Daniel Donkels on top!

Mit Daniel Donkels können wir einen neuen Meister in der Kategorie Sportwagen der Luxemburger Bergmeisterschaft feiern, der sich von klein auf nach vorne gekämpft und mit bescheidenen Mitteln in dieser Saison tatsächlich Großes geleistet hat.

Im Motorsport mangelt es nicht an Angebern, die es nur wegen einem endlos scheinenden Budget weit nach oben schaffen. Daniel Donkels ist das genaue Gegenteil, er verkörpert den jungen ehrgeizigen Kerl, der sich schon immer für schnelle Autos begeistert hat und mühevoll seinen Weg gegangen ist, und das ohne viel Geld. An der Seite seines Vaters besuchte er Autorennen soweit er zurückdenken kann, jedes Wochenende konnte man die Beiden auf einer Rennstrecke, bei einem Bergrennen oder einer Rallye antreffen. Nicht zuletzt deshalb bezeichnet Daniel Donkels Spa-Francorchamps als seine „zweite Heimat“. Die Piloten waren die Helden in seinem Leben und wenn er mit ihnen ein Wort wechseln konnte, dann war dies ein unvergessliches Erlebnis. So wie der Umstand, dass der leider viel zu früh verstorbene Camille Justen unseren Protagonisten beim Bergrennen in Laroche (B) von der Zielankunft in seinem Opel Calibra runter in eine Kurve mitnahm, wo der Knirps dann den nächsten Lauf verfolgen konnte. Einmal im Rennauto sitzen und sich die Strecke, wenn auch verkehrt herum, anschauen, das war schon was!

Mit 13 Jahren fing er mit dem Kartfahren an, zuerst allerdings nur auf gemieteten Untersätzen. Zwei Jahre später kaufte er von seinem Ersparten den ersten Zweitakter. Kaum hatte der am 7. September 1985 geborene Daniel den Führerschein erworben, wurde die Peugeot Driving Academy in Malmedy besucht. Durch Vermittlung von Patrick Gassmann, der in belgischen Rennsportkreisen kein unbeschriebenes Blatt ist, schaffte es Daniel Donkels zum ersten richtigen Autorennen, 2007 bei den 25h Spa im VW Fun Cup, wo sein deutsches Team Platz 25 unter 170 Startern belegte. Zusammen mit seiner Partnerin Sandra Becker erfolgte dann der Kauf des ersten richtigen Rennwagens, einem BMW E36 318is. Seinen Privatwagen, einen Clio 3 RS, baute er zwei Jahre später nach Gruppe N-Reglement um, womit sie sich dann sowohl an der Berg- als der Slalom-Meisterschaft beteiligten. Kurz darauf bestritt er zusammen mit Sandra die erste Rallye und zwar die Éisleck, was für den Moestroffer gewissermaßen ein Heimspiel war.

Seine Karriere verfolgte er weiterhin in kleinen Schritten, so wie es ihm sein Budget erlaubte. Als nächstes folgte der Kauf eines Renault Clio 3 Cup. Leider währte das Glück nicht lange, denn Regeländerungen bewirkten, dass der Clio in die Gruppe E1 eingestuft wurde, wo gute Ergebnisse fast unmöglich erschienen. Für einen richtig schnellen E1-Tourenwagen fehlte im Winter 2015 das Geld und nach langen Überlegungen fiel die Wahl auf den ersten Formelwagen, und zwar den Tatuus Formel Renault mit 2-Liter-Motor. Bestückt mit einem Karbon Monocoque, leistet der Renner 196 PS bei 490 kg Gewicht. Leider ließ die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs sehr zu wünschen übrig. Nach einer neuerlichen Revision über den vergangenen Winter ging unser Meisterschüler eigentlich ganz optimistisch in die neue Saison, konnte zu Beginn auch etliche gute Resultate herausfahren, bevor Mitte des Jahres die Ärgernisse wieder zunahmen und die leidigen Getriebeprobleme ihn fast zur Verzweiflung trieben. In Osnabrück erhielt er zudem von seinem Konkurrenten Pascal Perez (B) einen Crash-Kursus in punkto Motor-Getriebe und dergleichen, was ihm immerhin ermöglichte, die Zielflagge zu sehen. Beim letzten Rennen der Luxemburger Berg-Saison im elsässischen Turckheim lief schließlich alles auf ein Duell zwischen Léon Linden und Daniel Donkels hinaus. Der Schnellere von beiden sollte die Meisterschaft erringen. Eine Wahnsinnskonstellation, wenn man bedenkt, dass der gute Léon mit 79 Jahren noch immer vorne mitfährt. Der neue Champion spricht demnach mit größter Achtung von unserem Altmeister und lobt ihn in höchsten Tönen: „Ech hat well ëmmer Respekt virum Léon Linden, mee no dësem Joer as deen nach vill méi grouss gin.“

Der Showdown in Frankreich um den Meistertitel im Bergrennsport war somit extrem spannungsgeladen, zumal das Getriebe am Tatuus Renault samstags nach dem Training schon wieder streikte. Wegen der Reparaturarbeiten verpasste er den 2. Lauf und die entscheidende 3. Montée sollte sich so zu einem Krimi entwickeln. Léon startete vor Daniel, aber nach vier Kurven schaltete die Ampel auf rot. Ein Konkurrent war mit technischen Problemen auf der ellenlangen Auffahrt von Turckheim nach Trois Épis liegen geblieben. Also mussten die beiden Luxemburger zurück zum Start rollen und diesmal ließen die Franzosen Donkels zuerst losfahren. Irgendwann unterwegs blieb der 4. Gang wieder stecken, Daniel war am Verzweifeln, aber irgendwie wollte das Getriebe dann wieder und er fuhr das Rennen zu Ende. Sein Chrono war besser als die bisherigen Zeiten von Léon. Der kam nie oben an, ein recht heftiger Einschlag hatte seine Meisterschaftsträume an einem Felsen im Elsass zerschellen lassen. Es bleib beim Materialschaden. So darf sich Daniel Donkels über seinen ersten Luxemburger Meistertitel freuen, der ihm wahrlich nicht in den Schoß gefallen ist.

von Roland Baumann – autorevue Luxemburg

Über Thomas Bubel 292 Artikel
Thomas Bubel ist Jahrgang 1966, verheiratet und hat zwei Kinder. Er berichtet seit 20 Jahren in Wort und Bild über Bergrennen. Seit 1991 ist er Pressesprecher seines Heimatvereins Homburger Automomobilclub und des Homburger ADAC Bergrennens. Seit 11 Jahren betreibt der freie Journalist und Fotograf "Bergrennen in Deutschland", die Webseite für alle am Berg.