Pikes Peak in der Vulkaneifel

Wenn sich beim ADAC Eifel Rallye Festival jedes Jahr rund um Daun über 150 Fahrzeuge der Rallye-Geschichte treffen, um die Historie dieses faszinierenden Sports zu zelebrieren, gibt es immer ein besonderes zusätzliches Thema. Für die aktuelle Ausgabe (19. bis 21. Juli 2018) haben sich die Veranstalter für das legendäre Pikes Peak International Hill Climb entscheiden. Der Pikes Peak ist ein 4.301 m hoher Berg in den Rocky Mountains im US-Bundesstaat Colorado. Die Renndistanz von 19,99 Kilometer umfasst 156 Kurven und wurde in den 80er-Jahren noch komplett auf Schotter ausgetragen. Vom Start auf 2.862 Metern Höhe geht es mit durchschnittlich 7% Steigung über 1.439 Meter Höhenunterschied bis zum Ziel auf dem Gipfel.

So besonders wie die Strecke des Pikes Peak ist auch seine Rolle für den Rallyesport. „Der Pikes Peak wurde nach dem Ausschluss der Gruppe B aus der Rallye-WM zu einem neuen Zuhause für diese spektakulären Monster“, weiß Reinhard Klein (Köln) aus eigener Erfahrung. Der Mitorganisator und Kopf von Slowly Sideways, der Vereinigung von Besitzern historischer Rallye-Boliden, war damals als Fotograf von Ort. „Bei dem Bergrennen sind die Gruppe-B-Autos von Audi, Peugeot, Ford, Lancia und Austin Rover in ihrer extremsten Form gefahren. Und genau so möchten wir sie in die Eifel holen. Bei der Auswahl der Teilnehmer legen wir, wie auch im gesamten Festival-Feld, großen Wert auf Originalität oder originalgetreue Nachbauten.“Die Pikes Peak-Boliden werden bei zwei ausgewählten Prüfungen antreten. Sie starten am Freitagabend auf dem Nachtrundkurs „proWIN Hilgerath“ und am Samstag beim zweiten ‚Risselberg‘-Durchgang, die Prüfung führt passenderweise über eine ehemalige Bergrennstrecke.

Highlights in der Pikes Peak Parade: Während für das Teilnehmerfeld des Eifel Rallye Festivals ab sofort die Nennungen möglich sind, stehen einige Highlights für die Pikes Peak Parade schon jetzt fest. Audi Tradition öffnet seine Museumstore und bringt zwei originale Siegerwagen mit in die Vulkaneifel. Zum einen den Audi Sport Quattro, mit dem Michèle Mouton 1985 gewann, und zudem den absoluten Über-S1. Das ‚Flügelmonster‘ Audi S1 Pikes Peak, den Walter Röhrl 1987 mit rund 600 PS zum Sieg pilotierte. Den Mouton-Quattro wird Harald Demuth ausführen, das „Flügelmonster“ wird nach aktuellen Stand Röhrl himself steuern. Einen weiteren Siegerwagen bringt der Stuttgarter Wolf-Dieter Ihle an den Start, es handelt sich um den Audi Quattro A2 von 1983. Wie damals wird das amerikanische Rallye-Ass John Buffum am Steuer sitzen. Audi hat am Pikes Peak von 1982 bis 1987 sechs Mal in Serie gewonnen, mit dem Audi Quattro A2, dem Audi Sport Quattro und dem Audi S1 Pikes Peak sind alle damals eingesetzten und siegreichen Modelle in der Eifel erstmals vereint.

Ein ganz besonderes Fahrzeug wird in der Eifel seine ersten Kilometer nach dem Pikes Peak-Einsatz 1986 absolvieren. Ebenfalls aus dem Fundus von Ihle stammt der VW Golf Bimotor. Der Doppelmotor-Golf – bei der Restauration kamen noch einige Kilo Sand aus Colorado ans Tageslicht – wird wie damals von Ex-Europameister Jochi Kleint pilotiert. Wie in Stuttgart werden auch bei Erich Müller in Österreich die Lichter in den „Schrauberhallen“‘ bis zum Festival nicht mehr ausgehen. Peugeot forderte 1987 mit drei Peugeot 205 T16 Pikes Peak Audi heraus. Die drei Einsatzfahrzeuge existieren jedoch nicht mehr. Zwei wurden 1988 als Basis für die dann eingesetzten 405 T16 umgebaut, einer wurde für Rallyecross-Einsätze modifiziert. Diese Lücke füllt Müller und baut einen originalgetreuen 205 T16 Pikes Peak neu auf, die Jungfernfahrt mit ihm am Steuer wird dann beim Festival erfolgen. Der Brite Mark Rennison bringt den originalen Ford RS200 mit nach Daun, mit dem er selbst am ‚Race To The Clouds‘, dem ‚Rennen zu den Wolken‘, teilgenommen hat. Initiiert hat diesen Einsatz Festival-Dauergast John Wheeler, der gleichzeitig auch der „Vater“ des RS200-Projektes bei Ford war. „Das ist schon eine wirklich sehr beachtliche Pikes Peak-Starterliste, auf die wir sehr stolz sind. Aber es laufen noch Gespräche und es ist gut möglich, dass sich das eine oder andere ‚Schätzchen‘ noch dazu gesellt“, sagt Orga-Leiter Otmar Anschütz (Daun) vom veranstaltenden MSC Daun.

Walter Röhrl: Toll, dass Audi dieses Auto nochmals zeigt: Doppelweltmeister Walter Röhrl erinnert sich noch genau an jedes Detail seines Sieges am Pikes Peak von 1987. „Es ist toll, dass Audi diesen einmaligen S1 wieder aus dem Museum holt und der Öffentlichkeit in Aktion zeigt“, freut sich der lange Regensburger. Für den Erfolg bei seinem ersten und einzigen Start in Colorado sieht er zwei Gründe: „Die Audi-Techniker hatten schnell verstanden, dass auch mit Allradantrieb auf Schotter Downforce, also ein Flügelwerk, erforderlich ist.“ Nach den ersten Fabelzeiten mit dem rund 600-PS-starken ‚Flügelmonster‘ im Training versuchte vor allem Peugeot noch vor Ort ein eigenes Flügelwerk zu bauen, sie konnten den Siegeszug der Kombination Röhrl im S1 am Pikes Peak jedoch nicht verhindern. Der zweite Grund liegt wohl in der akribischen Vorbereitung des Rallye-Genies. „Mit meiner Frau Monika bin ich im Straßenauto achtmal den Berg hinaufgefahren und habe mit ihr einen Aufschrieb gemacht. Dann habe ich jeder der 156 Kurven einen Namen gegeben und sie auswendig gelernt“, verschmitzt fügt Röhrl hinzu, „im Gegensatz zu manchem meiner Konkurrenten wusste ich zu jeder Zeit, wo ich gerade bin.“ Besonders stolz ist Röhrl auf den 1987 aufgestellten Streckenrekord, er fuhr erstmals eine Zeit unter elf Minuten.

von Jürgen Hahn

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Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.