenfeld und seinem herausragenden Fahrtalent könnte dem jungen Flamen durchaus auch dieses Jahr das gleiche Kunststück gelingen. Ohne den Deutsch-Slowenen Patrik Zajelsnik zu unterschätzen, der im neuen Norma-Mugen Honda M20 FC im Vorjahr beim bekannten Osnabrücker Bergrennen als Gesamtdritter sowohl Steiner, Berguerand als auch De Coninck hinter sich lassen konnte. Oder noch den französischen Bergmeister der 2. Division 2015 Cyrille Frantz, seit Mitte der 1990er treuer Gast in Eschdorf mit unzähligen Top5-Platzierungen, vor allem dem 3. Platz im Vorjahr, der nun endlich im nagelneuen Osella-Ford Cosworth PA30 Evo 18 an den Gesamtsieg seines älteren Bruders Fabien aus dem Jahre 2011 anknüpfen möchte.

Allesamt Spitzenfahrer, die sich einen Kampf um Bruchteile von Sekunden leisten werden, um untereinander den Gesamtsieger zu küren und gleichzeitig den seit dem FIA Masters 2014 in 48,344 sec. gehaltenen Streckenrekord des Franzosen Nicolas Schatz im Visier haben werden, aber auch vor einer ganzen Heerschar an Aussenseitern auf der Hut sein müssen, wie etwa dem Luxemburger Bergmeister 2014 Tommy Rollinger im Osella-Zytek FA30, dem siebenfachen Luxemburger Bergmeister Guy Demuth (2003, 04, 05, 07, 10, 11 und 12), der in Eschdorf erstmals seinen neuen Norma-Judd M20 FC V8 3L einsetzt, oder auch dem 20-jährigen Schweizer Nachwuchstalent Robin Faustini beim ersten Einsatz seines neuen ex-Geoffrey Schatz-Reynard-Mugen Honda K01 F3000/Nippon. Ohne den wunderschönen Osella PA 27 mit auf knapp 500 PS gedrosseltem Megatron-Mader-ex-Formel 1-Turbo-Motor (Arrows und Ligier in den späten 1980ern) des Franzosen Benjamin Vielmi zu vergessen. Oder noch den vierfachen belgischen Bergmeister 2010, 2015-17Jacques Marchal im Norma-BMW 3L und den vierfachen Sieger des belgischen Bergpokals 2014-17 Anthony Loeuilleux (F) im Tatuus-Honda Formel Master. Sowie „last but not least“ den sehr schnellen Briten Darren Warwick im Dallara mit 2 Liter-Opel/Vauxhall-STW-Motor. Alles Fahrer, die, wie viele andere mehr, zumindest einen Platz in den Top10 anpeilen.

Kurzum, ein Feld von 24 zweisitzigen Sportprototypen (davon allein 7 mit 3 Liter-V8-Motoren, bislang am Berg europaweit nie dagewesen) und 29 einsitzigen Formelwagen mit u.a. auch dem zweifachen deutschen Bergmeister Frank Debruyne (Dallara-Opel Spiess F303), dem inzwischen fünffachen F3-Sieger in Eschdorf Ludovic Cholley aus Frankreich auf seinem neuen Dallara-Mercedes F308, einer von insgesamt fünf eingeschriebenen Dallara-Mercedes Formel 3. Aber auch den „jungen Wilden“ aus der 2 Liter-Sportwagen-Klasse Kevin Durot (Sieger der „Coupe de France“ der Bergrennen 2014) und seinem Landsmann Julien Français (beide auf Norma-Honda M20 FC) sowie dem Belgier Corentin Starck, der dieses Jahr einen Osella-Honda PA 21 Evo einsetzt, junge Heisssporne, die im Kampf um den Klassensieg auf den Österreicher Peter Amann im ex-Merli-Osella-Honda PA2000 sowie den Schwaben Thomas Conrad im Eigenbau-MTK-Renault achten müssen. Erwähnen wir schließlich aber auch noch aus Luxemburger Sicht den Bergmeister 2017 der Rennsportfahrzeuge Daniel Donkels (Tatuus-Renault), Bergrennsportlegende Léon Linden, der sich 21 Tage vor seinem 80. Geburtstag erneut ans Lenkrad seines Dallara-Opel setzen wird, den jungen Kevin Reding beim ersten Start im G-Force Mugen Honda Nippon V8 von Guy Demuth, sowie den in Österreich lizenzierten Nic Brebsom im soundstarken Norma-NME V8. Und in Sachen Kurioses am Rande sei auch noch der Reynard 88D mit 3 Liter-Volvo-Motor des Deutschen Franz Seitz genannt.

Eine weitere Vorschau auf das Tourenwagen und GT-Feld in Eschdorf folgt.

von Patrick Weber

Über Thomas Bubel 277 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.